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Wenn katholische Schulen synodale Mythen widerlegen

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie sich fortan von allem, was katholisch ist, fernhielten.
Katholischer Religionsunterricht in der Schule
Foto: Elisabeth Schomaker | Katholische Schulen sind auch weiterhin beliebt. Kirchenaustritt bedeuten nicht, dass die Menschen katholische Einrichtungen nicht schätzen.

Selten sind die Gedankengebäude des Synodalen Wegs so umstandslos in sich zusammengefallen wie beim Bundeskongress Katholischer Schulen. Die Kernthese des Synodalen Wegs, der Kirche liefen aufgrund der Missbrauchskrise die Gläubigen weg und ließen sich nur durch quasi protestantisch anmutende Strukturreformen zur Rückkehr bewegen, entpuppt sich angesichts der Erfahrungen katholischer Lehrer als nicht haltbar.

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Katholische Schulen sind gefragt

Denn die hohen Kirchenaustrittszahlen, die zweifellos durch den Missbrauchsskandal mit verursacht werden, bedeuten in der Praxis keineswegs, dass der Kirche die Menschen dauerhaft abhanden kämen. Im Gegenteil: Eltern aller Nationen und Weltanschauungen, seien sie Mitglieder einer Kirche oder ausgetreten, stehen vor den Türen katholischer Schulen und wollen einen Platz für ihre Kinder, seien diese getauft oder ungetauft. Dieser Aufnahmewunsch ist nicht an Bedingungen geknüpft, wie sie den Synodalen vorschweben. Die Schüler, die derzeit an katholischen Schulen unterrichtet werden, haben ihren Platz nicht unter der Bedingung verlangt, die Kirche möge im Laufe ihrer Schulzeit einen bestimmten Reformkanon umsetzen oder ihr Stuhl bleibe demnächst leer. Gerade die teilweise konstant gebliebene Nachfrage nach dem Religionsunterricht zeigt, dass auch in kirchlich nicht sozialisierten Elternhäusern der Wunsch nach Mehr für die eigenen Kinder vorhanden ist. Selbst aus der Kirche Ausgetretene sind mitunter der Meinung, das Beste für das eigene Kind sei eine katholische Schule. Darauf lässt sich aufbauen.

Sparzwänge in Schulen

Hinter die Einschätzung vieler Synodaler, der Synodale Weg trage Wesentliches zur Demokratisierung der Kirche bei, wird man nach dem Bundeskongress ein Fragezeichen setzen müssen. Denn während sich katholische Schulen unter Sparzwängen winden, umschifft der Synodale Weg eisern das Superdogma Kirchensteuer. Warum dürfen die Gläubigen nicht über deren Zukunft abstimmen lassen? Wann kommen die Bischöfe Austrittswilligen insoweit entgegen, indem diese die Kirchensteuer durch eine zweckgebundene Spende   beispielsweise an den Förderverein einer katholischen Schule   ersetzen können?

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Dass darüber nicht beschlossen, ja, noch nicht einmal beraten wird, entspricht der autoritären Grundstruktur des Synodalen Wegs. Letzterer stellt offensichtlich einen Masterplan dar und nur vordergründig eine Gesprächsgrundlage. Wer wird es katholischen Lehrern verdenken, dass sie den Debatten des Synodalen Wegs distanziert gegenüberstehen? Der Workshop, der sich in Erfurt mit dem Synodalen Weg befasste, zählte ganze sechs Teilnehmer. Auch das widerspricht dem populären Narrativ vom großen Reformstau, der das Kirchenvolk angeblich umtreibt.

Anschauliche Berichte

Schließlich boten die Erfahrungsberichte der Lehrer Anschauliches über den synodalen Mythos von der vermeintlichen Benachteiligung katholischer Frauen. Händeringend suchen viele Schulen Führungspersonal, und selbstverständlich auch weibliches. Die harten Jobs in den Schulleitertagen werden von Frauen allerdings zunehmend gemieden. Viele Schulleiter reiben sich auf zwischen den Sparplänen der Bistümer, den chaotischen Coronaschutzverordnungen der Länder und den Ansprüchen der Eltern. Hier wären führungsstarke Frauen gefragt. Der deutsche Katholizismus kann zwar auf eine bedeutende Lehrerinnentradition von Sankt Lioba bis zur heiligen Edith Stein verweisen, doch immer mehr Katholikinnen scheuen Leitungspositionen in Schulen. Was für ein Verlust für die Kirche.

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