Hamburg

Mit Maria durch Hamburg

Mehrere hundert Gläubige folgten dem Aufruf fremdsprachiger Gemeinden zur Rosenkranzprozession in Hamburg-Harburg. Bisher „unsichtbare“ Gebetsgruppen kamen zusammen, um für die Einheit der Kirche in Deutschland zu beten.
Rosenkranzprozession Hamburg
Foto: Philipp Dunkel | Teilnehmer an der Rosenkranzprozession in Hamburg tragen ein Bild Unserer Lieben Frau von Fatima.

Ein ungewöhnliches Bild in der Hansestadt: Hunderte Menschen ziehen durch die Hauptstraßen von Hamburg-Harburg. Sie folgen einem Bild Unserer Lieben Frau von Fatima. Dabei beten sie den Rosenkranz und singen  Marienlieder. Die portugiesische Mission hatte wie jedes Jahr  am Samstagabend zur Rosenkranzprozession eingeladen. Diesmal war es allerdings ein wenig anders: Dieses Jahr haben sich mehrere Initiativen aus fremdsprachigen Gemeinden in Hamburg zusammengetan..

Varinia Arauco, eine peruanische Mutter von drei Kindern und lange in Hamburg ansässig  – sie ist mit einem Deutschen verheiratet  –, hat einen Flyer mit den Anliegen der Rosenkranzprozession entworfen: „Für die Einheit der katholischen Kirche. Für ein christliches Europa. Für den Schutz des Lebens. Für die Familien. Für den Frieden“. Im Gespräch mit der „Tagespost“ führt sie aus, dass letztes Jahr einige Katholiken der spanischsprachigen Mission „auf die Straße gingen, um den Rosenkranz zu beten“. Sie seien nach Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare in Hamburger Kirchen besorgt gewesen. „In Hamburg gibt es eine Spaltung der Kirche“, so Arauco. „Manche schlagen sich auf die Seite des Synodalen Wegs, aber viele andere, die bislang unsichtbar waren, beten für die Einheit. Sie wollen kein Schisma.“

Rosenkranz für Männer und Kinder

Auch die polnische Bewegung „Wojownicy Maryi“ („Ritter Mariens“) gehört zu den Initiativen, die zum Gebet eingeladen hatten. In Polen hatte sie den „Männerrosenkranz“ ins Leben gerufen, der sich inzwischen auf 35 Länder ausgebreitet hat. In Hamburg beten sie am ersten Samstag im Monat, erzählen die Teilnehmer Patrick und Robert der „Tagespost“. Die beiden sind aus dem Münsterland angereist, um in der Hansestadt zusammen mit Gleichgesinnten die Hilfe Mariens zu erbitten, „um Jesus mit ihren Augen, ihren Gedanken, ihrem Herzen besser kennenzulernen.“ Deshalb empfehlen sie zum Rosenkranzgebet auch den Besuch der Heiligen Messe und den Empfang des Bußsakraments. „Wir möchten außerdem Sühne leisten für Beleidigungen gegen den Herrn und seine gebenedeite Mutter.“ Sie möchten für die Kirche und mit der Kirche beten. In der Nähe von Münster soll demnächst eine weitere Rosenkranz-Gruppe der „Wojownicy Maryi“ entstehen.

Den Rosenkranz beten darüber hinaus die Männer aus der Bewegung „Christ for Men“. Am 25. Juni organisieren Philipp Dunkel und Edson Armenta erstmals ein Rosenkranzgebet vor dem Hamburger Mariendom. Etwa 50 Männer nehmen teil, so Dunkel und Armenta. „Wir beten für die Einheit der Kirche, aber auch  für den Schutz des menschlichen Lebens vom Zeitpunkt der natürlichen Empfängnis bis zum natürlichen Tod“.

Der „Männer-Rosenkranz“ stelle die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu in den Mittelpunkt, so  Philipp Dunkel. Ihnen sei aber auch wichtig, dass die Männer den Katechismus der katholischen Kirche  durch die Initiative besser kennenlernen oder sogar wiederentdecken können. „Wir folgen der katholischen Tradition“, ergänzt Armenta. „Unsere Initiative ist ein Aufruf zur persönlichen Bekehrung.“ Sie möchten den Glauben „gemeinsam und öffentlich“ bekennen. Die Bewegung ist auch online aktiv: Alle 14 Jahre bieten sie den Rosenkranz über das Sozialnetzwerk Telegram an. Ivette, Philipp Dunkels Ehefrau aus Peru,  ist mit ihrer Gruppe „Kinderrosenkranz“ ebenfalls zur Rosenkranzprozession gekommen. Die Gebetsgruppenbewegung für Kinder stamme aus den USA. 2011 sei sie, wie Dunkel berichtet, von Blythe Kaufman ins Leben gerufen worden. Dunkel selbst habe am 19. März mit dem Kinderrosenkranz begonnen. „Allerdings sind wir auch auf den Widerstand mehrerer Pfarrer gestoßen, die nicht verstehen, dass Kinder den Rosenkranz beten“, so Dunkel. „Dabei ist die Bewegung von Blythe Kaufman päpstlich anerkannt.“ Auch „Kinderrosenkranz“ denkt an Ausweitung. Ab dem 7. November soll es laut Dunkel die Initiative auch in Franken geben.

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Schrillende Alarmglocken

Im Vorfeld der Rosenkranzprozession am 15. Oktober  hatte es Kritik am Gebetsaufruf gegeben. In ihrer Einladung hatten die Initiatoren geschrieben: „Der Monat Oktober ist der Monat des Heiligen Rosenkranzes, und wir erinnern uns an die Fürbitte unserer Allerheiligsten Mutter, Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, als sie einem christlichen Europa am 7. Oktober 1571 in der Schlacht von Lepanto den Sieg über das islamische Osmanische Reich gewährte.“ Die Erwähnung der „Schlacht von Lepanto“  ließ im Erzbischöflichen Generalvikariat die Alarmglocken schrillen.
Diözesanreferent Michael Becker schickte einen Brief an die Hamburger Kirchengemeinden. Der Gebetsaufruf sollte nicht unterstützt werden. Es sei inakzeptabel, eine Rosenkranzprozession heute in den militärischen Kontext der Schlacht von Lepanto zu stellen.

Der Leiter der portugiesischen Mission, Padre Sérgio Santos Reis, betont gegenüber der „Tagespost“, dass zur Fatima-Prozession alle eingeladen seien. „Wir veranstalten keine politische Demonstration. Wir machen von unserem Recht Gebrauch, unseren Glauben öffentlich zu bekennen.“ Dies bestätigt auch Varinia Arauco: „Uns geht es nicht um Politik, sondern um den Glauben. Wir werden weiterhin für ein christliches Europa und für die Einheit der katholischen Kirche in Deutschland beten.“

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