Heilige

Die heilige Crescentia Höß: Heilige unter Hexenverdacht

Trotz täglicher Schikanen im Kloster seitens der Oberin blieb die Heilige Crescentia Höß freundlich und geduldig. Auch prominente Persönlichkeiten suchten ihren Rat.
Puppe mit Knochen der heiligen Crescentia
Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Der Gedenktag der heiligen Crescentia fällt zwar im liturgischen Kalender auf den 5. April, ihr Fest wird aber im Kaufbeurener Franziskanerinnenkloster, in dem sich ihre Gedenkstätte befindet, im Rahmen des Crescentiafestes begangen. Es findet traditionell am letzten Sonntag im April statt: in diesem Jahr der 25. April.

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Evangelischer Bürgermeister setzt sich für Aufnahme in Konvent ein

Wer war die Heilige? Anna Höß, geboren 1682, ist das sechste von acht Kindern der Kaufbeurer Weber Lucia und Mathias Höß, von denen fünf noch als Kinder sterben. Der Wunsch des Mädchens, in das Franziskanerkloster ihres Heimatortes einzutreten, entsteht schon früh, scheint aber nicht umsetzbar, weil ihre Eltern die erwartete Mitgift nicht aufbringen können. In einer ungewöhnlichen Aktion setzt sich der evangelische Bürgermeister der Stadt für Anna ein. Er kauft eine nahe dem Kloster gelegene Wirtschaft, die Quelle ständiger Störungen des beschaulichen Lebens, und übergibt dem Kloster Gebäude und Grundstück zur freien Verfügung mit der Auflage, Anna in den Konvent aufzunehmen.

Die Oberin stimmt zu, aber sowohl sie selbst als auch der Konvent behandeln die neue Mitschwester, die 1703 eintritt, schlecht. Zu den täglichen Schikanen, der Auflage, die niedrigsten Arbeiten zu verrichten, kommt die Heimatlosigkeit innerhalb des Klosters. Denn die Oberin nimmt Anna die eigene Zelle und sie muss nun täglich einen Schlafplatz suchen. Aber die junge Frau, die den Ordensnamen Maria Crescentia angenommen hat, wächst, wie ihr zweiter Name es ausdrückt, in enger Beziehung zum Gekreuzigten und zu Maria mit großer Geduld und Freundlichkeit in ihr neues Leben hinein. Die neue Oberin beendet die ungerechte Behandlung. Maria Crescentia wird nun Pförtnerin, arbeitet auf der Krankenstation und wird von der Oberin wiederholt als Beraterin angefragt.

Bedeutende Persönlichkeiten suchen ihren Rat

Aber ihr Leben bleibt aufgrund ihrer Visionen, wegen derer sie zeitweise unter Hexereiverdacht steht, herausfordernd. Von 1717 ist sie Novizenmeisterin des Konventes und ist zunehmend als geistliche Begleiterin gefragt. Zu den Menschen, denen sie sich widmet, zählen nicht nur die Novizinnen und die vielen einfachen Menschen aus Kaufbeuren und Umgebung, auch bedeutende Persönlichkeiten suchen ihren Rat. 1722 wirkt sie auf Bitte des Kemptener Fürstabts Rupert II. von Bodmann als Moderatorin in einer Streitsache in der Benediktinerabtei, auch Kurfürstin Amalia von München und Kurfürst Clemens August von Köln stehen nach einer persönlichen Begegnung im Jahr 1731 im Kaufbeurener Kloster mit ihr in Briefwechsel.

Welchen Stellenwert ihrem Urteilsvermögen beigemessen wird, zeigt ein ebenso seltenes wie bemerkenswertes Bild des Malers Ruffini aus München. Er malte 1728 nach Maria Crescentias Anweisungen den Heiligen Geist so, wie sie ihn in einer Vision gesehen hatte, als einen in einer Lichtaura ihr entgegenkommenden jungen Mann. 1741 wurde Maria Crescentia von den Schwestern des Konventes einstimmig zur neuen Oberin gewählt. Ihr praktischer, auch wirtschaftlicher Sachverstand und ihr gesundes menschliches Urteilsvermögen ließen sie das Kloster in den drei Jahren bis zu ihrem Tod entscheidend prägen. Der Seligsprechungsprozess wurde bereits 1775 eröffnet, aufgrund der Säkularisation und der Wirren der Kriege der Zeit aber nicht zum Abschluss gebracht. Die Seligsprechung erfolgte am 7. Oktober 1900 durch Papst Leo XIII., die Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II. am 25. November 2001.

 

Im heute nach Crescentia benannten Kloster der Franziskanerinnen von Kaufbeuren befinden sich ihre Reliquien und es werden regelmäßig Führungen veranstaltet. Eine Onlineführung gibt einen Eindruck von ihrem Leben, ihrem Briefwechsel und ihrer tiefen Frömmigkeit. Ihren Spuren kann man auch auf dem neunzig Kilometer langen Crescentia-Pilgerweg von Kaufbeuren über Oberegg, Ottobeuren und Mindelheim folgen. Das Crescentiakloster nimmt Gebetsanliegen an und teilt auf seiner Homepage Begegnungsgeschichten mit der Heiligen.

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