Am 13. Dezember wurden in der Kathedrale Notre Dame in Paris im Namen von Papst Leo XIV. 50 Märtyrer seliggesprochen, die zwischen 1944 und 1945 von den Nationalsozialisten aus Glaubenshass getötet wurden. Es waren überwiegend junge Männer – Priester, Seminaristen und engagierte Laien –, die im Rahmen der von den französischen Bischöfen ins Leben gerufenen „Mission St. Paul“ freiwillig in das nationalsozialistische Deutschland gingen, um Seelsorgearbeit unter den mehr als 300.000 französischen Zwangsarbeitern zu leisten, die in den Rüstungsbetrieben und in der Landwirtschaft deutsche Arbeitskräfte ersetzen sollten.
Da sie offiziell keine Kriegsgefangenen waren, fielen sie nicht unter den Schutz der Genfer Konvention, die diesen religiösen Beistand zusicherte. Um die Zwangsarbeiter nicht allein zu lassen, hatten die französischen Bischöfe die geheime „Mission St. Paul“ ins Leben gerufen. Kardinal Jean-Claude Hollerich zitierte in seiner Predigt zur Seligsprechung als ersten der Märtyrer Claude-Colbert Lebeau aus der „Christlichen Arbeiterjugend“ mit den Worten: „Ich bin nicht gekommen, um für Nazideutschland zu arbeiten, sondern um meinen Brüdern und Schwestern die Hilfe des Glaubens an Jesus Christus zu bringen.“ Er starb am 3. Januar 1945 im Straflager Zöschen in Sachsen-Anhalt. Wir stellen ihn hier als ersten aus der Gruppe der neuen Märtyrer vor; weitere werden später anlässlich ihrer Todestage folgen.
„Die jungen Arbeiter brauchen mich”
Claude-Colbert Lebeau wurde am 23. Oktober 1922 im westfranzösischen Paizay-le-Sec geboren. Als sein Vater eine Anstellung als Eisenbahner bekam, zog die Familie nach Châtellerault um, wo Claude-Colbert die Schule besuchte und sich den Pfadfindern und später der „Christlichen Arbeiterjugend” anschloss. Er liebte die Eucharistie und den liturgischen Dienst und wurde zum leitenden Messdiener seiner Gemeinde. Nach der Schule begann er eine Banklehre.
Als seine Heimat im Juni 1940 von der Wehrmacht besetzt wurde, wurden viele junge Franzosen zur Arbeit im Deutschen Reich zwangsverpflichtet. Auch der 20-jährige Claude-Colbert wurde im März 1943 aufgefordert, dorthin zu gehen. Einem Aufruf des Erzbischofs von Paris, Kardinal Emmanuel Suhard, an die „Christliche Arbeiterjugend“ folgend, kam er dieser Aufforderung nach, um den französischen Arbeitern insgeheim seelsorgerisch zur Seite zu stehen: „Ich muss gehen. Die jungen Arbeiter brauchen mich. Sie sind dort dem ganzen Druck der Nazis ausgesetzt und brauchen mich.“ So kam er in ein Kohlewerk bei Leipzig, wo er neben der harten Tätigkeit den französischen Zwangsarbeitern beistand und geheime christliche Zusammenkünfte organisierte.
Eine wunderbare Mission
Ab Dezember 1943 begannen die deutschen Behörden, die zunehmend über die verbotenen religiösen Aktivitäten informiert wurden, diesbezüglich die Post zu kontrollieren und die Zwangsarbeiter stärker zu überwachen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde Claude-Colbert am 13. September 1944 durch die Gestapo inhaftiert. Anschließend brachte man ihn nach Zöschen in ein sogenanntes Arbeitsumerziehungslager. Von diesen Lagern, von denen es etwa 200 im Deutschen Reich gab, wurden Regimegegner und als unzuverlässig eingestufte ausländische Zwangsarbeiter in verschiedenen Betrieben eingesetzt, die Insassen von Zöschen überwiegend in den Chemiewerken von Leuna.
Auch hier setzte Claude-Colbert trotz der schwierigen Umstände seine Seelsorgetätigkeit fort: „Ich pflanze das Kreuz Christi ein, mit Hilfe meiner Kameraden; es ist eine wunderbare Mission, die wir empfangen haben“, schrieb er in einem Brief an einen Freund. „Dies ist nicht die Stunde, sich zurückzuziehen oder nur auszuharren. Es ist die Stunde der Verkündigung… die Stunde, getrennte Familien zu unterstützen… die Stunde, all den jungen Menschen das Zeugnis Christi zu bringen… Ja, wir müssen vorangehen, Christus muss alles durchdringen, und wir sind es, die diese Durchdringung leisten müssen.“ Claude-Colbert Lebeau starb am 3. Januar 1945, im Alter von 22 Jahren, infolge von Misshandlungen und Erschöpfung. Sein Leichnam wurde in seine Heimat überführt, wo er auf dem Friedhof von Châtellerault beigesetzt ist.
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