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Christus ist das wahre Licht

Ein Abendspaziergang lässt Christus als den wahren Lichtbringer erkennen, wie ihn die Kirche in der Osternacht besingt.
Morgenstern
Foto: Pixabay | Christus ist der wahre Morgenstern.

Als ich jetzt vor Ostern überlegte, über welches Thema ich in meiner Katechese sprechen könnte, kam mir Inspiration aus der Höhe – man könnte sagen, Christus selbst sei mir erschienen.
Es war aber keine Vision, die ich hatte, und auch die glorreiche Wiederkunft Christi hat sich noch nicht ereignet. Vielmehr erblickte ich am Himmel ein Leuchten, als ich am Abend noch einen Spaziergang unternahm.

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Es war der Himmelskörper, den man am Abend „Abendstern“ und am Morgen „Morgenstern“ nennt. Neben dem Mond ist dies das hellste Licht am Himmel, und mir fiel ein, dass das Exsultet, das feierliche Osterlob, auch bald in der heiligen Osternacht gesungen werden würde, in dem vom Morgenstern, dem Lucifer, die Rede sein wird. Lucifer, so sagte auch schon Photina Rech, eine Nonne aus dem liturgisch bewegten Kloster Herstelle, mutet für unsere Ohren doch eher sonderlich an.

Christus der Morgenstern

Wenn man vom Lucifer hört, so denke man doch zunächst an jene Kreatur, die zum Inbegriff der Finsternis geworden sei. Und doch bedeutet Lucifer das Gleiche, was im Griechischen mit dem Namen Phosphoros ausgedrückt wird: Es ist der Lichtbringer, der die Nacht erhellt und den Morgen ankündigt. So ist es einleuchtend, dass Christus der „wahre Morgenstern“ ist, der im Osterlob besungen wird: Er vertreibt mit dem Licht seiner Auferstehung die Nebel der Dunkelheit und die Finsternis der Sünde und des Todes.

Er ist es auch, der im Advent herbeigerufen wird in der Antiphon vom 21. Dezember: „O Morgenstern, Glanz des ewigen Lichtes und Sonne der Gerechtigkeit: Komm und erleuchte, die da sitzen in der Finsternis und im Schatten des Todes.“ Und die Oration der heiligen Messe der Osternacht richtet an Gott die Bitte: „O Gott, du erhellst diese hochheilige Nacht durch die glorreiche Auferstehung unseres Herrn; erhalte in den neugeborenen Gliedern deiner Kirche den Geist der Kindschaft, den du ihnen verliehen hast, auf dass sie, neu geworden an Seele und Leib, einen makellosen Dienst dir entbieten.“ Die Nacht ist vom Glanz der Auferstehung erhellt, und mehr noch: die Vigil, „Mutter aller Vigilien“, ist von alters her der Termin für die Taufe.

Aus dem Dunkel ins Licht

Die Täuflinge werden durch die präbaptismalen Riten aus dem Herrschaftsbezirk des Bösen gerissen, schreiten also von der Dunkelheit zum Licht, und werden nach der Taufe mit dem strahlend weißen Kleid angetan als Sinnbild für die heiligmachende Gnade und das neue Leben in Christus. Das Gewand greift die Symbolik von Finsternis und Licht, Schwarz und Weiß auf, und Augustinus sagt von den Neugetauften, sie seien in der Nacht der Sünde selbst Finsternis gewesen, nun aber bezeichne das weiße Gewand den Glanz der Seele. Im Griechischen hat sich als Name für die Taufe auch der Begriff „Photismos“ – Erleuchtung – entwickelt. Wer aber erleuchtet ist und die Nacht der Sünde verlassen hat, muss dies als Auftrag auffassen, „neu geworden an Seele und Leib, Gott einen makellosen Dienst zu entbieten“.

Jonas Dlugi
Foto: DT/privat

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