Moskau

Metropolit Antonij Sewrjuk

Metropolit Antonij Sewrjuk ist neuer Außenamtschef des Modkauier Patriarchiats.
Metropolit Antonij Sewrjuk tritt die Nachfolge von Metropolit Hilarion an.
Foto: sergei vlasov | Metropolit Antonij Sewrjuk tritt die Nachfolge von Metropolit Hilarion an.

Es sind große Fußstapfen, in die der neue Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, der 37-jährige Metropolit Antonij Sewrjuk, vor wenigen Tagen getreten ist. Sein Vorgänger war der 13 Jahre überaus mächtige, international bestens vernetzte Metropolit Hilarion, dem Freunde wie Gegner hohe Intellektualität und strategischen Machtinstinkt zusprechen. Dessen Vorgänger wiederum war Kyrill Gundjajew, der heute als Patriarch von Moskau und ganz Russland den Kriegskurs seiner Kirche bestimmt. Hatte sich Hilarion bis zur Invasion eher scharfzüngig als Schild und Schwert seines Patriarchen profiliert, so wurde er ab 24. Februar immer stiller – Kyrill selbst dagegen immer lauter. Mit seinem früheren Sekretär Antonij hat sich Kyrill nun einen engen Vertrauten an die Seite geholt. Und der erging sich bei seiner Antrittsrede vor den Mitarbeitern des russisch-orthodoxen Außenamtes auch gleich in einer überschwänglichen Laudatio auf den Patriarchen.

Kyrills neuer Frontmann

Im Ringen des Moskauer Patriarchats mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios um die Führung in der weltweiten Orthodoxie setzt Antonij die scharfkantige Linie seines Vorgängers fort. In Anspielung auf Bartholomaios und dessen Versuch, die gespaltene Orthodoxie in der Ukraine zu versöhnen, sagte Antonij nun in Moskau: „Die Situation im Bereich der inner-orthodoxen Beziehungen ist heute besonders alarmierend.“

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Die Einheit der Kirche sei „ernsthaft bedroht“, und zwar durch jene, die „versuchen, uns eine neue Ordnung der Existenz der Kirche aufzuzwingen“, ja die der Orthodoxie eine „fremde Ekklesiologie aufzwingen“. Damit schließt der neue Außenamtschef an die Vorwürfe Hilarions an, der Bartholomaios ein „papistisches“ Amtsverständnis vorgeworfen hatte.

Spezialisten der Beziehungen

Auch politisch dürfte Antonij bestrebt sein, zwischen sich und Patriarch Kyrill kein Blatt Papier kommen zu lassen. Im Außenamt war er ja einst dessen Assistent, im Patriarchat dessen persönlicher Sekretär. „Wir leben heute unter sehr schwierigen geopolitischen Bedingungen“, warnt er nun im Gleichklang mit Predigten und Ansprachen Kyrills, und das betreffe auch die Kirche, die „ein integraler Bestandteil der Gesellschaft ist“.

Hier stehe die von ihm übernommene „Abteilung für die kirchlichen Außenbeziehungen an vorderster Front dieses Kampfes und verteidigt die Interessen der russisch-orthodoxen Kirche“, so Metropolit Antonij. Weil er das Patriarchat einige Jahre in Italien vertrat, hält er sich selbst für einen Spezialisten der Beziehungen zwischen der russischen Orthodoxie und der katholischen Kirche. Aber auch Hilarion ging im Vatikan ein und aus.

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