Über 800 Jahre hinweg hat der heilige Franziskus mittlerweile gewaltige Resonanz erfahren, und das weit über die katholische Kirche hinaus. Das bestätigt der Provinzsekretär der Franziskaner in Österreich, Bruder Florian Mair, der auch einer der Kuratoren der Salzburger Ausstellung ist, im Gespräch mit der „Tagespost“.
Für manche sei er der „Öko-Apostel“, der mit den Tieren spricht, für andere wegen seines Zusammentreffens mit dem Sultan 1219 in Ägypten ein Vorreiter des interreligiösen Dialogs. „Vor allem aber steht er für eine unmittelbare Gottesbegegnung, nach der sich auch heute viele Menschen sehnen“, so der Franziskaner.
Der unbequeme Franziskus
Auf den ersten Blick sei Franziskus ein einfacher, zugänglicher Heiliger, er sei in gewisser Weise aber auch schwierig gewesen, und das bereits für seine Brüder vor mehr als acht Jahrhunderten. „Seine Popularität hängt mit den Bildern zusammen, die wir uns von ihm machen. Franziskus gehört nicht nur den Franziskanern, auch nicht nur der katholischen Kirche. Er sprengt die Grenzen und ist auch deshalb populär“, meint Florian Mair. In den Augen vieler sei Franziskus „eine Gestalt, die auf Macht verzichtet“, was auch in der heutigen Gesellschaft interessant sei.
Der Kurator der Salzburger Sonderausstellung stellt klar: „Der Kern des Franziskus ist die radikale Christusnachfolge, und zwar als Nachfolge des armen und demütigen Christus. Das ist der rote Faden seines Lebens.“ Franziskus sei es nicht um die Armut um ihrer selbst willen gegangen, sondern um die Nachfolge des armen Christus. Er habe nicht Armenfürsorge betrieben, sondern habe eine Sehnsucht nach einem eremitischen Leben gehabt.
Radikalität der Demut
Franziskus habe zwar viel gepredigt, sich aber regelmäßig zurückgezogen. Auch die heilige Klara sei Jesus als dem „armen Bräutigam“ nachgefolgt. In der Askese sei Franziskus ein „schwieriger Heiliger“. Sein Umgang mit der eigenen Leiblichkeit sei ein großes Thema.
„Die Kurzformel der franziskanischen Spiritualität könnte man so zusammenfassen: Krippe, Kreuz, Altar“, so Bruder Florian Mair. In diesen drei Dimensionen habe er „die Demut Gottes“ erkannt: „In der Betrachtung der Menschwerdung Gottes will er die Demut erkennen, wie Gott sich zeigt und uns seine Liebe vermittelt.
Im Kreuz zeigt sich, wie Christus das Leid auf sich nimmt, um uns zu erlösen. In der Eucharistie erniedrigt sich Gott, indem er in den Gestalten von Brot und Wein sichtbar wird. Franziskus betrachtet, was Gott Großes tut, um dann mit den Menschen entsprechend umzugehen.“
Zwei Orden, zwei Wege
Franziskus und Dominikus seien oft als Paar dargestellt worden. Gemeinsam sei ihnen die arme Lebensweise und die Predigttätigkeit. Beider Orden seien nicht monastisch, „sondern ein neuer Typ von Ordensleben mit viel größerer Flexibilität und Verfügbarkeit“. So sei der erste Bischof von Peking ein Franziskaner gewesen.
Bei den Dominikanern habe man größten Wert auf Intellektualität und eine apologetische Predigt gelegt, während bei den Franziskanern die Erneuerung der Lebensweise vorrangig gewesen sei. Warum sich die franziskanische Familie in unterschiedliche Ordenszweige aufsplitterte, erklärt Florian Mair so: „Vor allem war es die Frage, wie die Armut gemäß der Absicht des Ordensgründers zu verwirklichen sei. Mitunter gerieten unterschiedliche franziskanische Gruppen in den gleichen Städten in ein Konkurrenzverhältnis. Es gibt bis heute kein Patentrezept: Das ist eine charismatische Lebensweise, die in 800 Jahren auch weiterentwickelt wurde.“
Christusförmiger werden
Eines aber steht für Bruder Florian Mair fest: „Franziskus sollte uns inspirieren, wie wir uns selbst bekehren können und Christus-förmiger werden.“ Dadurch werde die Kirche lebendig und neu. Der Bezug zum armen und demütigen Christus habe auch der heutigen Zeit etwas zu sagen. „Unsere Gesellschaft – und mitunter auch die Kirche – ist doch etwas narzisstisch geprägt, und da hat gerade die Haltung der Ausrichtung am demütigen Christus eine Kraft: Ich muss mich nicht wichtig nehmen, aber mein Beitrag ist wesentlich.“
Bei Franziskus sei die Christozentrik die Triebfeder der kirchlichen Erneuerung gewesen: „Die Erneuerung der Kirche geht von einer erneuerten Christusbeziehung aus. Wenn Christus in den Mittelpunkt gestellt wird und nicht wir selbst, dann wird die Kirche neu und auch attraktiv.“
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