Missionarin mit weltweiter Strahlkraft

Vor 1 300 Jahren wurde die heilige Walburga geboren – Aus Gründungen der Abtei St. Walburg gingen mehrere Benediktinerinnenföderationen hervor

Pilger aus aller Welt zieht es in diesem Jahr ins beschauliche Altmühltal: In der Gruft der Pfarr- und Klosterkirche St. Walburg in Eichstätt ruhen die Gebeine der heiligen Äbtissin und Missionarin Walburga. Das Gotteshaus ist eine viel besuchte Wallfahrtsstätte. Im Jahr 710, vor 1300 Jahren, wurde der Überlieferung zufolge diese auch heute noch hochverehrte Heilige geboren. Dieses Jubiläum feiern die Benediktinerinnen der Abtei St. Walburg, die seit 975 Jahren am Grab der Heiligen als dessen Hüterinnen nach der Regel des heiligen Benedikt beten und arbeiten, mit Walburgaverehrern aus aller Welt.

Walburga wurde in Wessex, Südengland, geboren. Sie entstammt einer vornehmen angelsächsischen Familie. Aus dieser gingen noch weitere bedeutende Missionare hervor, die Christi Heilsbotschaft in Deutschland verkündeten. Der heilige Bonifatius, der Apostel Deutschlands und die heilige Lioba gehörten zu ihren Verwandten. Zwei weitere bedeutende Glaubensboten Deutschlands, der heilige Willibald (700–787), der erste Bischof von Eichstätt, und der heilige Wunibald (701–761), Abt des Benediktinerklosters Heidenheim/Hahnenkamm, waren ihre Brüder. In der Mitte des achten Jahrhunderts verließ Walburga ihre Heimat, um in Deutschland als Missionarin zu wirken. Walburga erhielt ihre Erziehung in einem der angelsächsischen Klöster, vielleicht in Wimborne, wo sie sich als Benediktinerin ganz Gott geweiht hatte. Vor 750 folgte Walburga, begleitet von einigen Gefährtinnen, ihren Brüdern in die germanische Mission. Zunächst wirkte sie vermutlich in einem der mainfränkischen, von der heiligen Lioba beziehungsweise der heiligen Thekla geleiteten Klöster, vielleicht in Tauberbischofsheim. Als Wunibald im Jahre 761 in Heidenheim starb, übernahm Walburga als Äbtissin die Leitung des dortigen Benediktinerklosters, das nun nach angelsächsischem Vorbild zu einem Doppelkloster mit einem Männer- und einem Frauenkonvent wurde. Durch ihr segensreiches Wirken im Dienst an Gott und an den Menschen setzte Walburga die vom Bruder begonnene Missionsarbeit fort. Der 25. Februar 779 gilt nach alter Tradition als der Tag ihres Heimgangs zu Gott.

Pilgerfahrten nach Monheim

Zwischen 870 und 879 ließ der Eichstätter Bischof Otgar die Gebeine Walburgas von Heidenheim nach Eichstätt übertragen. Durch die Erhebung und Übertragung der Reliquien, was in jener Zeit der Heiligsprechung gleichkam, legte Bischof Otgar den Grund zur öffentlichen Verehrung Walburgas. Im Jahre 893 wurde auf die Bitte der Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Monheim, Liubila, ein kleiner Teil der Reliquien dem Grab entnommen und in feierlicher Prozession nach Monheim überführt. Dies geschah vermutlich an einem 1. Mai. Bereits während der Prozession und dann auch weiterhin in Monheim selbst ereigneten sich viele wunderbare Heilungen. Diese Wunderzeichen, aber auch die Förderung der Walburgaverehrung durch das ostfränkische Königshaus und die hochadeligen alemannischen Verwandten Liubilas bewirkten, dass sich Monheim im neunten und zehnten Jahrhundert zu einem bedeutenden, von Pilgern aus aller Welt aufgesuchten Wallfahrtsort entwickelte. Seit dem zehnten Jahrhundert wurden Walburgareliquien in ganz Mitteleuropa und darüber hinaus verbreitet. Als der westfränkische König Karl der Einfältige seine im Jahre 916 errichtete Pfalzkapelle in Attigny im Hennegau mit Walburgareliquien ausstattete und die heilige Walburga zur Schutzheiligen des Reichs gegen die Überfälle der Normannen erklärte, gewann die Heilige sogar den Rang einer Reichsheiligen. In Attigny und in vielen weiteren Kirchen, die unter dem Patronzinium der heiligen Walburga stehen, wird in Erinnerung an die Übertragung der Walburgareliquien nach Monheim seit alter Zeit das Fest der heiligen Walburga am 1. Mai gefeiert, also nicht, wie in Eichstätt, am 25. Februar, ihrem Todestag.

Im Jahre 1035 gründete Graf Leodegar († um 1074), ein Eichstätter Domherr, auf Anregung des Eichstätter Bischofs Heribert (1022–1042) die Benediktinerinnenabtei St. Walburg. Schon vor dieser Gründung, wahrscheinlich bereits seit der Übertragung der Walburgareliquien von Heidenheim nach Eichstätt, lebte hier eine Gemeinschaft von Kanonissen. Diese wurde in die benediktinische Neugründung einbezogen. Entscheidend für den Entschluss Bischof Heriberts, am Grab der heiligen Walburga eine Benediktinerinnenabtei ins Leben zu rufen, war die persönliche Verehrung des Hirten für die Heilige. Die Gründung ist aber auch im Zusammenhang mit dem von Heribert zielstrebig betriebenen Ausbau der bischöflichen Residenz zu sehen. Bischof Heribert war es höchstwahrscheinlich, der die Reliquien der Heiligen von ihrer früheren Ruhestätte im Boden der Kirche in einem Reliquienschrein aus Kalkstein im Hauptaltar der von ihm renovierten Kirche beisetzen ließ, wo sie sich heute noch befinden.

Grund für diese Übertragung der Reliquien sowie für die besondere Anlage des Grabes war das Walburgisöl. Als im Jahre 893 das damals noch im Boden der Kirche eingelassene Grab zur Entnahme von Reliquien für das Kloster Monheim geöffnet wurde, fand man die Gebeine der Heiligen mit wasserklaren Tropfen betaut. Der sogenannte Ölfluss wird zuerst 1078 in der Bischofschronik des Anonymus von Herrieden erwähnt. Jahr für Jahr bilden sich bis zum heutigen Tag in den Wintermonaten Tautropfen an der Bodenplatte des Sarkophags der Heiligen. Die Benennung „Öl“ erhielt diese Flüssigkeit, die von ihrer chemischen Beschaffenheit her reines Wasser ist, aufgrund seit dem elften Jahrhundert bis heute bezeugten unzähligen Heilungen. Die Tautropfen werden in einem mit vergoldetem Kupferblech ausgeschlagenen Hohlraum unterhalb des Sarkophags in silbernen Schalen aufgefangen und in kostbaren Glaskaraffen aufbewahrt. In winzige Fläschchen verteilt, wird das Walburgisöl, das zeichenhaft für die Liebe dieser Heiligen zu Gott und zu den Menschen steht, als Geschenk der heiligen Walburga an die Pilger weitergereicht. Seit dem 15. Jahrhundert wurde daher das kleine Ölfläschchen in der Hand der Heiligen zu dem sie kennzeichnenden Attribut.

Durch die Gründung der Benediktinerinnenabtei nahm die Bedeutung Eichstätts als Walburgaheiligtum seit dem elften Jahrhundert immer weiter zu, während die Monheims zurückging. Das Kloster am Grab der heiligen Walburga entwickelte sich schließlich zum wichtigsten Wallfahrtsziel der Walburgapilger. Zur ersten Äbtissin des neugegründeten Klosters wurde Imma vom Nonnberg in Salzburg berufen, eine Cousine Leodegars. Das Kloster wurde von Graf Leodegar und Bischof Heribert mit Gütern dotiert. Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert ist urkundlich ein stetiger Ausbau der Grundherrschaft nachweisbar. In der Mitte des 15. Jahrhunderts reformierte Bischof Johannes III. von Eych (1445–1464) mit Hilfe von Benediktinerinnen aus der Abtei Marienberg bei Boppard am Rhein die Abtei. Bischof Johannes III. ließ auch Bau- und Renovierungsmaßnahmen an den Klostergebäuden und an der Kirche durchführen. Die wachsende Zahl der Pilger machte im 17. Jahrhundert einen Neubau der als zu klein und als zu düster empfundenen Walburgakirche notwendig. Im Jahre 1629, bereits während des Schwedenkriegs, wurde der Kirchenneubau begonnen. Die neue Kirche konnte am 12. Oktober 1631 geweiht werden. Kurz darauf, in den Jahren 1633/1634, brachen die Schrecken des Kriegs mit Plünderungen und Zerstörungen durch die schwedischen Truppen über Eichstätt herein. Die feindlichen Soldaten drangen in das Kloster ein und plünderten es aus. Ein Teil der Klostergebäude wurde niedergebrannt. Erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts war die durch den Krieg verursachte Verelendung soweit überwunden, dass mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen werden konnte.

Das 18. Jahrhundert, vor allem die Regierungszeit von Äbtissin Adelgundis I. Pettenkofer (1730–1756), ist gekennzeichnet durch umfangreiche Bautätigkeit an und in den Klostergebäuden und der Kirche wie auch durch vielfältige Tätigkeit im Bereich von Kunsthandwerk und Musik. Auch die Wallfahrt zur heiligen Walburga erlebte im 18. Jahrhundert eine Blütezeit. Nicht zuletzt die Spenden vermögender Walburgapilger waren es, die dem Kloster, das nie zu den reichen Abteien gehörte, die aufwendigen Baumaßnahmen ermöglichten. Bei aller Freude an der künstlerischen Ausstattung und Verschönerung des Hauses blieb doch stets die treue Befolgung der Regel Benedikts in Gebet und Arbeit das Hauptanliegen der Äbtissinnen und des Konvents von St. Walburg.

Die Ausweisung abgewendet

Die Liebe und Treue zur klösterlichen Berufung und die innere Geschlossenheit bewahrten Äbtissin Michaela Morasch (1799–1826) und ihre Mitschwestern, als die Abtei im Jahre 1806 säkularisiert wurde, vor der drohenden Ausweisung. Dreizehn Schwestern konnten im Jahre 1835 die Wiedererrichtung des Klosters durch König Ludwig I. von Bayern erleben. Diese war mit der Auflage verbunden, die Mädchenschule der Stadt zu übernehmen. In den Jahren 1852 bis 1855 wurden zwölf Schwestern zur religiösen und schulischen Betreuung deutscher Auswanderer in die Vereinigten Staaten ausgesandt. Aus diesen Anfängen entwickelten sich drei Föderationen von Benediktinerinnen in den Vereinigten Staaten.

In den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts erfolgten drei weitere Neugründungen in England und in den USA, die inzwischen alle selbstständig sind: die Abtei St. Walburga in Virginia Dale, Colorado, USA, und das Konventualpriorat St. Mildred's in Minster Abbey in Großbritannien sowie seit jüngster Zeit das Konventualpriorat St. Emma in Greensburg, Pennsylvania, das im Jubiläumsjahr 2010 am 1. Januar in die Unabhängigkeit entlassen werden konnte.

Dankbar dürfen die Nonnen des heutigen Konvents auf eine fast tausendjährige ununterbrochene Tradition monastischen Lebens zurückblicken. Die Gemeinschaft zählt heute 43 Schwestern, darunter drei Novizinnen. Chorgebet, Betrachtung, persönliches Gebet und Arbeit strukturieren den Tageslauf des klösterlichen Lebens nach der Regel des heiligen Benedikt. Mitte und Höhepunkt ist hierbei die tägliche Eucharistiefeier am Morgen. Auch die Arbeit, in Haus und Garten, in den einzelnen Werkstätten, in Kindergarten und Grundschule, im Gästehaus, in Bibliothek und Archiv, bei wissenschaftlichen Arbeiten ist ein vom Gebet getragener Dienst, der letztlich gleichfalls Gottesdienst ist. Einen hohen Stellenwert hat für die Benediktinerinnen von St. Walburg seit ehedem das Apostolat der Betreuung der unzähligen Pilger von nah und fern, die in vielfältigen Sorgen und Nöten zum Beten und Bitten, und oft auch zum Danken das Grab der heiligen Walburga aufsuchen. Im Jubiläumsjahr 2010, in dem schon jetzt viele Pilgergruppen und Einzelpilger ihr Kommen angekündigt haben, wird dieser Dienst der Schwestern ganz besonders gefragt sein. Hunderte von Votivbildern aus alter, neuerer und jüngster Zeit bedecken die Wände der Walburgagruft nahezu lückenlos. Sie veranschaulichen den Dank für die am Gnadenort erfahrene Hilfe.

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