Heilige

Die heiligen Vier Gekrönten - 8. November

Auf dem Caelius, einem der sieben Hügel Roms, liegt auf halber Strecke zwischen dem Kolosseum und dem Lateran die Basilika „Santi Quattro Coronati“: der heiligen „Vier Gekrönten“.
8. November: Der Wochenheilige Die heiligen Vier Gekrönten
Foto: kna | 8. November: Der Wochenheilige Die heiligen Vier Gekrönten

Mit ihren Grundmauern aus dem 4. Jahrhundert gehört sie zu den ältesten Kirchen der Stadt. Sie hieß ursprünglich – wohl nach ihrem Stifter – „Titulus Aemiliani“ und ist im Jahr 595 erstmals als die Kirche der heiligen „Vier Gekrönten“ belegt. Im frühen Mittelalter wurden an die Kirche weitere Gebäude angebaut: So entstand eine Festung, die den – damals im Lateran residierenden – Päpsten als Fluchtburg diente.

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Gleichzeitig wurden zahlreiche Reliquien frühchristlicher Märtyrer aus den Katakomben in die Krypta der Kirche überführt. Papst Pius IV. vertraute im Jahr 1564 den gesamten Komplex den Schwestern des Augustinerordens an, die bis heute – seit nunmehr über 450 Jahren – dort ein kontemplatives Leben in strenger Klausur führen.

Komplexes Problem

Die heilige Messe und das Stundengebet feiern die Augustinerinnen in der riesigen Apsis der Kirche, und ein besonderer Höhepunkt jedes Jahres ist der 8. November, der Gedenktag der heiligen „Vier Gekrönten“: Dann werden ihre sonst im Kloster verwahrten kostbaren Reliquien auf dem Altar der Kirche ausgestellt und ihnen zu Ehren eine besondere Festmesse gefeiert.

Aber wer waren die heiligen „Vier Gekrönten“? Es handelt sich um ein komplexes hagiographisches Problem, das hier kurz dargelegt werden soll.

Die Geschichte der „Vier Gekrönten“ – der Name verweist auf die Krone des Martyriums – beginnt nicht mit vier, sondern mit fünf frühchristlichen Märtyrern: den Steinmetzen Claudius, Nicostratos, Castorius, Sempronianus und Simplicius, die zu Beginn des 4. Jahrhunderts in der römischen Provinz Pannonien lebten. Als sie sich weigerten, eine von Kaiser Diokletian in Auftrag gegebene Statue des Äskulap – des Gottes der Heilkunst – zu fertigen, wurden sie in der Save ertränkt.

Ihre Gebeine wurden nach Rom überführt, wo die heilige Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, einen Friedhof mit Namen „ad duas lauros“ (bei den zwei Lorbeerbäumen) hatte errichten lassen, auf dem viele Märtyrer der diokletianischen Verfolgung ihre letzte Ruhestätte fanden.

Bei den Trajansthermen

Dort lagen unter anderem auch vier römische Soldaten, die 311 in Rom bei den Trajansthermen hingerichtet worden waren, da sie sich als Christen geweigert hatten, dem Äskulap ein Opfer darzubringen. Im 7. Jahrhundert wurden diese vier namenlosen Soldaten in eine Märtyrerliste eingetragen und dabei mit vier anderen Märtyrern verwechselt, die in einer Katakombe in Albano außerhalb von Rom beigesetzt waren.

Deren Namen – Severus, Victorinus, Carpophorus und Severianus – wurden jetzt auf die vier Soldaten übertragen, deren legendenhaft ausgeschmückte Geschichte in verschiedene Passionsberichte einfloss, unter anderem in die Passio des heiligen Sebastian, von dem es heißt, er habe zusammen mit Papst Melchiades die „Vier Gekrönten“ nach ihrem Martyrium begraben.

Gedenktag seit dem 8. Jahrhundert

Unter Papst Leo IV. (847-855) wurden alle Reliquien der Märtyrer vom Friedhof „ad duas lauros“ in die Krypta der Kirche auf dem Caelius überführt. So gelangten sowohl die römischen Soldaten als auch die pannonischen Steinmetze dorthin, und beide Gruppen wurden als die „Vier Gekrönten“ bezeichnet. Dieser Tatsache trug auch der Künstler Giovanni Menozzi Rechnung, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Apsis der Basilika „Santi Quattro Coronati“ mit zwei Freskenzyklen ausschmückte: Er stellte im oberen Zyklus die Geschichte der vier römischen Soldaten dar und im unteren die der pannonischen Steinmetze.

Bereits im Martyrologium Hieronyanum vom Beginn des 8. Jahrhunderts ist die Feier des Gedenktags der heiligen Vier Gekrönten auf dem Caelius am 8. November belegt – ein uralter Märtyrergedenktag. Und die historische Ungewissheit über die Identität der Vier Gekrönten birgt auch eine Chance: So wird der 8. November in „Santi Quattro Coronati“ als Gedenktag aller Märtyrer begangen – der Märtyrer der frühen Kirche ebenso wie der Märtyrer, die bis in unsere Tage hinein aus Glaubenshass ermordet werden.

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