20. April: Der Wochenheilige

Heiliger Papst Anicetus

Von 155 bis 166 war Anicetus Bischof von Rom, als Nachfolger des verstorbenen Pius I. Er wahrte Frieden und Einheit in der Kirche, trotz unterschiedlicher liturgischer Bräuche.
Heilige Papst Anicetus
| Anicetus stammte aus Emesa – dem heutigen Homs – in der römischen Provinz Syrien, wo er gegen Ende des ersten Jahrhunderts geboren wurde.

Das Ostertriduum, die Feier des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi, ist seit der Urkirche das höchste Fest der Christenheit. Der Ostersonntag bestimmt alle anderen beweglichen Feste im Kirchenjahr. Was einfach klingt, war zu Beginn des Christentums sehr problematisch, denn es gab regional verschiedene Kalendersysteme. So war der jüdische Kalender an den Mondphasen orientiert, während der Julianische Kalender, den Julius Caesar im Jahr 45 vor Christus für das Römische Reich eingeführt hatte, ein Sonnenkalender war. Außerdem war theologisch unklar, ob das Leiden und Sterben Christi oder seine Auferstehung im Mittelpunkt des Osterfestes stehen sollten.

Während man sich in Palästina und Kleinasien am Brauch der Jerusalemer Urgemeinde orientierte und Ostern als Gedenken an das Letzte Abendmahl und den Kreuzestod Christi nach dem jüdischen Kalender am 14. Nisan, dem jüdischen Pessachfest, feierte, setzte sich andernorts – vor allem in Rom und Alexandrien – schon früh der Brauch durch, Ostern zwar um das jüdische Pessach herum, aber als Fest der Auferstehung immer an einem Sonntag zu feiern. Der erste Papst, der sich zu dieser Frage äußerte, war Anicetus, dessen Gedenktag die Kirche am 20. April feiert.

Position gegen die Gnostiker bezogen

Anicetus stammte aus Emesa – dem heutigen Homs – in der römischen Provinz Syrien, wo er gegen Ende des ersten Jahrhunderts geboren wurde. In der Provinzhauptstadt Antiochien gab es eine der frühesten christlichen Gemeinden. Als Anicetus sich zu Beginn des zweiten Jahrhunderts hier niederließ, gab es in der Gemeinde von Antiochien starke gnostische Strömungen, die die christliche Lehre mit philosophischen Elementen anderer Herkunft durchzogen und die innerkirchlich bekämpft wurden. Wohl im Rahmen dieser Kämpfe, in denen er sich gegen die Gnostiker stellte, musste Anicetus Antiochien verlassen und kam nach Rom.

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Von 155 bis 166 war Anicetus Bischof von Rom, als Nachfolger des verstorbenen Pius I. Dies war keine leichte Aufgabe, denn die Gemeinde von Rom war seit etwa zehn Jahren gespalten, da ein Teil von ihr sich Markion angeschlossen hatte. Dieser war ein wohlhabender Kaufmann, der durch seine finanziellen Beiträge großen Einfluss in der Gemeinde hatte.

Er hatte unter dem Einfluss der Gnosis eine eigene dualistische Lehre entwickelt, die das Alte Testament radikal verwarf, da dort von einem „bösen Gott“ die Rede sei, der vom „guten Gott“, dem Vater Jesu Christi, besiegt wurde. Auch hier war Anicet wieder dem Kampf gegen die Gnosis ausgesetzt.

Streit um den Ostertermin

In diesem Kampf bekam er Hilfe von dem späteren Märtyrer Polykarp von Smyrna, eines hochbetagten Schülers des Apostels Johannes. Eusebius von Caesarea berichtet in seiner Kirchengeschichte, dass Polykarp „damals in Rom weilte, wo er sich mit Anicet wegen des Ostertermins besprach“. Er „lehrte stets die Lehre der Apostel und die Überlieferung der Kirche, die allein wahr sind, wofür auch alle Kirchen Asiens Zeugnis geben, ebenso wie die Nachfolger Polykarps bis auf den heutigen Tag; denn er war ein viel glaubwürdigerer und verlässigerer Zeuge der Wahrheit als Valentin, Markion und die übrigen Irrlehrer. Unter Anicet weilte er in Rom, wo er viele von den erwähnten Häretikern für die Kirche Gottes durch die Erklärung gewann, dass es einzig und allein die von der Kirche überlieferte Wahrheit sei, welche er von den Aposteln empfangen habe.“ Was den Ostertermin betraf, so war Polykarp ein Anhänger des Brauchs, Ostern unabhängig vom Wochentag am jüdischen Pessachfest zu feiern, während in Rom Ostern am Sonntag nach dem Pessachfest begangen wurde. Eusebius schreibt: „Polykarp konnte Anicetus nicht überzeugen, und Anicetus nicht Polykarp. Der Streit wurde nicht beigelegt, aber die Beziehungen wurden nicht unterbrochen.“

Es war also Anicetus' Verdienst, in dieser frühen Zeit den Frieden und die Einheit in der Kirche gewahrt zu haben, trotz unterschiedlicher liturgischer Bräuche.

Der „Osterfeststreit“ wurde erst im Jahr 325 vom Ersten Konzil von Nizäa beendet, das festlegte, dass das Osterfest immer nach Frühlingsbeginn – nach dem Julianischen Kalender der 21. März – und an einem Sonntag nach dem jüdischen Pessach gefeiert werden soll.

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