Görlitz

Porträt der Woche: Bischof Wolfgang Ipolt

Diasporabischof mit klarem Kurs.
Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt
Foto: KNA | Bischof Ipolt setzt seit Jahren auf klare Bekenntnisse. So trieb er etwa maßgeblich die Wiederbesiedlung des Klosters Neuzelle voran.

Gemessen an den Möglichkeiten seines Amtes zählt Wolfgang Ipolt zu den deutschen Bischöfen mit der höchsten Medienpräsenz. Was dem Hirten der kleinsten deutschen Diözese an Mitteln und Strukturen fehlt, macht er mit Überzeugung und Klarheit wett. Vom Görlitzer Bischof liest und hört man deutlich öfter als von manchem ungleich besser ausgestatteten Amtsbruder.

Im Glaubensleben einiges voraus

Dabei muss man ehrlich zugeben: Ein Vergleich des Bistums Görlitz mit einer Durchschnittsdiözese ist für beide Seiten nicht fair. Auf der einen Seite steht eine Diözese, die mit unter 30 000 Katholiken kleiner ist als manche moderne Großpfarrei. Auf der anderen Seite zählt das Durchschnittsbistum fast dreißig Mal so viele Seelen und Jahr für Jahr um mehr als die Hälfte höhere Kirchensteuereinnahmen pro Kopf. Was den Görlitzern an Finanzkraft abgeht, sind sie allerdings im Glaubensleben vielen voraus. Ipolt leitet ein Kirchenvolk, das in Deutschland beispiellos ist. In seinem Diasporabistum nehmen nicht nur mehr Gläubige am Sonntagsgottesdienst teil als im Rest der Republik. Als einzige deutsche Teilkirche wächst sie sogar.

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Als Bischof dieser lebendigen Gemeinde setzt Ipolt seit Jahren auf klare Bekenntnisse. So trieb er etwa maßgeblich die Wiederbesiedlung des Klosters Neuzelle voran. Seine Einladung an die Zisterzienser von Heiligenkreuz war zugleich Bekenntnis zu klaren Werten und katholischer Tradition. Für diese setzt sich Ipolt auch im Benehmen mit seinen Amtsbrüdern ein. Im zurückliegenden Jahr zählte er zu den sieben Bischöfen, die den Vatikan um Klärung in Fragen der Eucharistie für evangelische Ehepartner baten.

Auch seine jüngste Positionierung wird im deutschen Episkopat möglicherweise ebenfalls keine Mehrheit finden. In einem Online-Beitrag für „spurensucher.info“ wünschte er, die Kirche möge „gut und einladend über den Zölibat“ sprechen. Gerade unter Christen erlebe er es, dass seine Lebensform immer wieder als unzeitgemäß bezeichnet werde. Das sei „nicht einfach zu verkraften und stimmt zumindest nachdenklich“, so Ipolt.

Bedeutung der zölibatären und der ehelichen Lebensform tiefer verstehen

Dass sich das noch weiter verstärken dürfte, nahm der Bischof gleichfalls vorweg. So erklärte Ipolt, es wäre auch für den anstehenden „Synodalen Weg“ gut, „wenn in unseren Gemeinden zunächst die Bedeutung der zölibatären und der ehelichen Lebensform tiefer verstanden würde: auf dem Hintergrund einer Entscheidung für Gott.“ Man darf davon ausgehen, dass der Diasporahirte mit gutem Beispiel vorangehen wird. Als Mitglied in der synodalen Vorbereitungsgruppe zur Frage der „priesterlichen Lebensform“ sitzt Ipolt dazu an der richtigen Stelle.

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