Am frühen Morgen des 1. September 1939 wurde von dem deutschen Schulschiff „Schleswig-Holstein“ aus die polnische Westerplatte beschossen; der Signalschuss kam aus dem Ort Neufahrwasser – heute Nowy Port bei Danzig. Damit begann der Zweite Weltkrieg. Bereits vor dem Überfall hatten die Nationalsozialisten Vorkehrungen gegen einen möglichen polnischen Widerstand getroffen.
Seit 1936 gab es Karteikarten mit den Daten „unerwünschter Personen“, die sofort nach der Einnahme Polens verhaftet werden sollten. Mitte August 1939, zwei Wochen vor dem Überfall, wurde in einer bewaldeten Gegend bei Danzig ein Gelände eingezäunt und mit Baracken versehen, in dem Regimegegner inhaftiert werden sollten: das spätere Konzentrationslager Stutthof. Zu dieser Zeit war der polnische Priester Marian Górecki Vorsteher der Militärkapelle „Unserer Lieben Frau von Tschenstochau“ in Neufahrwasser sowie Kaplan im dortigen Munitionslager.
Er gehörte zu den ersten Personen, die festgenommen und in Stutthof inhaftiert wurden. Wie zahlreiche weitere Mitgefangene sollte er das Lager nicht lebend wieder verlassen. Am 13. Juni 1999 wurde er von Papst Johannes Paul II. in Warschau seliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 22. März.
Marian Górecki wurde am 2. Mai 1903 in Posen im damaligen Königreich Preußen geboren; 1920 kam die Stadt durch den Versailler Vertrag zum wieder errichteten Polen. Im selben Jahr nahm der 17-Jährige freiwillig am Polnisch-Sowjetischen Krieg teil. Nach dem Schulabschluss trat er ins Priesterseminar der Erzdiözese Posen ein und wurde 1928 zum Priester geweiht.
Das erste Jahrzehnt seines priesterlichen Lebens verbrachte Marian Górecki in verschiedenen Pfarrdiensten, wo er sich besonders der Jugendarbeit widmete, als Kaplan für die Pfadfinder und als Lehrer, und in der Lehrerausbildung tätig war. 1933 wurde er aus der Erzdiözese Posen nach Neufahrwasser in der Diözese Danzig delegiert, als Religionslehrer und Präfekt am polnischen Gymnasium, während er gleichzeitig die Militärkapelle und sowie die Menschen, die im polnischen Munitionslager auf der Westerplatte tätig waren, betreute.
Sofort nach dem Angriff auf Polen, noch am Morgen des 1. September, kam es zu Massenverhaftungen in Danzig und Umgebung. Auch Marian Górecki sowie vier weitere Priester waren unter den Festgenommenen. Sie wurden zunächst in die Danziger Viktoriaschule gebracht, die als Durchgangslager für internierte Polen eingerichtet worden war. Schon am folgenden Tag wurde eine vierzigköpfige Gruppe von Geistlichen und Lehrern, darunter Marian Górecki, auf das vorbereitete Barackengelände abtransportiert, wo sie gezwungen wurden, ein Lager aufzubauen.
Im Winter, bei zunehmender Kälte und Mangelernährung, wurden die Lebensbedingungen der Inhaftierten immer härter. Besonders die Priester wurden zusätzlich schikaniert und gezwungen, ohne Stroh auf dem kalten Fußboden zu schlafen. Als Marian Górecki zum Trost einige Weihnachtslieder anstimmte, wurde er trotz unzureichender Kleidung zum Schneeräumen abkommandiert.
In der Karwoche 1940 beschlossen die Priester, am Gründonnerstag, dem 21. März, heimlich eine heilige Messe zu feiern.
Dies sollte ihnen zum Verhängnis werden, denn am folgenden Tag wurden sie und weitere Gefangene – insgesamt 66 Personen – aus dem Lager abgeführt. Ein Mitgefangener bezeugte später: „Wir hörten nichts mehr von ihnen. Den letzten Tag vor ihrem Tode, wie auch schon früher häufig, hatten diese Priester die Abtrittsgrube leertragen müssen, die letzte Entweihung und Entwürdigung von Geistlichen.
Und doch haben sie mit Geduld, ja mit Freuden ihr Leid getragen. Zugleich waren sie uns treue Kameraden; stets haben sie uns Mut zugesprochen.“ Unter dem höhnischen Hinweis auf den Kreuzestod Christi am Karfreitag wurde die Gruppe, darunter auch Marian Górecki, von SS-Männern erschossen.
Zusammen mit den anderen Ermordeten fand Marian Górecki seine letzte Ruhestätte auf dem Lagerfriedhof in Zaspa, einem Stadtteil von Danzig, der heute als Ehrenfriedhof und als Gedenkstätte dient. Er wurde in das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen, das im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben wird.
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