Porträt der Woche

Bischof Friedhelm Hofmann: „Ich bin der Notstopfen“

Der emeritierte Bischof von Würzburg ist immer noch aktiver Seelsorger. Auch mit 80 Jahren versteht der promovierte Kunbsthistoriker es, seinen Alltag aktiv zu gestalten.
Bischof Hofmann
Foto: reg | Auch im Ruhestand ist Bischof Hofmann sehr aktiv als Seelsorger und Kunsthistoriker.

Für die Priester im Bistum Würzburg bleibt der emeritierte Bischof nach wie vor erreichbar. „Ich bin der Notstopfen“, sagt Friedhelm Hofmann lächelnd. Wo ein Zelebrant ausfällt und der Pfarrer eine Vertretung braucht, springt der gebürtige Kölner ein. Am 12. Mai vollendet er sein 80. Lebensjahr. Nach einer Pontifikalmesse im Kiliansdom und einem Empfang im Burkardushaus haben die Diözesanen Gelegenheit, dem Jubilar, der in diesem Jahr auch den 30. Jahrestag seiner Bischofsweihe begeht, wieder einmal zu begegnen.

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Seelsorger mit Sinn für Kunst

Den Ruhestand kreativ zu gestalten, fällt dem promovierten Kunsthistoriker nicht schwer. In seiner mit erlesener Kunst eingerichteten Wohnung empfängt er Besucher, er reist zu Werkwochen, hält Vorträge und begegnet Künstlern. Dass es zwei Jahre lang pandemiebedingt etwas ruhiger im Terminkalender wurde, hielt den emeritierten Würzburger Oberhirten nicht davon ab, der engagierte Seelsorger zu bleiben, der er zeitlebens war: Als Zelebrant sieht man in regelmäßig bei den Erlöserschwestern und im Würzburger Karmel. Zugleich ist er als Familienseelsorger auch über das Bistum hinaus gefragt: Mancherorts traut er nun Brautpaare und tauft Kinder, deren Eltern beziehungsweise Großeltern er von klein auf kennt.

Ein liebenswürdiger Rheinländer

Von 2004 bis 2017 leitete Bischof Hofmann das Bistum Würzburg. Es war eine gute Entscheidung für das Bistum: Der liebenswürdige Rheinländer und die eher reservierten Unterfranken passten rückblickend, gut zusammen. Eine starke Gemeinsamkeit zwischen Hofmann und seinen Diözesanen war die Marienverehrung: Im fränkischen Marienland bot sich dem Bischof eine reiche Auswahl an Wallfahrtszielen.

Hofmanns Verdienst bleibt die Förderung des fränkischen Marienwegs, der Familienwallfahrten und der Kilianifestwoche im Bistum. Von diesen Erinnerungen zehrt er bis heute: die Begegnung mit den Ehejubilaren und der Weg der Familien, die mit ihm gewallfahrtet sind, machen ihm Mut: „Da ist etwas gewachsen“, sagt er.

Gebetsanliegen gibt es reichlich

Die Volksfrömmigkeit ist ihm wichtig: Gern nimmt der rüstige Jubilar Einladungen an Marienwallfahrtsorte an. Die Gebetsanliegen gehen ihm jedenfalls nicht aus. Durchaus betroffen macht ihn die gegenwärtige Situation der Kirche in Deutschland. Regelrecht ärgern kann er sich über die Zumutungen, denen der emeritierte Papst Benedikt noch im hohen Alter seitens seiner Landsleute ausgesetzt ist. „Undank“ lautet Hofmanns knappes Urteil. Mit seiner wohltuenden Loyalität gegenüber dem Papst wirkt Bischof Hofmann wie ein ruhiger Pol inmitten des aufgewühlten deutschen Katholizismus.

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