30. Juni: Der Wochenheilige

Der selige Zynoviy Kovalyk CSsR

Lieber sterben als zu dem Unrecht zu schweigen.
Pater Zynoviy Kovalyk wurde 2001 von Johannes Paul II. in Lwiw seliggesprochen
| Pater Zynoviy Kovalyk wurde 2001 von Johannes Paul II. in Lwiw seliggesprochen, zusammen mit 24 weiteren Märtyrern der griechisch-katholischen Kirche.

„Wenn es Gottes Wille ist, dann bin ich bereit zu sterben, aber ich kann zu einem solchen Unrecht nicht schweigen“: Mit diesen Worten schlug der Redemptorist Zynoviy Kovalyk, aufgrund seiner mitreißenden Predigten auch „Goldmund“ genannt, alle Warnungen, das atheistische Regime der Sowjetunion und seine Ideologie nicht zu sehr öffentlich anzuprangern, in den Wind. Sein unerschrockener Glaube führte ihn schließlich zum Martyrium; sein Gedenktag ist der 30. Juni.

Mitreißender Prediger

Einmal ein wortgewaltiger Prediger zu werden, war Zynoviy Kovalyk nicht in die Wiege gelegt, als er am 18. August 1903 in dem galizischen Dorf Ivachiv Dolishniy in der Westukraine geboren wurde. Seine Eltern waren einfache Landarbeiter, tiefgläubige griechisch-katholische Christen. Zynoviy hatte einen fröhlichen Charakter und eine schöne Singstimme. Er wurde zunächst Grundschullehrer, trat dann aber mit 25 Jahren bei den Redemptoristen ein, wo er am 28. August 1926 die Ordensprofess ablegte.

Nach dem Noviziat wurde er zum Studium nach Belgien gesandt und kehrte dann in die Ukraine zurück. Er wurde am 9. August 1932 im griechisch-katholischen Ritus zum Priester geweiht; die erste Göttliche Liturgie feierte er in seinem Heimatdorf.

Den Glauben der Menschen vertieft

Seine erste Aufgabe als Priester hatte er in Wolhynien, wo die Beziehungen zu den orthodoxen Ukrainern gestärkt werden sollten. Mit seiner schönen Stimme, die er in der Liturgie einsetzte, und seinen eindrucksvollen Predigten zog Pater Kovalyk zahlreiche Menschen an und führte sie zur Vertiefung des Glaubens. Auch nach seiner Rückkehr nach Galizien, wo er als Provinzökonom in der Redemptoristen-Gemeinschaften von Iwano-Frankiwsk lebte, nahm er mit großer Hingabe an den Volksmissionen, einem besonderen Charisma der Redemptoristen, teil.

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1939 wurde er nach Lwiw versetzt; kurz darauf nahmen sowjetischen Truppen das Gebiet ein. Wie seine Ordensbrüder war Pater Kovalyk empört und entsetzt über den staatlich verordneten Atheismus, der bis in das Alltagsleben der einfachen Bevölkerung eindrang und versuchte, den Glauben der Menschen zu zerstören.

Kovalyk provozierte die  Nomenklatura

Viele Priester wollten das Dilemma zwischen dem Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums und der Angst vor Verfolgung dadurch überwinden, dass sie nur geistliche Themen aufgriffen und die Politik in ihren Predigten unerwähnt ließen. Anders Pater Kovalyk: Er verurteilte in seinen Predigten offen das staatlich verordnete Unrecht und den auferlegten Atheismus. Am Fest der Entschlafung der Gottesmutter, dem 15. August 1940, hielt er in Lwiw vor unzähligen Gläubigen – Berichten zufolge waren es einige Zehntausend – eine flammende Predigt, die ihn in das Visier der sowjetischen Behörden geraten ließ. „Seine Predigten machten unglaublichen Eindruck auf seine Zuhörer. Aber in dem vorherrschenden System aus Denunziation und Terror war dies für einen Prediger sehr gefährlich“, berichtete ein Augenzeuge später. „Ich habe daher oft versucht, Pater Kovalyk zu überzeugen, dass er vorsichtiger sein müsse, was die Inhalte seiner Predigten betraf, dass er zu seiner eigenen Sicherheit die Bolschewiken nicht provozieren solle. Aber vergeblich.“

Spionagevorwurf und brutale Folter

Am 20. Dezember 1940 wurde Pater Kovalyk verhaftet. Aufgrund seiner Predigt am 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, warf man ihm vor, ein Spion zu sein. Sechs Monate lang war er im Brygidki-Gefängnis inhaftiert. Trotz vieler Verhöre und brutaler Folter kam Pater Kovalyk auch hier seinem Missionsauftrag nach und betete mit seinen Mitgefangenen, lehrte sie den Katechismus, hielt geistliche Vorträge, hörte Beichten und schenkte ihnen Trost durch biblische Geschichten. Als im Juni 1941 deutsche Truppen vor den Toren von Lwiw standen, ließen die Sowjets vor ihrem Rückzug etwa 7 000 Gefangene erschießen, darunter den offiziellen Berichten zufolge auch Pater Kovalyk. Augenzeugen dagegen berichten, dass er an der Gefängnismauer gekreuzigt wurde.

Pater Zynoviy Kovalyk wurde 2001 von Johannes Paul II. in Lwiw seliggesprochen, zusammen mit 24 weiteren Märtyrern der griechisch-katholischen Kirche. Der Tag der Seligsprechung war der 27. Juni, Gedenktag der Gottesmutter von der Immerwährenden Hilfe, Schutzpatronin der Redemptoristen.

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