Im Blickpunkt

Zurück zu den Wurzeln des Evangeliums

Den theologischen Vordenkern des Synodalen Wegs hält Papst Franziskus den Glaubenssinn des treuen und heiligen Volk Gottes entgegen. Ein Art Vorspiel zum „Ad limina“-Besuch der deutschen Bischöfe.
Papst Franziskus während  eines Pressegesprächs über den Wolken
Foto: IMAGO/VATICAN MEDIA / ipa-agency.net (www.imago-images.de) | Nimmt kein Blatt vor den Mund: Papst Franziskus, hier im Gespräch mit Journalisten auf dem Rückflug von Bahrein nach Rom

Sieben Ansprachen hat Papst Franziskus in Bahrein gehalten. Mutig trat er im muslimischen Arabien gegen die Todesstrafe, für Religionsfreiheit, für die Gleichberechtigung der Frauen, das Recht der Mädchen auf Bildung und gegen die Diskriminierungen Andersgläubiger sowie ein Ende der religiös motivierten Gewalt ein. Doch was Franziskus dann auf dem Rückflug vor Journalisten zu sagen hatte, berührte dann auch Deutschland, genauer den Synodalen Weg. Die deutschen Bischöfe kommen in der nächsten Woche nach Rom, und im Vatikan hatte man Gelegenheit, sich in die Texte der Frankfurter Synodalversammlungen zu vertiefen.

Eine Meinung zu dem deutschen Unterfangen hatte der Papst aber schon vorher. In seinem Brief vom Sommer 2019 an das Gottesvolk in Deutschland bat er darum, die Evangelisierung in die Mitte des Synodalen Wegs zu stellen. Das wurde abgelehnt. Und gegenüber Bischof Georg Bätzing machte er später die Bemerkung, es brauche in Deutschland keine weitere evangelische Kirche, es gebe schon eine. Das wiederholte er jetzt im Flugzeug. Und meinte auch dieses Mal die Ziele des Synodalen Wegs.

Aber am Sonntag vor den mitfliegenden Journalisten sagte er dazu noch mehr: Er wünsche sich eine katholische Kirche, die auch weiß, „auf den religiösen Sinn des heiligen treuen Gottesvolks“ zu hören. Er sagte nicht, dass man auf den Zeitgeist, den Mainstream oder Orte einer neuen Offenbarung des Geistes hören solle, sondern auf den Glaubenssinn des treuen Volkes Gottes. „Manchmal verlieren wir den religiösen Sinn des Volkes, des heiligen, treuen Gottesvolkes, und wir verfallen in ethische Diskussionen – Diskussionen über Entwicklungen, Diskussionen, die theologische Konsequenzen haben, aber nicht den Kern der Theologie darstellen“, sagte Franziskus.

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Ohrfeige des Evangeliums

Gleich fügte er hinzu, was für ihn der „Kern der Theologie“ ist: Er wolle nicht sagen, „dass wir zurückgehen sollen, nein, sondern zur Quelle der Inspiration, zu den Wurzeln. Wir alle haben eine Geschichte von Glaubenswurzeln; auch die Völker haben sie: findet sie!“ Zurück zu den Wurzeln, das heißt die Rückkehr zu dem, was für den Glauben wirklich wesentlich ist.  Franziskus sprach da mit der ihm eigenen Bildhaftigkeit: „Die Wurzel der Religion ist die Ohrfeige, die einem das Evangelium verpasst, die Begegnung mit dem lebendigen Jesus Christus; und von da aus die Konsequenzen, alle; von da aus der apostolische Mut, an die Peripherien zu gehen, sogar an die moralischen Peripherien der Menschen, um zu helfen... Wenn es keine Begegnung mit Jesus Christus gibt, wird es einen Ethizismus geben, der sich als Christentum tarnt.“

Allzu sehr hat sich die Mehrheit der deutschen Bischöfe von Theologen beeindrucken lassen, die sich weit vom Glauben des heiligen und treuen Volk Gottes entfernt haben, die eine „Kirche der Freiheit“ (Magnus Striet) oder eine „neue Moral“ propagieren, wie das Eberhard Schockenhoff auf der Frühjahrsvollversammlung 2019 in Lingen an der Ems tat, womit er dem Synodalen Weg den entscheidenden Spin gab, um den sich mehrere seiner zentralen Texte bis heute drehen. Für die Protagonisten des Synodalen Wegs, aber vor allem für die Bischöfe, auf denen die Verantwortung der Hirten lastet, die sie nicht auf Gremien und Zentralkomitees abwälzen können, geben die Worte von Franziskus im „Papstflieger“ schon einen Vorgeschmack auf den nun anstehenden „Ad limina“-Besuch. Und das treue Volk Gottes wünscht sich, dass die deutschen Bischöfe an der Schwelle der Apostelgräber zur Einheit untereinander und mit dem Papst zurückfinden werden.

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