Weihnachten

Mit den Heiligen an der Krippe stehen

Theologie kann auch spirituell sein. Eine Textsammlung zum Weihnachtsfestkreis vertieft den Blick auf das Geheimnis. Ein Brückenschlag zwischen Intellekt und Frömmigkeit.
Weihnachten Darbringung Christi im Tempel
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Der weihnachtliche Festkreis mit den Heiligen zusammen betrachtet.

Dass Theologie auch spirituell sein kann, ja sogar zwingend sein muss, wenn sie verwertbare Ergebnisse erzielen will ist ein Gedanke, der sich heute vielen nicht mehr erschließt. Umso wichtiger ist die Arbeit von Marianne Schlosser, die als Professorin für Theologie der Spiritualität an der Universität Wien wirkt. Wie konkret sich die Verbindung von Forschung, Lehre und spirituellem Leben an diesem Lehrstuhl vollzieht und welche Strahlkraft ein solch wegweisendes und notwendiges Modell entwickeln kann, zeigt das vorliegende Büchlein aus dem Eos Verlag.

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Frucht der Arbeit

Auf gut hundert Seiten sind hier geistliche Texte aus der Geschichte des Christentums versammelt, die sich betrachtend, betend und reflektierend mit dem Geheimnis der Menschwerdung und dem immer neuen Warten darauf, dass es sich in den liturgischen Feiern realisiert, beschäftigen. Das Buch ist eine Frucht der praktischen Arbeit am Lehrstuhl für Theologie der Spiritualität. Zu einen sind es die Texte, mit denen dort gearbeitet wird. Es sind aber auch die Früchte eines Brauchs, der seit dem Jahr 2008 dort gepflegt wird.
Er beinhaltet, dass die Studierenden und dem Institut Verbundenen und  jedem Jahr einen Weihnachtsbrief zusammenstellen, in dem kürzere und längere Texte versammelt sind, die zur Vorbereitung auf das Geheimnis der Menschwerdung dienen können. Geistliches Leben, Forschung und Lehre können sich so gegenseitig bestärken.

Entlang dem Kirchenjahr

Für das vorliegende Buch wurden aus diesem reichen Fundus, der in den vergangenen 13 Jahren gewachsen sind, wegweisende Texte ausgewählt. Viele von ihnen wurden von denen, die sie zu den Weihnachtsbriefen beigesteuert haben, selbst übersetzt. So entsteht bei der Lektüre neben dem geistlichen Gewinn der Mehrwert, dass man mit einer neuen Übersetzung zugleich auch den Zugang des Übersetzers studieren kann.

Die Ordnung der Texte entspricht der des Kirchenjahres und erstreckt sich vom Advent über Weihnachten, das Fest der Erscheinung bis zur Darstellung des Herrn. Inmitten dieses Lichtnetzwerks finden sich auch Texte zu den Blutzeugen, deren Feste am 26., 28. und 29. Dezember gefeiert werden, zum Fest des Heiligen Namens Jesu und der Taufe des Herrn. Der Reichtum des Glaubenssinnes, der aus den ausgewählten Texten spricht, beeindruckt und berührt gleichermaßen.

Man fühlt sich bei der Lektüre eingehüllt in die lichte Wolke der Zeugen, die vor uns und mit uns den Weg des Herrn gehen, ist bestärkt und beglückt durch die gewonnenen Einsichten und ermutigt, selbst Zeugnis von der Hoffnung zu geben, die sie und uns alle erfüllt.


Marianne Schlosser (Hrsg.): „Es haucht die Nacht ein neues Licht“. Der weihnachtliche Festkreis in Gebeten und Betrachtungen. EOS, St. Ottilien, 2021, 216 Seiten, ISBN 978-3-8306-7980-6, EUR 19, 95

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