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Der heilige Thomas Becket geht den schweren Weg

Auf eine Karriere am Hof und in der Kirche folgt das Martyrium. Der Heilige Thomas Becket stand im Konflikt zur Kirche und zu Christus. Ein Vorbild auch für unsere Zeit.
Der heilige Thomas Becket
| Thomas Becket wird Lordkanzler und Erzbischof. Im Konflikt bleibt er standhaft.

Wer einmal das Weihnachtsfest in Rom verbringt, darf es nicht versäumen, die Basilika „Santa Maria Maggiore“ zu besuchen, denn hier wird von alters her die Krippenreliquie verehrt: einige Holzstücke, die der Tradition zufolge von der Krippe stammen, in der das Jesuskind in Bethlehem gelegen hat. Und noch eine weitere bedeutende Reliquie wird dort aufbewahrt: die blutbefleckte Tunika, die der heilige Thomas Becket vor genau 850 Jahren, am 29. Dezember 1170, trug, als er in der Kathedrale von Canterbury ermordet wurde. Das kostbare Gewand sollte im Rahmen des „Becket-Jahrs“ im Sommer 2020 für einige Wochen dorthin zurückkehren, aber die Feiern zum Becket-Jubiläum wurden aufgrund der Corona-Pandemie ins Jahr 2021 verschoben.

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Karriere in Kirche und Welt

Thomas Becket wurde um 1118 in London in einer normannischen Kaufmannsfamilie geboren. Er studierte Kirchenrecht in Auxerre und Bologna und wurde dann Mitarbeiter des Erzbischofs von Canterbury, des Benediktiners Theobald von Bec, der ihn um 1146 zum Priester weihte und zu seinem Erzdiakon machte. Auch König Heinrich II. war von Beckets Fähigkeiten beeindruckt und machte den etwa Gleichaltrigen 1155 zu seinem Lordkanzler und damit zum zweitmächtigsten Mann im englischen Staat und vertraute ihm die Erziehung seiner Kinder an.

Erzbischof von Canterbury

Als Erzbischof Theobald im Jahr 1161 starb, wollte Heinrich II. Thomas Becket zu dessen Nachfolger erheben – damals ein königliches Privileg. Da Becket erkannte, dass diese Privilegien teilweise im Gegensatz zum Kirchenrecht standen, lehnte er zunächst ab, um nicht in einen Gewissenskonflikt zu geraten, gab aber unter dem Drängen des Apostolischen Nuntius Heinrich von Pisa nach, ließ sich zum Erzbischof von Canterbury weihen und wurde damit zum mächtigsten Mann in der Kirche von England.

Christus ähnlicher werden

Dieser Schritt war mit einem radikalen Lebenswandel verbunden. Hatte Thomas Becket vorher am Königshof im Luxus gelebt, an rauschenden Festen teilgenommen und auf keine Annehmlichkeiten verzichtet, so führte er in Canterbury ein asketisches Leben im mönchischen Stil – er war Benediktineroblate –, widmete sich dem Gebet und seinen pastoralen und karitativen Aufgaben und versuchte, Christus, dem guten Hirten, immer ähnlicher zu werden.

Flucht ins Exil

Dann kam es – wie Becket prophezeit hatte – zu einem schwerwiegenden Konflikt mit dem König. Im Jahr 1164 erließ Heinrich II. die „Constitutions of Clarendon“, durch die die kirchliche der weltlichen Gerichtsbarkeit untergeordnet wurde. Die englischen Bischöfe fügten sich zunächst, aber als Papst Alexander III. die Konstitutionen ablehnte, zog auch Thomas Becket seine Einwilligung zurück, weigerte sich, sein Siegel unter die Konstitutionen zu setzen und musste daraufhin ins Exil fliehen. Sechs Jahre lang hielt er sich erst in einem Zisterzienserkloster und anschließend als Gast am französischen Königshof auf.

 

 

Rückkehr und Ermordung

Bei seiner Rückkehr nach Canterbury wurde Thomas Becket vom Volk freudig empfangen, während der König verbittert ausrief, jemand möge ihn von diesem Bischof befreien. Vier Ritter machten sich daraufhin auf nach Canterbury, um den Willen des Königs zu erfüllen. Bis heute ist ungeklärt, ob sie aus eigenem Antrieb oder auf Heinrichs ausdrücklichen Befehl handelten. Bei ihrer Ankunft stand Thomas Becket in der Kathedrale vor dem Altar. Sie riefen mit lauter Stimme: „Wo ist Thomas, der Verräter?“ Becket antwortete: „Ich bin hier, aber ich bin kein Verräter, sondern ein Bischof und Priester Gottes.“ Daraufhin wurde er brutal erstochen.

Baldige Heiligsprechung

Bereits 1173 wurde Thomas Becket heiliggesprochen. Sein Martyrium steht sinnbildlich für den Konflikt zwischen staatlicher Macht und geistlichen Idealen. Der Mediävist Pierre Aubé schrieb über Thomas Becket: „Bis heute bleibt er – verehrt, benutzt, verkannt, geschmäht – ein Zeichen des Widerspruchs. Und ein Symbol. Wie alle, die irgendwann einmal versuchen, für ihre Ideale die eisigen Gipfel der Politik zu erstürmen und abzutragen.“

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