9. Dezember: Der Wochenheilige

Sel. Bernardo Silvestrelli CP

Bernardo Silvestrelli war von 1878 bis 1907 Generaloberer der Kongregation vom Leiden Jesu Christi.
Selige Bernardo Silvestrelli
| Bernardo Silvestrelli wurde am 16. Oktober 1988 seliggesprochen und gilt bei den Passionisten als „zweiter Gründer“.

Die Kongregation vom Leiden Jesu Christi, kurz „Passionisten“ genannt, wurde 1720 vom heiligen Paul vom Kreuz gegründet. Eine Blütezeit erlebte sie unter dem seligen Bernardo Silvestrelli, der von 1878 bis 1907 Generaloberer war. Sein Gedenktag ist der 9. Dezember.

Eine zeitgenössische Quelle beschreibt den 23-jährigen Cesare Pietro Silvestrelli, so sein bürgerlicher Name, folgendermaßen: „Ein interessanter, gutaussehender junger Mann von großer Statur, schlank und mit guten Manieren. Die Stirn ist hoch und ernst, die tiefschwarzen, durchdringenden Pupillen lassen einen wachen Geist erkennen, während die tiefen Augenbrauen seinem Gesicht leicht melancholische Züge verleihen. Freundlich, höflich und sehr zuvorkommend, wirkt er auf Anhieb sympathisch. Er spielt gerne Spinett und malt Bilder.“

Man weiß nie, was kommen wird

Am 7. November 1831 an der römischen „Piazza della Minerva“ geboren, stammte er aus einer vornehmen Familie, die im Risorgimento politisch aktiv war. Als Schüler am römischen Jesuitenkolleg war seine Jugend von mehreren Todesfällen geprägt: 1832 starb sein Bruder Giuseppe, 1845 seine Schwester Caterina, 1848 seine Mutter und 1853 sein Vater.

Zu dieser Zeit lernte er die Passionisten kennen und beschloss 1854, einen Monat in deren römischem Kloster zu verbringen, um über seine Zukunft nachzudenken. Beim Aufbruch schenkte er jedem Familienmitglied ein Kreuz mit den Worten: „Man weiß nie, was kommen wird.“

Tatsächlich kehrte Cesare nicht wieder nach Hause zurück, sondern trat auf dem Monte Argentario bei Grosseto in das Noviziat der Passionisten ein. Von dort wollte man ihn nach einem Monat in die Familie zurücksenden, da er für das Ordensleben „zu melancholisch“ sei. Er durfte jedoch im Kloster seine theologischen Studien weiterführen. Am 22. Dezember 1855 empfing er die Priesterweihe und wurde anschließend wieder in die Kongregation aufgenommen.

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Junger Novizenmeister

Am 27. April 1856 wurde der junge Cesare Silvestrelli eingekleidet. An diesem Tag nahm er den Ordensnamen Bernardo Maria an. Ein Jahr später legte er die Ordensprofess ab und stand ab diesem Zeitpunkt ganz im Dienst seiner Mitbrüder. Als er 1865 zum Novizenmeister ernannt wurde, bedurfte es einer zweifachen Dispens durch den Heiligen Stuhl, da er noch keine 35 Jahre alt war und seine Ordensprofess noch keine zehn Jahre zurücklag. Anschließend wurde er Oberer und Provinzialrat und 1876 Provinzial. 1878, mit 47 Jahren, wurde er zum ersten Mal zum Generaloberen gewählt. Er hatte dieses Amt mit kurzen Unterbrechungen bis 1907 inne.

Bernardo Silvestrelli führte die Passionisten durch schwierige Jahrzehnte. Politische Unruhen führten zur Aufhebung von Klöstern. Unter den Passionisten gab es Spaltungstendenzen, da einige die vom Gründer gewollte kontemplative und gemeinschaftliche Dimension eindämmen wollten.

Außerdem wuchs die Zahl der Mitglieder stark an, was zur Öffnung von Ordenshäusern in Mexiko, Australien, England, Frankreich, Holland, Belgien, Irland, den Vereinigten Staaten, Chile, Spanien und Argentinien führte. Hier stand Bernardo Silvestrelli der Herausforderung gegenüber, das Charisma der Passionisten in andere Kulturen zu übertragen. Er löste alle Probleme und Konflikte durch ernsthafte Entscheidungsfindung, wobei er stets am Willen des Gründers orientiert blieb. Schon früh befürwortete er die Einführung einer zeitlichen vor der ewigen Profess, die später zur kirchlichen Norm wurde.

Von Päpsten geschätzt

Die Päpste seiner Zeit schätzten Bernardo Silvestrelli aufgrund seines heiligmäßigen Lebens und seiner menschlichen Führungsqualitäten. Mehrmals wurde ihm der Kardinalspurpur angetragen, aber Bernardo lehnte jedes Mal ab. „Wenn der Heilige Vater mir den Kardinalshut sendet, dann hänge ich ihn am nächsten Nagel auf“, lautete seine eindeutige Antwort.

1907 entband Pius X. den mittlerweile 77-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Generaloberer, und dieser zog sich in das Kloster Moricone bei Rom zurück. Er starb am 9. Dezember 1911 infolge eines Treppensturzes.

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