Heilige

Unsere Liebe Frau von Velankanni - 8. September

Um das Jahr 1600 ist die Muttergottes in einem kleinen Dorf in Südindien erschienen. Heute ist Velankanni der größe Marienwallfahrtsort des Indischen Subkontinents.
Die Basilika „Unserer Lieben Frau von der Gesundheit“ in Velankanni.
Foto: nowmahulat/stock.adobe.com | Die Basilika „Unserer Lieben Frau von der Gesundheit“ in Velankanni.

An der Südspitze Indiens am Golf von Bengalen liegt der Marienwallfahrtsort Velankanni. Jedes Jahr vom 29. August bis zum 8. September finden hier Festmessen in verschiedenen Sprachen statt, zu denen unzählige Menschen in die schneeweiße neugotische Wallfahrtsbasilika Unserer Lieben Frau von der Gesundheit pilgern. Mit etwa 20 Millionen Besuchern pro Jahr ist es das bedeutendste Marienheiligtum des Indischen Subkontinents. Höhepunkt der jährlichen Feierlichkeiten ist die große Prozession mit dem Bildnis Unserer Lieben Frau von Velankanni am 8. September, dem Fest der Geburt Mariens.

Der Ursprung des Marienheiligtums liegt in mehreren Erscheinungen der Gottesmutter an diesem Ort, die einer mündlichen Überlieferung zufolge um das Jahr 1600 stattgefunden haben. Zuerst erschien Maria einem Hindujungen, der Milch an einen Kunden in einem nahegelegenen Dorf liefern sollte. Die Gottesmutter bat ihn um Milch für ihr Kind, und er erfüllte ihre Bitte. Als er in dem Dorf ankam, entschuldigte er sich bei dem Kunden für die fehlende Milch.

Als dieser den Milchtopf öffnete, war er jedoch auf wundersame Weise wieder gefüllt. Daraufhin begab sich der Mann, ebenfalls ein Hindu, zusammen mit dem Jungen zu der Stelle, an der die Frau ihn um Milch gebeten hatte. Wieder erschien ihnen die Gottesmutter. Einige Jahre später erschien sie erneut einem gelähmten Jungen, der auf dem Markt in Velankanni Butter verkaufte. Sie bat ihn um etwas Butter für ihr Kind, und dieser gab sie ihr. Daraufhin sandte die Gottesmutter den Jungen zu einem wohlhabenden Katholiken, dem sie in der Nacht zuvor in einem Traum erschienen war und ihn gebeten hatte, ihr eine Kapelle zu erbauen. Sofort war der Junge von seiner Lähmung geheilt und eilte zu dem Mann.

Heilung auf die Fürsprache der Gottesmutter

Zum Dank ließ dieser an dem Ort der Erscheinung eine kleine Kapelle errichten, die „Unserer Lieben Frau von der Gesundheit“ geweiht wurde. Sie wurde einige Jahre später erneuert und vergrößert durch portugiesische Kaufleute, die vor Velankanni Schiffbruch erlitten hatten und gerettet worden waren. Die Weihe dieser Kirche fand am 8. September statt, der seitdem als Fest Unserer Lieben Frau von Velankanni gefeiert wird. Durch den Einfluss dieses Marienheiligtums, das im Laufe der Jahrhunderte von unzähligen Menschen aufgesucht wurde, um die Fürsprache der Gottesmutter für ihre Heilung zu erbitten, wurde „Unsere Liebe Frau von der Gesundheit“ in Indien zu einem der beliebtesten Marientitel; zahlreiche Kirchen auf dem gesamten Subkontinent sind der Gottesmutter mit diesem Titel geweiht.

Im 20. Jahrhundert wurde aufgrund der ständigen Pilgerströme mit dem Bau einer großen Wallfahrtskirche begonnen, die 1933 eingeweiht wurde; Papst Johannes XXIII. erhob sie 1962 in den Rang einer Basilika. Im Jahr 2002 war Velankanni der zentrale Veranstaltungsort des Welttags der Kranken, der seit 1993 an jedem 11. Februar, Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, gefeiert wird.

Papst Johannes Paul II. schrieb in seiner diesbezüglichen Botschaft: „Im Jahr 2002 findet dieser festliche Tag zum zehnten Mal statt, und zwar in einem bekannten südindischen Marienwallfahrtsort, dem Heiligtum Unserer Lieben Frau von der Gesundheit in Velankanni, das als ‚Lourdes des Ostens‘ bekannt ist. Überzeugt von der sicheren Hilfe der göttlichen Mutter in ihren Nöten, begeben sich Millionen Menschen in tiefer Verehrung und mit Vertrauen zu diesem Heiligtum am Ufer des Golfs von Bengalen, inmitten einer ruhigen Landschaft voller Palmenhaine. Velankanni zieht nicht nur christliche Pilger an, sondern auch zahlreiche Anhänger anderer Religionen, insbesondere Hindus, die in Unserer Lieben Frau von der Gesundheit die fürsorgliche und mitfühlende Mutter der leidenden Menschheit erkennen. In einem Land mit einer so alten und tief verwurzelten Religiosität wie Indien ist dieser der Muttergottes geweihte Wallfahrtsort eine wahre Begegnungsstätte für Mitglieder verschiedener Religionsgemeinschaften und ein ausgezeichnetes Beispiel für interreligiösen Austausch und Harmonie.“

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