Spuren des Gekreuzigten in Oviedo und Turin

Spanische Wissenschaftler weisen Übereinstimmungen des Schweißtuchs von Oviedo mit dem Turiner Grabtuch nach. Von Andrea Schultz
Schweißtuch von Oviedo
Foto: IN | Das Schweißtuch von Oviedo wird in der Karwoche öffentlich verehrt.

Berlin (DT) Spanischen Wissenschaftlern aus der Katholischen Universität Murcia (UCAM) und dem Spanischen Zentrum für Grabtuchforschung (CES) ist kürzlich mittels eines neuartigen Rasterelektronenmikroskops der Nachweis gelungen, dass das Schweiß- oder Bluttuch von Oviedo und das Grabtuch von Turin dieselbe Person umhüllten. Dass die Maße der Abdrücke auf dem Turiner Grabtuch und dem Schweißtuch von Oviedo übereinstimmen, hatte bereits Michael Hesemann in seinem 2010 erschienenen Buch „Das Bluttuch: Wissenschaftler auf den Spuren der Auferstehung“ unterstrichen.

Das „Santo Sudario“ (Schweißtuch) befindet sich seit 1113 in der San-Salvador-Kathedrale im nordspanischen Oviedo. Es trägt kein Bild, sondern Blut- und Wasserflecken, die durchaus von einem Gekreuzigten stammen könnten. Nach älteren Untersuchungen stammt dieses Bluttuch aus der Zeit Christi und wurde im palästinensisch-syrischen Raum hergestellt. Bereits vor einem Jahr hatten CES-Wissenschaftler mittels Rasterelektronenmikroskops auf dem Schweißtuch von Oviedo ein Pollenkorn der Art Helichrysum Sp. (Strohblume) nachgewiesen, die ebenfalls auf dem Turiner Grabtuch gefunden wurde. Außerdem wurde eine spätere Kontaminierung mit diesem Pollen ausgeschlossen, weil das Pollenkorn mit dem Blut verbunden ist. Es muss also auf das Schweißtuch zur gleichen Zeit wie das Blut gelangt sein, und nicht etwa zu einem späteren Zeitpunkt.

Zu den jetzigen Forschungen erläutert Alfonso Sánchez Hermosilla, Abteilungsleiter für Histopathologie am Rechtsmedizinischen Institut Murcia und Leiter des CES-Forschungsteams, dass das Schweißtuch von Oviedo Blutflecken der Gruppe AB enthält. Das ist dieselbe Blutgruppe, zu der die Blutspuren auf dem Turiner Grabtuch gehören. Die Blutflecken auf beiden Tüchern stimmen darüber hinaus zu hundert Prozent überein – dies sei nur zu erklären, wenn beide Tücher dasselbe Gesicht zugedeckt hätten, stellt Sánchez Hermosilla fest. Diese Flecken seien zwar bereits bekannt gewesen, so der Wissenschaftler, aber bislang nicht eingehend untersucht worden.

Die Forschungen haben darüber hinaus ergeben, dass der von beiden Tüchern umhüllte Mann eine Wunde im rechten Brustkorb aufweist. Sie wurde von einem spitzen Gegenstand – möglicherweise einer Lanze – verursacht. Zugefügt wurde die Verletzung erst nach dem Tod, und als der Tote sich in einer senkrechten Lage befand. Die durch diese Verletzung verursachten Blutgerinnsel sowie der Austritt von Lungen-Herzbeutel-Flüssigkeit hinterließen Flecken sowohl auf dem Grabtuch von Turin (durch den Kontakt mit der Eintritt- und Austrittöffnung) als auch auf dem Schweißtuch von Oviedo (durch die Austrittöffnung).

Der Forschungsbericht führt dazu aus: „In der rechten Lunge bahnte sich die Waffe einen Weg durch die Luftwege des Zwischen-Parenchymgewebes. Als Folge davon fanden die genannten menschlichen Flüssigkeiten einen aufsteigenden Weg.“ Schließlich traten sie durch Mund und Nase des Leichnams aus, und verursachten die auf dem Schweißtuch von Oviedo nachgewiesenen Flecken. Auf dem Grabtuch von Turin bildeten sich solche But- und Flüssigkeitsflecken, als die Waffe herausgezogen wurde, und die menschlichen Flüssigkeiten durch die Ein- beziehungsweise Austrittöffnung austraten. Zu den Blutgerinnseln stellt der UCAM-Forschungsbericht fest: „In den Leichen von Menschen, die einen langen Todeskampf erlitten haben, sind vor allem in der rechten Herzvorkammer große Blutgerinnsel nachweisbar, die den Gerinnseln sehr ähnlich sind, die den Seitenfleck auf dem Turiner Grabtuch verursachten.“

Die Art der durch den spitzen Gegenstand verursachten Verletzung bestätigt außerdem, dass der Täter ein erfahrener Schütze war. Denn er brauchte nur einen „Gnadenstoß“ – auf dem Grabtuch sind keine Verletzungen durch wiederholte Versuche nachweisbar. Die Ergebnisse der Forscher der Katholischen Universität Murcia (UCAM) und des Spanischen Zentrums für Grabtuchforschung (CES) stimmen außerdem mit den Aussagen aus dem Evangelium überein: „Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“ (Johannes 19, 33–34)

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