Wunder

Andrzej Ziombra von Liegnitz: „Spektakuläre Bekehrungen“

Pfarrer Andrzej Ziombra von Liegnitz berichtet, wie ein eucharistisches Wunder seine Gemeinde verändert hat.
Eucharistisches Wunder in Liegnitz
Foto: Pfarrei Liegnitz | Der Leib Christi anschaulich als Hostie und fleischliches Gewebe.

Herr Pfarrer Ziombra, wo kommen Sie her? Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Ich komme aus einem kleinen Ort in Niederschlesien. Meine Mutter stammt aus der Wojewodschaft Großpolen und mein Vater aus den ehemals ostpolnischen Grenzgebieten, die heute in der Ukraine liegen. Ich wurde in Theologie promoviert mit Schwerpunkt Philosophie. Ich unterrichte Philosophie am Theologischen Seminar in Liegnitz und bin Dozent an der Päpstlichen Theologischen Fakultät in Breslau. Doch in erster Linie bin ich Seelsorger.

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Haben Sie als Priester eucharistische Wunder erlebt?

Früher hatte ich mit eucharistischen Wundern nichts zu tun. Ich hatte zwar von einigen gehört, zum Beispiel aus Lanciano oder Siena in Italien oder aus Sokółka in Polen, aber das Thema beschäftigte mich nicht allzu sehr. Ich hatte einfach mit der Arbeit als Seelsorger genug zu tun.

In welchem Bezug stehen Sie zu dem eucharistischen Wunder aus dem Jahr 2013?

Alles veränderte sich, als das Allerheiligste Sakrament am 25. Dezember 2013 zu Boden fiel, und zwar in dem Moment, als Priester Krzysztof Antończak, der mit mir zusammen Gottesdienst hielt, die Kommunion an einen Ministranten austeilte. Nachdem der Priester sie aufgehoben hatte, legte er sie ins Wasser, damit sie sich auflöse. Nach zehn Tagen, also am ersten Samstag des Monats, bemerkten wir eine rote Teilverfärbung der Hostie. Das war ein bewegendes Ereignis. Ich wusste nicht, wie ich die Situation verstehen soll. Viele Fragen tauchten in meinem Kopf auf. Ich erinnere mich, dass ich eine Gewissensprüfung machte im Hinblick auf mein Priesteramt. Ich informierte den für meine Pfarrei zuständigen Bischof, Stefan Cichy, über die ganze Situation. Der Bischof ordnete an, das Phänomen zu beobachten und nach zwei Wochen berief er eine Kommission ein, die aus folgenden Personen bestand: Józef Lisowski, Kanzler der bischöflichen Kurie, Tadeusz Dąbski, Offizial des Kirchengerichts [der Diözese Liegnitz], Stanisław Araszczuk, Experte für Liturgik sowie Barbara Engel, Chefärztin der Kardiologie in Liegnitz. Diese Kommission fällte die Entscheidung, eine wissenschaftliche Untersuchung einzuleiten.

"Viele unserer Gemeindemitglieder vertiefen
intensiv ihre Verbindung zu Gott"

Welchen Einfluss hat, Ihrer Ansicht nach, das eucharistische Wunder von 2013 auf die Menschen? Auf Geistliche und Nichtgeistliche, auf Gläubige und Nichtgläubige?

Ab dem Moment, als die Mitteilung von Bischof Zbigniew Kiernikowski veröffentlicht wurde, stieß das Ereignis auf ein reges Interesse der Medien. Zu der eigens veranstalteten Pressekonferenz reisten zahlreiche Journalisten an – Vertreter nationaler TV- und Radiosender als auch lokaler Medien. Zu dem Zeitpunkt begannen auch die Pilgerreisen. Seit 2016 haben uns über tausend Pilgergruppen besucht. Die meisten Pilger aus dem Ausland kommen aus Deutschland und den USA. Wir beherbergten auch Gruppen aus Singapur, den Philippinen, aus Thailand und Kanada. Es ist unglaublich, wie sich die Nachricht in der ganzen Welt verbreitete. Bisher wurden einige Dokumentarfilme und Reportagen gedreht, unter anderem von dem deutschen Sender EWTN. Und sehr oft fragen die Journalisten, wie dieses Wunder die Menschen verändert habe. Meine Beobachtung mag überraschen, weil Gott meine Vorstellung über die Wirkung seiner Gnade verändert hat. Ich dachte, wenn das Ereignis offiziell verkündet wird, würde es das nächste Umfeld berühren. Und das passierte auch. Viele unserer Gemeindemitglieder vertiefen intensiv ihre Verbindung zu Gott, andererseits bleiben viele, die gegenüber der Kirche distanziert waren, weiterhin unentschlossen. Und hier gibt es ein gewisses Paradoxon: Es gibt Pilger, die tausende Kilometer auf sich nehmen, um in Liegnitz zu beten, während einige Einwohner der Stadt über das eucharistische Wunder nicht genau Bescheid wissen.

 

 

Gab es nach 2013 weitere wundersame Ereignisse, beispielsweise Heilungen Kranker?

Wir haben einige Fälle wundersamer physischer Heilungen verzeichnet, doch am meisten freuen uns Bekehrungen, die oft spektakulär sind. Ihre Besonderheit besteht darin, dass eine sofortige Änderung der Einstellung zu Gott eintrat. Sehr viele Menschen informieren uns auch nicht über die Gnade, die ihnen zuteil wurde. Wir sehen, dass es sehr schwer ist, mit anderen die Situation zu teilen, wenn ein großer Lebenswunsch in Erfüllung gegangen ist. Natürlich respektieren wir das, aber wir freuen uns auch über offiziell verkündete Zeugnisse.

Wie wurde das Wunder geprüft?

Mit der Aufgabe wurden die Institute für Gerichtsmedizin der Medizinischen Universitäten in Breslau und Stettin beauftragt. Die Arbeiten wurden auf vielen Ebenen durchgeführt. Zuerst versuchte man eine Erklärung dafür zu finden, warum sich die wesensverwandelte Hostie rötlich verfärbt hatte. Nach vielen Versuchen konnte dafür keine Erklärung gefunden werden. Es wurden auch histopathologische Untersuchungen durchgeführt. Aus den durchgeführten Untersuchungen geht hervor, dass sich im „Brot“ Teile eines Herzmuskels befanden, deren Aussehen darauf hindeutet, dass sich dieser Muskel in einem Zustand der Anspannung befand, der auch den Agoniezustand begleitet. Es wurde auch eine andere Art von Gewebe gefunden, welches sich im menschlichen Organismus befindet. Eine gewisse Überraschung stellte dar, dass in der Heiligen Kommunion menschliche DNA gefunden wurde.

"Dieses Wunder hat mir die Schönheit und Wichtigkeit
des Priesteramtes in der Gemeinschaft der Kirche vergegenwärtigt."

Wie sieht der Vatikan das Wunder aus dem Jahr 2013? Wurde das Ereignis offiziell als Wunder eingestuft?

Die wissenschaftliche Dokumentation wurde von Bischof Zbigniew Kiernikowski im Januar 2015 an die Glaubenskongregation in Rom übergeben. Zu diesem Zeitpunkt war Kardinal Gerhard Ludwig Müller Präfekt der Kongregation. Die Kongregation erteilte ein Nihil obstat, d. h. sie erlaubte dem Bischof, die Mitteilung zu veröffentlichen.

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Was denken Sie, möchte Gott den Menschen mit dem Wunder sagen?

Ich denke, in diesen sehr sonderbaren Zeiten voller Turbulenzen auf der Welt und in der Kirche kann man aus diesem eucharistischen Ereignis sehr viel herauslesen. Gott bestätigt, dass Jesus wirklich, real und substanziell in der Heiligsten Eucharistie anwesend ist. Die Entdeckung des Herzmuskels im Zustand der Agonie ist ebenfalls ein außergewöhnliches Zeichen. Als würde es daran erinnern, dass die heilige Messe ein Opfer darstellt. Die Heilige Messe ist Sein Opfer für uns. Diese Wahrheit verpflichtet uns stark und ruft dazu auf, im Leben Opfer zu erbringen, zuerst für Ihn und anschließend für andere.

Wie hat das Wunder aus dem Jahr 2013 Ihren Glauben und Ihr Priesteramt beeinflusst? Hat es etwas in Ihrer Einstellung oder Ihrem Handeln verändert?

Es ist schwer für mich, von einer spektakulären Bekehrung zu sprechen, weil ich mich bemüht hatte, mein Leben als Priester gut zu führen. Doch Gott hat meinen Glauben sehr gestärkt, und meine Überzeugung, sich Ihm noch mehr zu widmen. Bei jeder Gelegenheit fühle ich mich verpflichtet, zu verkünden, was sich hier ereignete. Ich suche jede Form, um mich und andere daran zu erinnern, dass wir Katholiken von Gott sehr privilegiert wurden, weil wir an seine „physische” Anwesenheit in der Heiligsten Eucharistie glauben. Dieses Wunder hat mir die Schönheit und Wichtigkeit des Priesteramtes in der Gemeinschaft der Kirche vergegenwärtigt. Durch meinen Dienst als Priester kommt Jesus zu uns in der Gestalt von Brot und Wein. Durch meinen Dienst als Beichtvater vergibt Jesus Sünden, wenn wir eine Todsünde begehen und uns dadurch vom guten Gott abwenden. Es ist wunderbar, Priester zu sein und auf diese Weise anderen zu dienen.

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