Ehe und Familie

Mit der Kirche auf dem Weg zum Traualtar

Ein Vatikan-Dokument über ein Katechumenat für Paare vor der Hochzeit soll der klassischen Ehevorbereitung Impulse geben.
Brautpaar im Sessellift
Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) | Vor der Ehe sollen die Brautleute künftig sorgfältig unterwiesen und vorbereitet werden.

"Mut!“, heißt es im Vorwort von Papst Franziskus zu einem neuen Dokument des Vatikans über die Ehevorbereitung. „Fangen wir an, die ersten Schritte zu machen! Beginnen wir mit Prozessen der pastoralen Erneuerung! Stellen wir Kopf und Herz in den Dienst an den zukünftigen Familien, und ich verspreche euch, dass der Herr uns unterstützt, uns Hoffnung gibt und Kraft, dass er uns alle die süße und stärkende Freude der Evangelisation erfahren lässt, während wir den neuen Generationen das Evangelium der Familie verkünden.“

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Katechumenale Wege

Die von den Redenschreibern des Papstes wohl bewusst gewählte Emphase und aufrüttelnde Wortwahl in der Einleitung zu einem etwa neunzig Seiten langen Leitfaden entspricht einem sachlichen, aber besorgniserregenden Befund: In weiten Teilen der katholischen Kirche liegt die Ehevorbereitung im Argen. An vielen Orten reichen ein, zwei Gespräche mit dem Pfarrer oder einem anderen Mitarbeiter in der Pastoral, um ein junges Paar auf den Traualtar und das Eheleben loszulassen.

Dieser Mangel wurde schon bei den beiden römischen Synoden zu Ehe und Familie der Jahre 2014 und 2015 beklagt und fand Eingang in das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“. Auf dieses beruft sich das neue Dokument. Es trägt den Titel „Katechumenale Wege für das eheliche Leben – Pastorale Orientierungen für die Teilkirchen“ (es liegt allerdings bisher nur auf Italienisch und Spanisch vor) und wurde jetzt vom Dikasterium für die Laien, Familien und das Leben veröffentlicht.

Ein Ehekatechumenat also soll es geben – vergleichbar mit dem Katechumenat, das auch die erwachsenen Taufbewerber vor der Aufnahme in die katholische Kirche durchlaufen. Das soll in der Kirche zum Standard werden. Der nun herausgegebene Leitfaden stellt das erste von zwei Dokumenten dar, wie der Papst in der Einleitung schreibt. Eine zweite Veröffentlichung soll „pastorale Modalitäten“ und „mögliche Wege der Begleitung“ für Paare beinhalten, deren Ehe gescheitert ist und die in einer neuen Beziehung leben oder zivil wiederverheiratet sind. Auch mit ihnen wolle die Kirche die „Via caritatis“, den Weg der Liebe gehen.

Langzeitvorbereitung

Genau das Gegenteil von einer punktuellen, auf wenige Vorbereitungsgespräche beschränkten Begleitung zum Traualtar will das jetzt vorliegende Dokument. Das Ehekatechumenat beginnt für die Autoren des Leitfadens sogar schon mit einer „Langzeitvorbereitung“ in der Jugend des Einzelnen, geht dann über in eine „Zwischenstufe“, die ein paar Wochen für bereits christlich geformte Ehekandidaten oder einige Monate bei denen dauern kann, die ihre Verlobung noch prüfen und ein Leben aus der Taufgnade noch vertiefen müssen. Die eigentliche „katechumenale Phase“ ist dann einer wirkliche Glaubensvertiefung gewidmet, mit einer Besinnung auf Taufe und Firmung sowie der Eucharistie und dem Empfang des Bußsakraments.

Die Ehekandidaten sollen am kirchlichen Leben teilnehmen, neben Gebetszeiten, der Sonntagsmesse oder Einkehrtagen aber auch Feste mitfeiern und konkrete Gelegenheiten des Beisammenseins erleben. Das Dokument nennt das eine erste Etappe der unmittelbaren Vorbereitung. Wie beim Ehekatechumenat insgesamt ist sie nicht nur eine Aufgabe der Pfarrer oder Priester, sondern schließt auch die Beteiligung von reiferen Eheleuten, pastoralen Mitarbeitern, Ordensleuten oder geistlichen Gemeinschaften ein. Den Bischöfen und ihrem Klerus obliegt die Aufgabe der Koordinierung und Verkündigung.

Prüfung der Beziehung

Bei Paaren, die schon vor der Ehe zusammengelebt haben, ist diese Zeit auch die Gelegenheit, ihre Beziehung zu überprüfen und zu „objektivieren“. Auch bei diesen Paaren sei es nötig, so das Dokument, über die eheliche Keuschheit zu sprechen sowie über den gegenseitigen Respekt, wenn der Partner sich in körperlichen oder seelischen Schwierigkeiten befindet, über die Selbstbeherrschung in Zeiten des Alleinseins oder während einer Krankheit des anderen. Diese erste Etappe, empfiehlt der Leitfaden, kann mit der Feier der eigentlichen Verlobung enden. Allerdings dürfe dieser Akt des Eheversprechens nicht mit der eigentlichen Hochzeit verwechselt werden können und solle deshalb nicht im Rahmen oder am Ende eines Gottesdienstes stattfinden.

Die zweite Etappe der unmittelbaren Ehevorbereitung kann dem Dokument zufolge mit einer Geste beginnen: einem kurzen Einkehrtag oder einer symbolischen Gabe wie einem Gebet, dass die Brautleute fortan gemeinsam sprechen können. Jetzt ist auch die Zeit für die kanonisch vorgeschriebenen Gespräche mit dem Pfarrer gekommen. In der Unterweisung soll es nun durchaus theologisch zugehen: Es habe um Lehrfragen zu gehen und um die existentiellen Fragen der Ehe wie die Tatsache, dass die Eheleute sich gegenseitig das Ehesakrament spenden. In der Hauptsache sei den Brautleuten zu helfen, die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn als die Quelle des christlichen Lebens zu sehen.

Das eheliche Leben dürfe sich nicht auf eine rein soziologische oder – im Problemfall – psychologische Sicht auf die Schwierigkeiten des gemeinsamen Lebens beschränken. So wie die geweihten Diener der Kirche berufen seien, „lebendige Ikonen“ des Hohepriesters Christus zu sein, so sollten die Eheleute „lebendige Ikonen“ des bräutlichen Christus sein. Das Dokument empfiehlt ein- oder zweitägige Exerzitien unmittelbar vor der Hochzeit mit Empfang des Bußsakraments.

Nach der Hochzeit geht es weiter

Der katechumenale Weg der Eheleute soll nicht mit der Hochzeit enden, heißt es im letzten Kapitel des Dokuments. Deswegen sei es notwendig, die jungen verheirateten Paare einige Jahre zu begleiten und sie nicht allein zu lassen. Es sei auch die Zeit, etwa über Kinder und Familienplanung zu sprechen, über Fragen der Moral und Bioethik. In dieser Phase sei die Begleitung durch ältere Ehepartner besonders wichtig. Und gerade dann, wenn ein Paar in eine Krise gerate, dürfe die Begleitung nicht aufhören.

Insgesamt, so heißt es am Ende des Leitfadens, soll sich der katechumenale Weg für das eheliche Leben nicht auf die Mitteilung doktrinärer Inhalte beschränken und die klassische Form der „Ehevorbereitungskurse“ überwinden. Es brauche einen Dialog mit den jungen Paaren, individuell abgestimmte Begegnungen, liturgische Momente des Gebets und der Feier der Sakramente, einen Austausch der jungen Paare untereinander, die den katechumenalen Weg gehen, sowie die Einbindung externer Experten wie auch der kirchlichen Gemeinde, die den langen Weg der Vorbereitung der Eheleute unterstützt und daran teilnimmt. Das nun vorgelegte Dokument erschien – auch wenn die Übersetzungen in die meisten der gebräuchlichen Sprachen noch fehlen – unmittelbar vor dem Weltfamilientag, der gestern in Rom begonnen hat und am Sonntag endet.

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