Todesurteil aufgehoben

Berliner Staatsanwaltschaft rehabilitiert Lübecker Märtyrer nach knapp 68 Jahren

Hamburg (DT/KNA) Späte Rehabilitierung: Nach knapp 68 Jahren hat die Staatsanwaltschaft Berlin die Todesurteile gegen die katholischen Geistlichen Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller aufgehoben.

Die als „Lübecker Märtyrer“ bekannten Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime, zu denen auch der evangelische Pastor Karl-Friedrich Stellbrink zählt, wurden am 10. November 1943 hingerichtet.

Das Todesurteil gegen Stellbrink war bereits am 5. November 1993, 50 Jahre nach Vollstreckung, auf Betreiben der evangelischen Kirche aufgehoben worden. Die katholischen Geistlichen werden am 25. Juni in Lübeck seliggesprochen. Stellbrink erhält dabei ein ehrendes Gedenken, da die evangelische Kirche keine Seligsprechungen kennt. Mit dem Einverständnis des Erzbistums Hamburg hatte der Bocholter Rechtsanwalt Jürgen Becker am 20. März die Aufhebung der Urteile beantragt, sagte der Archivar des Erzbistums Hamburg, Martin Colberg, am Montag auf Anfrage in Hamburg.

Becker gehört der katholischen Studentenverbindung Unitas Ruhrania an, deren Mitglied auch Johannes Prassek war. Er habe den Rehabilitierungsantrag vor allem im Namen der Organisation gestellt, so der Jurist. Der Berliner Oberstaatsanwalt Raupach erklärte in seinem Schreiben, dass das Urteil 382/42g.2H 65/43 des Volksgerichtshofs vom 23. Juni 1943 wegen Landesverrates gegen die drei Kapläne gemäß dem Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege (NS-AufhG) aufgehoben ist.

In der Begründung wird auf die Rolle des Volksgerichtshofs als „Terrorinstrument zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Willkürherrschaft“ verwiesen. Dies stehe in fundamentalem Gegensatz zur Aufgabe und Stellung einer unabhängigen, nur dem Recht verpflichteten Judikative im Sinne des Grundgesetzes. Für die Seligsprechung der Geistlichen oder deren Verehrung als Vorbilder im Glauben habe dieser Schritt keinerlei Belang, unterstrich Colberg. Doch bedeute die formale Aufhebung der Todesurteile auch eine juristische „Reinwaschung“ der Geistlichen.

Auch der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, der den Anstoß zum Seligsprechungsverfahren gegeben hatte, zeigte sich erfreut darüber, dass mit der Rehabilitierung der Lübecker Märtyrer auch formaljuristisch Ordnung geschaffen werde.

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