Pfingsten

Neues Feuer: Pfingsten der Jugend in Eichstätt

Glaubensimpulse für junge Christen. Das dreitägige Pfingstfestival in Rebdorf zündet. Eine Kooperation von Eichstätter Jugend und der Loretto- Gemeinschaft.
Pfingstfeier der Jugend in Eichstätt
Foto: Team Pfingsten 2022 Eichstätt | Junge Menschen aus Eichstätt trafen sich zu Pfingsten in Eichstätt.

Die Sitze quietschen, als sich alle im Hörsaal erheben. Die Jugendlichen blicken aufmerksam nach vorne, manche haben ihre Hände erhoben. Im nächsten Moment knien sie sich hin   denn anders als sonst findet heute in diesem Hörsaal kein Unterricht, sondern eine heilige Messe statt. Anders als sonst sind die abgestuften Bänke von buntem Scheinwerferlicht erleuchtet. Statt eines Lehrers steht ein Priester an einem improvisierten Altar und wandelt Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi.

Lesen Sie auch:

Geburtstag der Kirche

Beim dritten Pfingstfestival in Eichstätt feiern Jugendliche unter dem Motto "Neues Feuer" das Geburtstagsfest der Kirche. Schauplatz ist die Klosteranlage Rebdorf am Ufer der Altmühl. Das ehemalige Augustiner-Chorherren-Stift, das seit 2014 ein Realschulzentrum für Mädchen und Jungen beherbergt, öffnete seine Türen am Wochenende für circa 70 Jugendliche aus dem Bistum und darüber hinaus. Die Eichstätter Jugendlichen kooperieren mit der Loretto-Gemeinschaft, um ihr Pfingstfestival dieses Jahr vor Ort stattfinden zu lassen.

"Die Idee für ein Eichstätter Pfingstfestival entstand bei der ersten Corona-Welle 2020", berichtet eine der Organisatorinnen, Vanessa Benzinger. Da das große Pfingstfestival in Loretto nicht stattfinden konnte, entschloss sich eine Gruppe junger Leute, die über die Jugendstelle Schwabach verbunden waren, einen Livestream ins Leben zu rufen, sodass man von zuhause aus mit Glaubensimpulsen und Lobpreis Pfingsten feiern konnte. Die Loretto-Gemeinschaft unterstützt Benzinger zufolge kleinere Pfingstfestivals an anderen Orten, für Teilnehmer, die eine längere Reise nicht auf sich nehmen können oder wollen.

Neue Kontakte 

Luisa, eine 14-jährige Teilnehmerin aus Roth, hat bereits bei den Online-Pfingstfestivals mitgemacht. "Das war schön, aber es ist doch ein ganz anderes Gefühl, wenn man neue Leute kennenlernen kann", sagt sie dieser Zeitung. Auch Natalia, die als Krankenschwester arbeitet, lobt die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. "Zuerst war ich überrascht, weil es nicht so viele Teilnehmer waren, wie ich erwartet hätte", erklärte sie. "Doch das bietet eine tolle Plattform, um Menschen wirklich zu begegnen."

Sie habe sich mit vielen austauschen können, die ebenso wie sie vor der Herausforderung standen, die Arbeitsroutine mit einem lebendigen Glaubensleben zu vereinen. "In der Hinsicht habe ich sehr unerwartete Denkanstöße bekommen", resümiert Natalia.
"Das Feuer des Heiligen Geistes entzündet sich erst, wenn man Jesus als Person begegnet", erklärt Erzbischof Gregor Maria Hanke OSB, der das Pfingstfestival am Freitagabend mit eröffnet und die Erzählung der Emmaus-Jünger aus dem Neuen Testament ausdeutet. Ihnen habe das Herz in ihrer Brust gebrannt, als sie mit dem Heiland auf ihrer Reise sprachen.

Jesus begegnen

"Es ist gut, in Katechismen wie dem YouCat zu begegnen", erklärt er, doch noch wichtiger sei die persönliche Begegnung mit Jesus. Den Jugendlichen spricht er Mut zu: "Für die frohe Botschaft trotz allem Widrigen einstehen: Das ist ein Werk des Heiligen Geistes."

Die tätige Liebe ist über das Festival hinweg spürbar. Etwa 50 Jugendliche gehören zu einem der zehn Teams, die an der Organisation beteiligt sind. Sie sorgen für das geistliche und leibliche Wohl der Teilnehmer, indem sie in Prayerteams für das persönliche Gebet zur Verfügung stehen, Verpflegung organisieren und Moderation, Lobpreisbands und die Technik auf die Beine stellen, über die die Festivitäten auch über Livestreams online verfügbar sind.

Das ermöglicht es auch, den Impuls von Andreas Boppart aus der Ferne als Livestream zu übertragen. Der Schweizer Theologe und Leiter des christlichen Missionswerks "Campus für Christus Schweiz" beschreibt seine Faszination mit Gottes Größe. Er stellt den Planeten Erde ins Verhältnis mit einem der größten Sterne, den Astronomen je entdeckten: "Dieser Gott, von dem es heißt, dass er die Sterne ,ausgehaucht  hat, dass dieses mystische Gottwesen meine Nähe sucht; zum Menschen wird, um eine ganz persönliche Beziehung mit mir zu haben, das ist für mich immer wieder unglaublich."

Videorückblick auf Pfingsten 2022 in Eichstätt

 

Eintauchen ins Gebet

Boppart betont, dass Buße in der Nachfolge Christi ein "Umdenken" sei. Es ermögliche, dass der Heilige Geist sich im Menschen ausgieße. "Wir drücken Gott nämlich gerne weg. Aber wir sehnen uns nach etwas anderem." Er ermutigt die Teilnehmer: "Wenn sich das Reich Gottes ausbreitet durch seinen Heiligen Geist, dann kommt es mit Frieden, Liebe und einem Grundrauschen der Freude."

Bei den Workshops am Samstagnachmittag kommen die Teilnehmer ins Gespräch, erhalten Impulse oder machen Lobpreis. "Wir haben die ganze Zeit gesungen", berichtet Natalia. "Ich hatte gedacht, wir würden vielleicht einfach einige Lieder lernen oder Instrumente spielen. Aber so konnte ich ganz eintauchen in Gott und ins Gebet." Bei geschlechtergetrennten Workshops geht es um Weiblichkeit und Männlichkeit. "Mir ist es wichtig, dass die Jungs darüber reflektieren, was es heißt, ein Mann zu sein", erklärt Frater Seraphim, der den Männer-Workshop leitete. "Heute gibt es sehr negative Stereotype von Maskulinität. Das wollte ich ansprechen. Ein Teilnehmer berichtet gegenüber dieser Zeitung, er habe das Gespräch mit Gleichgesinnten als sehr befreiend empfunden.

Schönheit

Beim Mädchen-Workshop mit Clara Steinbrecher geht es um die Bedeutung von Schönheit für Frauen und den Einfluss der sozialen Medien auf das weibliche Selbstverständnis. "Es ist heute sehr leicht, sich zu vergleichen", erzählt Steinbrecher. "Mir hilft es, die Schönheit in anderen Frauen bewusst wahrzunehmen, und Gott dafür zu danken. Und immer nachzuschieben: ,Danke, dass du mich auch schön gemacht hast! "

Für viele Teilnehmer ist der Abend der Barmherzigkeit am Samstag ein besonderes Highlight. In der Kirche auf dem Klostergelände wird das Allerheiligste bei Kerzenschein ausgesetzt. Priester hören Beichte; "Prayerteams" stehen für das gemeinsame Gebet und die Fürbitten bereit. Die 14-jährige Luisa lobt die Gestaltung: "Es war sehr feierlich, obwohl eine Anbetung manchmal langweilig sein kann." Der Lobpreis und gesprochene Impulse hätten ihr geholfen, sich auf das Gebet einzulassen. In ihrer Heimatgemeinde gibt es Laura zufolge keine vergleichbaren Angebote für Jugendliche. Sie plane deshalb im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder zum Pfingstfestival zu kommen.

Magische Atmosphäre

Laura, ebenfalls 14 Jahre alt, bezeichnet die Atmosphäre beim Abend der Barmherzigkeit als "magisch". Der Abend habe ihre Beziehung mit Jesus auf eine neue, intensivere Ebene gehoben. Für sie hat Pfingsten durch die Erfahrung beim Festival eine ganz neue Bedeutung bekommen. "Ich weiß jetzt, dass an Pfingsten eine Flamme entzündet wird, die das ganze Jahr am Brennen gehalten wird", erklärt sie.

Lesen Sie auch:

Constantin, ein 25-jähriger Medizinstudent aus Würzburg, hebt beim Abend der Barmherzigkeit die Gelegenheit zur Beichte positiv hervor: "Das war befreiend. Die ganze Umsetzung der Anbetung hat den Abend besonders gemacht." Der charismatische Charakter der Veranstaltung sei für ihn etwas Neues gewesen.

Mitreißender Lobpreis

"Doch nach einer Weile war der Lobpreis mitreißend." Für Constantin ist es das erste Pfingstfestival: "Auf dem Land ist Pfingsten kein so großes Fest. Aber durch diese Festivals bekommt Pfingsten einen neuen Charakter."

Das Festival schließt am Sonntag wieder im Hörsaal, denn draußen hat es zu regnen begonnen. Die Moderatorin scherzt: "Wir haben zu viel davon gesungen, dass der Heilige Geist herabregnen soll." Viele Teilnehmer gehen ganz nach vorne. Sie beten dafür, den Heiligen Geist zu empfangen, sich neu entzünden zu lassen, bevor sie die Reise nach Hause antreten   bis zum nächsten Pfingstfestival in Eichstätt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Wie sich die deutschen Bistümer an der Aktion von Papst Franziskus am kommenden Freitag beteiligen. Ein Überblick.
24.03.2022, 10  Uhr
Barbara Stühlmeyer
Ein paar Tipps für Eltern zum Umgang mit der Taufkatechese.
07.07.2022, 11  Uhr
Angela Richter
Themen & Autoren
Sally-Jo Durney Barmherzigkeit Christen Diözesen Erzbischöfe Gregor Maria Hanke Heiliger Geist Jesus Christus Loretto Gemeinschaft Pfingsten

Kirche

Nach Kritik am DBK-Vorsitzenden Bätzing erhält „Maria 1.0“ ein Antwortschreiben. Eine Auseinandersetzung mit den Inhalten des Briefes finde darin jedoch nicht statt, so die Initiative.
15.08.2022, 11 Uhr
Meldung
Für eine Taufpatenschaft holte ich meine Firmung nach und entdeckte einen neuen Zugang zu Gott.
15.08.2022, 07 Uhr
Victoria O.
Die „ganze Sache mit Jesus Christus“: An ihr hängt eigentlich alles im Leben. Vertraut man wirklich darauf, dass Gott Mensch geworden ist?
16.08.2022, 07 Uhr
Rudolf Gehrig
In Skandinavien gibt es so gut wie keine Forderungen nach dem Priesteramt für Frauen, aber den Wunsch nach mehr Hilfe, um dem Glauben und der Lehre der Kirche entsprechend zu leben.
11.08.2022, 13 Uhr
Regina Einig