Beauraing

Marienerscheinung im belgischen Beauraing

Vor 90 Jahren erschien Maria im belgischen Beauraing – Im Fokus ihrer Botschaft steht die Bekehrung der Sünder.
Heiligtum Beauraing
Foto: Reiter | Die Marienerscheinungen von Beauraing wurden im 20. Jahrhundert kirchlich anerkannt.

Vor 90 Jahren, am Abend des 29. November 1932, erschien in der kleinen wallonischen Gemeinde Beauraing in der Provinz Namur fünf Kindern in Dunkelheit und Kälte an einer Eisenbahnunterführung die Jungfrau Maria. Bis zum 3. Januar 1933 sollte sie sich am selben Ort noch weitere 33 Mal zeigen. „Die Jungfrau Maria erschien genau an diesem speziellen Ort und zu diesem bestimmten Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte, um der ganzen Welt eine Botschaft zu überbringen“, erklärt dazu Pater Stéphane Décisier, Vize-Rektor der Wallfahrtsstätten von Beauraing, und kündigt an, in diesem Jahr mit besonderen kommunikativen Maßnahmen des Ereignisses zu gedenken.

Was ist am 29. November 1932 in Beauraing passiert?

So hat die zuständige Diözese in Namur anlässlich des 90. Jahrestages der Erscheinungen in Beauraing eigens von Quentin Denoyelle einen recht aufwändigen Kurzfilm im Spielfilmmodus mit dem Titel „La visite“ (Der Besuch) produzieren lassen, der auf YouTube veröffentlicht worden ist:


Der Film, untermalt mit einem Chanson von Astrid Le Roux, stellt auf spielerische Weise in Frage, was am 29. November 1932 eigentlich genau in Beauraing passiert ist.

Maria ging über die Eisenbahnbrücke

An jenem Tag vor 90 Jahren, gegen 18 Uhr, baten der Eisenbahnarbeiter Hector Voisin und seine Frau Marie-Louise Perpète Voisin ihre beiden Kinder Fernande (15) und Albert (11), deren 13-jährige Schwester Gilberte Voisin aus dem Internat des Ortes abzuholen. Unterwegs überredeten die beiden noch ihre Freundinnen Andrée Degeimbre und deren Schwester Gilberte Degeimbre, sie zu begleiten. Als Albert Voisin an der Eingangstür des Internats klingelte, das von den Schwestern der christlichen Lehre von Nancy betrieben wurde, drehte er sich um und sah die heilige Jungfrau über die nahegelegene Eisenbahnbrücke gehen, ohne dabei so recht zu verstehen, um wen es sich dabei handelte.

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Seine Schwester und deren Freundinnen folgten seinem ungläubigen Blick und sahen „die schöne Dame“, wie sie sagen, ebenfalls. Als Ordensschwester Valeria kam, um die Tür zu öffnen, berichteten ihr die Kinder von ihren Beobachtungen. Doch weder sah die Nonne, was die Kinder sahen, noch glaubte sie an den „Unsinn“, den sie erzählten. Doch auch Gilberte Voisin sah die heilige Jungfrau. Erschrocken rannten alle Kinder nach Hause und versprachen sich trotzdem, am nächsten Tag zur gleichen Zeit wiederzukommen.

Im weißen, von hellblauen Lichtreflexen durchzogenem Kleid

Und so geschah es: Am 30. November und am 1. Dezember erschien ihnen die selige Jungfrau wieder über der Brücke. Später zeigte sie sich unter einem Zweig des Weißdorns in der Nähe des Eingangstors zum Garten des Internats. An dieser Stelle erschien Maria bis zum 3. Januar 1933 noch weitere dreißig Mal.

Sie trug dabei stets ein langes weißes, von hellblauen Lichtreflexen durchzogenes Kleid. Ihr Kopf war mit einem langen weißen Schleier bedeckt, der bis auf die Schultern fiel. Aus ihrem Haupt traten ebenfalls feine Lichtstrahlen in Form einer Krone hervor. Maria faltete ihre Hände und lächelte. Ab dem 29. Dezember sahen die Kinder dann zwischen ihren geöffneten Armen das Herz der Jungfrau Maria, das golden leuchtet. Aus dieser Beobachtung entstand später der Name des Erscheinungsortes: Notre-Dame de Beauraing, die Jungfrau mit dem Herzen aus Gold.

 „Betet, betet viel"

Am 2. Dezember 1932 fassten die Kinder all ihren Mut zusammen und fragten „die schöne Dame“ unvermittelt: „Was wollen Sie von uns?“ Daraufhin sprach Maria dort zum ersten Mal und antwortete: „sehr brav zu sein.“ Am 8. Dezember schließlich gerieten die Kinder für eine Viertelstunde in eine Art Ekstase. „Sie war schöner denn je“ berichteten sie hinterher übereinstimmend über ihre Erlebnisse. Am 17. Dezember bat Maria um den Bau einer Kapelle am Ort. Am 21. Dezember antwortete sie auf die Frage: „Sagen Sie uns, wer Sie sind!“ „Ich bin die Unbefleckte Jungfrau.“

Jedes Mal entfernte sie sich gleich wieder. Am 23. Dezember fragten die Kinder: „Warum kommen Sie hierher?“ Die Ankündigung Mariens sollte sich bald darauf bewahrheiten: „Damit hierher gepilgert wird!“ Doch erst ab dem 30. Dezember offenbarte Maria die eigentliche Botschaft: „Betet, betet viel.“ Am 1. Januar 1933 hieß es dann: „Betet immer.“ Am 3. Januar schließlich vertraute Maria den drei Jüngsten der Seher ein Geheimnis an.

Die schöne Dame lüftet ihr Geheimnis

Bei ihrer letzten Erscheinung in Beauraing versprach sie: „Ich werde Sünder bekehren“ und offenbarte sich dabei vollständig: „Ich bin die Mutter Gottes, die Königin des Himmels. Liebt ihr meinen Sohn? Liebt ihr mich? Also opfert euch für mich auf. Adieu.“  1935 begann eine von Bischof Thomas-Louis Heylen aus Namur eingesetzte Kommission, die Ereignisse zu untersuchen.

Die Echtheit der von den Kindern beschriebenen Erscheinungen und deren Folge wurde am 2. Juli 1949 von Monsignore André-Marie Charue, Bischof von Namur, anerkannt. Die jüngste Seherin, Gilberte Degeimbre, verstarb am 10. Februar 2015. Noch kurz vor ihrem Tod hat sie ihre Erlebnisse detailliert beschrieben. Auch dieser Film ist auf YouTube zu sehen:

Am 18. Mai 1985 stattete Papst Johannes Paul II. Beauraing einen Besuch ab. Bis heute ist die Marienverehrung an diesem Ort lebendig.


Das Programm zum 90. Jahrestag der Marienerscheinung von Beauraing am 29. November 2022:
11 Uhr: Pontifikalamt mit Bischof  Lode van Hecke, Bischof von Gent
15 Uhr: Meditation
16.45 Uhr: Vesper
17.45 Uhr: Marienprozession auf dem Weg der Seher
18.30 Uhr: Rosenkranz
19 Uhr: Messe des Dekanats Beauraing

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