Junge Federn

Schönheit, Liturgie, Mission

Romano Guardinis kleines Buch "Vom Geist der Liturgie" enthält große und tiefe Gedanken, die besonders im Hinblick auf die Neuevangelisierung von Bedeutung sind.
Romano Guardini
Foto: KNA | Die Schönheit der Liturgie ist laut Guardini nicht Selbstzweck, sondern notwendiges Nebenprodukt einer wahren Gottesverehrung.

Coronabedingt hatte ich in den vergangenen Monaten viel Zeit zum Lesen und Schreiben. Erst vor wenigen Tagen habe ich ein kleines Buch Romano Guardinis gelesen, das den Titel „Vom Geist der Liturgie“ trägt. Trotz seines bescheidenen Umfangs enthält es große und tiefe Gedanken, von denen ich hier einen einzigen herausgreifen möchte:

Von der Schönheit der Liturgie

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Guardini spricht in diesem Büchlein vom Wesen der Liturgie im Vorbeigehen auch immer wieder von deren Schönheit. Diese Schönheit, so der Theologe, sei nicht Selbstzweck, sondern notwendiges Nebenprodukt einer wahren Gottesverehrung, in der sich tiefe Wahrheiten ausdrücken und echte Liebe sichtbar wird. Weil wahre Liebe sich überreich in Sorgfalt, Zärtlichkeit und vielen kleinen Aufmerksamkeiten ausdrückt, musste die Liturgie im Laufe der Zeit als sichtbarer Ausdruck einer unsichtbaren Gottesliebe zum Kunstwerk werden.

Dieser Gedanke beschäftigt mich: Liturgie als Liebesdienst, als gelebtes Mysterium und vollzogene Gottesliebe, die in jeder darin enthaltenen Handlung, jedem Wort und jedem Gedanken spürbar wird. Eine solche Liebe beeindruckt, will sich mitteilen, strahlt aus, verändert und verwandelt die Welt. Josef Andreas Jungmann, ein herausragender Erforscher der Liturgiegeschichte, schrieb über die ersten christlichen Jahrhunderte: „Die Liturgie hat mit dem Wort Gottes, das in ihr enthalten war, und mit der Kraft der Sakramente, die von ihr umschlossen wurden, bewirkt, dass eine heidnische Gesellschaft zu einer christlichen Gesellschaft geworden ist.“

Zeit für eine neue liturgische Bewegung

Sowohl Guardini als auch Jungmann waren Förderer der liturgischen Bewegung, welche den Schatz der Liturgie im 20. Jahrhundert neu zu heben versuchte. Joseph Ratzinger knüpfte an diesen Gedanken an, als er in seinem Buch „Der Geist der Liturgie“ die heilige Messe aus ihrer Tradition heraus erklärte und mit gemischten Gefühlen auf die Umsetzung der Liturgiereform blickte. Es sei, so Ratzinger, Zeit für eine neue liturgische Bewegung, die diesen Schatz hebt, den Geist der Liturgie ernst nimmt und für ihn auch öffentlich eintritt. So könnte die Liturgie in ihrer Schönheit und missionarischen Kraft vielleicht – mit Jungmann gesprochen – ein zweites Mal aus einer heidnischen eine christliche Gesellschaft machen.

Der Autor ist Präfekt in einem katholischen Internat in Südtirol

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