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Willkommen in der Kirche von morgen

Das Zentrum Johannes Paul II. in Wien möchte Fernstehende zur Jüngerschaft führen. Es setzt auf Klarheit, Willkommenskultur und Engagement.
Zentrum Johannes Paul II.
Foto: Klemens Hoefer | Gemeinsam durchatmen können Mütter im gastfreundlichen Zentrum Johannes Paul II.

Die Tür öffnet sich und gibt den Blick auf kleine Tische, bequeme Stühle und eine Theke mit süßen Leckereien frei. Eine freundlich lächelnde Bedienung begrüßt den Besucher. Dieses Café ist ein normales Café – aber doch viel mehr.

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Denn wer einen Blick durch die Glastür am Ende wirft, sieht in einem Raum dahinter unvermittelt ein Kreuz über einem Altar vor einem orange leuchtenden Wolkenhimmel schweben. In ein sanftes violettes Licht gehüllt, atmet der Raum Stille und Bedächtigkeit. Wie auch das Café, ja wie alles in diesem Gebäude, flüstert er dem Besucher zu: „Willkommen! Willkommen im Zentrum Johannes Paul II. in Wien.“

Das Zentrum ist ein Apostolatswerk der geistlichen Familie „Regnum Christi“, zu der auch die Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi gehört. Es wurde 2015 gegründet und ist im Herbst 2025 in die neuen Räumlichkeiten an der Praterstraße 28 eingezogen. Mittlerweile kommen wöchentlich bis zu 450 Menschen dorthin. Über 120 Haupt- und Ehrenamtliche engagieren sich für die Besucher. Denn das Zentrum soll zunächst einmal eines sein: ein Ort, an dem Menschen sich wohlfühlen.

Zu den Mitarbeitenden gehört auch „Vollzeitmissionar“ David Schwarzbauer. Der Familienvater und Lehrer erzählt: „Mein Herzenswunsch war immer, dass meine Schüler durch meinen Unterricht vom Charakter her bessere Menschen werden. Aber es gab immer eine Grenze: Über Gott zu reden war nicht angebracht. Dann habe ich ganz klar den Ruf verspürt, dass Gott sagt: Jetzt ist die Zeit da.“

„Apostel zu formen, um die Welt zu verändern.“

Schwarzbauer kündigt seinen Job und baut sich ein Netzwerk von Unterstützern auf, die ihm die Arbeit im Zentrum Johannes Paul II. finanziell ermöglichen. Jetzt beginnt sein Arbeitstag mit einer Stunde Gebet für seine Partner. Danach entwickelt er beispielsweise Konzepte, wie der Einzelne im Zentrum Johannes Paul II. wachsen kann. Denn das ist die Vision des Zentrums: „Apostel zu formen, um die Welt zu verändern.“

Und das fängt schon in jungen Jahren an. Im ersten Stock sind an diesem Tag Kinderlachen und Musik zu hören. Im „Regenwald“ tanzt eine Gruppe von Kindern freudig im Beisein eines Elefanten und weiterer exotischer Tiere – freilich sind diese nur auf der Tapete abgebildet. Mitten im Geschehen: David Schwarzbauer, der die Kindergruppe leitet. Nach einem kurzen Impuls zum Tagesthema teilt sich die Gruppe auf. Während Schwarzbauer mit einem Teil der Kinder das Evangelium vom Sonntag betrachtet, sitzt der Rest der Gruppe in der „Berghütte“ bei der Erstkommunionvorbereitung und lauscht einer Geschichte über den heiligen Marcelino. An der Wand entfaltet sich ein Bergpanorama, das diesem Raum seinen Namen verleiht und den Besucher in luftige Höhen erhebt.

Neben den insgesamt drei Räumen für die Kinder, dem Café und der Kapelle beherbergt das sechsstöckige Haus an der Praterstraße auch ein Hotel, ein „Wohnzimmer“ mit großer Küche für Veranstaltungen, einen Vortragsraum, ein Musikzimmer mit Instrumenten sowie Büros, Gesprächsräume und einen Co-Working-Space. Außerdem bewohnen fünf Priester der Legionäre Christi eines der Stockwerke.

Zentrum will vor allem Willkommenskultur pflegen

Im Zentrum will man vor allem eine Willkommenskultur pflegen. „Bei sehr vielem von dem, was hier passiert, haben wir die Person im Hinterkopf, die Gott nicht kennt“, erklärt Schwarzbauer. Bei Veranstaltungen gibt es beispielsweise ein „Welcome-Team“, das die Menschen im Eingangsbereich begrüßt.

So auch vor der „BeFree“-Messe an diesem Abend. Es herrscht eine fröhliche, entspannte Atmosphäre. Einige der jungen Menschen sind zum ersten Mal hier. Für sie gibt es zu Beginn der Messe eine Einführung in das Geschehen der heiligen Messe. Außerdem werden alle Lieder und Gebete – auch das Vaterunser – mit professioneller Technik an die Wand projiziert.

Die zartviolette Beleuchtung und charismatische geistliche Gesänge führen die Messbesucher in das Geheimnis des dritten Adventssonntags hinein. Das große Altarbild zeigt vor dem eingangs erwähnten orange leuchtenden Wolkenhimmel Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem. Das Motiv lässt sich leicht anpassen, denn dieses Altarbild ist nicht gemalt, sondern in Wirklichkeit ein riesiger, gestochen scharfer Monitor.

Ein sehr junges Publikum

„Unser Publikum ist sehr jung. Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel visualisiert wird“, meint Schwarzbauer. Im Zentrum versuche man, sich in Sprache, Musik und Optik auf junge Menschen einzustellen. Wichtig sei auch, auf Qualität zu setzen, um auf Gottes Größe und Schönheit hinzuweisen. Außerdem wolle man so den Leuten zeigen: „Die Menschen, die hier Kirche leben, nehmen ernst, was sie tun. Und der zweite – noch viel wichtigere – Aspekt: Sie sprechen meine Sprache.“ Natürlich sehe man auch die Gefahren der Technik. „Aber wir wollen es positiv nutzen. Letztlich geht es darum, dass du ins Herz vordringen möchtest“, erklärt Schwarzbauer.

Eines sei ihnen dabei wichtig: „Dass die Botschaft die gleiche ist wie vor 2000 Jahren. Wir verändern nicht die Botschaft, um attraktiver zu klingen, sondern wir verändern die Sprache oder das Bild.“
Am Wochenende gibt es neben der Vorabendmesse für Studierende zwei Sonntagsmessen für Familien – mit Kinderkatechese parallel zur Predigt – sowie eine Abendmesse für junge Berufstätige. Schwarzbauer führt aus: „Alles, was wir machen, soll zur Eucharistie hinführen.“

Nach der Messe schließt sich oft eine Begegnung an. Außer der Kindergruppe gibt es auch zwei altersspezifische Programme für Jugendliche, Firmvorbereitung inklusive. Denn: Im Zentrum Johannes Paul II. stehen der Einzelne und sein Weg zu Gott im Mittelpunkt. „Wir versuchen, das, was wir hier machen, nicht in Programmen, sondern in Menschen zu denken“, erklärt Schwarzbauer.

Darüber hinaus gibt es die „Leadership Development Academy“, wo es um Leiterschaft geht – auch in scheinbar ganz weltlichen Themen wie Stressmanagement. Schwarzbauer und seinem Team ist wichtig, Verantwortung zu übergeben und Leiterschaft zu fördern. Das gibt dem Einzelnen Raum zur Entfaltung und zum Wachstum.

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Außerdem bringen sich die Menschen dadurch engagierter ein. „Wo du anpackst, bist du daheim“, ist Schwarzbauer überzeugt. „Wenn du an der Seitenlinie stehst und reinrufst: ‚Spiel dorthin‘ – das ist die eine Sache. Aber wenn du eingewechselt wirst, ist es plötzlich dein Spiel. Wir wollen Gott weitergeben – und in dem Moment, wo wir das tun, erfahren wir ihn auch.“


Der Autor gehört zur Kongregation der Diener Jesu und Mariens.

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