Pilger aus aller Welt folgen Bernadettes Spuren

Lebensperspektiven für Christen: Der Gedenktag der Marienerscheinungen von Lourdes hebt die Sendung Kranker und Gesunder in der Kirche hervor. Von Regina Einig
Internationale Messe in Lourdes: Sanctuaires de Lourdes/Vincent
| Zwanzigtausend Pilger, ein Wortgottesdienst in sechs Sprachen und ein lateinisches Ordinarium. Die Internationale Messe in Lourdes steht für katholische Vielfalt.Foto: Sanctuaires de Lourdes/Vincent
Internationale Messe in Lourdes: Sanctuaires de Lourdes/Vincent
| Zwanzigtausend Pilger, ein Wortgottesdienst in sechs Sprachen und ein lateinisches Ordinarium. Die Internationale Messe in Lourdes steht für katholische Vielfalt.Foto: Sanctuaires de Lourdes/Vincent

Lourdes (DT) Eisiger Regen und Schnee erinnern die Pilger am Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes an die Geschichte der heiligen Bernadette: Um Brennholz zu sammeln, war sie am 11. Februar 1858 zur Grotte von Massabielle gegangen. Dort erschien ihr zum ersten Mal die „weiße Dame“, die sich wenige Wochen später als die „Unbefleckte Empfängnis“ zu erkennen gab.

Am Montagmorgen geht es in dem Marienwallfahrtsort polyglott und lebhaft zu. Noch sind die meisten Teilnehmer der traditionellen Pilgerleiterkonferenz, die alljährlich um den 11. Februar in Lourdes tagt, nicht abgereist. Überall wird Italienisch gesprochen, denn neunzig Prozent der Pilger, die die Unterirdische Basilika bis auf den letzten Stehplatz füllen, stammen aus Italien. Mediterrane Glaubensfreude brandet in dem riesigen Kirchenschiff auf, als die einzelnen Gruppen in der jeweiligen Landessprache begrüßt werden. Aus Deutschland sind Pilger aus Freiburg und der Pfalz angereist, aus Spanien die Hospitalität von Vitoria. Den weitesten Weg haben Gruppen aus den Vereinigten Staaten von Amerika und Ecuador zurückgelegt. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten, Kurienkardinal Francesco Coccopalmerio und ungefähr zweihundert Priester feiern mit.

Bischof Nicolas Brouwet von Tarbes und Lourdes stellt den Pilgern das Vorbild der Diener bei der Hochzeit zu Kana vor Augen: „In aller Stille befolgten sie die Anweisungen Jesu und wurden Zeugen eines Wunders.“ Das Vertrauen in den Herrn stehe auch heute am Beginn jedes Glaubensaktes. An den Dienern bei der Hochzeit zu Kana zeige sich jenes demütige Vertrauen, das keine Auskunft verlange, sich aber auf das Wort Jesu verlasse und dabei wachse. „Nur wer sich darauf einlässt, sein Leben nicht ganz allein in die Hand zu nehmen und nicht allein Herr seiner Existenz zu sein, sieht und begreift, wie der Herr handelt“, erklärt Brouwet. Demütig und verborgen dienen zu wollen – das sei die Lebensperspektive der Christen.

Kritische Worte findet der Bischof von Tarbes und Lourdes zur französischen Tagespolitik. Dass die Welt ihren Bezug zum Christentum und zum Evangelium jedes Jahr ein Stück mehr verliere, zeige sich in Frankreich konkret am Gesetzesprojekt für die Homo-„Ehe“ und dem geplanten Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Bedenken äußert er auch über Pläne zur Einführung der Sterbehilfe und über den mangelnden Schutz des ungeborenen Lebens. Brouwet unterstreicht mit Nachdruck, dass die Gläubigen um die Erneuerung der Firmgnade bitten sollten, um das eigene Leben und das Weltgeschehen im Licht des Glaubens zu sehen und nicht nach den Kriterien der Welt zu beurteilen. Mit einem Gebet für die Kranken und einer Einladung an alle Leidenden, nach Lourdes zu pilgern, beleuchtet er noch einmal an das Charisma des Marienwallfahrtsortes am Fuß der Pyrenäen. „In Lourdes lernt man von Kranken und Behinderten und wird durch sie zur Bekehrung angetrieben. Die Zeit, die wir mit ihnen verbringen, verwandelt unser Herz und kehrt unsere Werte um. Mit ihnen lernen wir erneut, was unsere Berufung als Christen bedeutet.“

Nach zwei Stunden feierlicher Liturgie zieht es die Menge zur Grotte. Ausdrücklich dankt der Ortsbischof noch einmal allen Helfern und Unterstützern, die mitgeholfen hatten, die Spuren der herbstlichen Überschwemmungen zu beseitigen. Nichts erinnert im Heiligen Bezirk mehr daran, dass die Erscheinungsgrotte im Oktober zeitweise gesperrt werden musste. Während sich am Gaveufer um die Mittagszeit die Betern drängen, fallen dichte Schneeflocken.

In der unterirdischen Basilika wird der Bericht verlesen, den Bernadette über die erste Marienerscheinung zu Protokoll gab. Sie selbst wurde in Lourdes nicht geheilt und steht stellvertretend für viele, die lernten, mit ihrer Krankheit zu leben. Wie können Christen heute Kranken Hoffnung geben? Eine Pilgerin aus Hessen berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung von einem positiven Beispiel aus dem Bistum Fulda: Dort hat der Bischof allen niedergelassenen Kinderärzten eine Kinderbibel für das Wartezimmer geschenkt.

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