PATER FRANZ REINISCH SAC.

„Märtyrer des Gewissens“

Vor 75 Jahren starb der Pater Franz Reinisch SAC unter dem Fallbeil
„Märtyrer des Gewissens“
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Wien (DT/KAP) „Er realisierte die Widerstandskraft des Glaubens gegenüber barbarischen Systemen der Menschenverachtung und der Gottlosigkeit“: So beschreibt der Linzer Bischof Manfred Scheuer in einem neuen Buch über Glaubenszeugen im Nationalsozialismus den Lebensweg des österreichischen Pallottinerpaters Franz Reinisch (1903–1942). Am Montag jährt sich der Todestag des Ordensmannes, der als einziger katholischer Priester bei der Einberufung zur deutschen Wehrmacht den Fahnen- und Treueeid auf Adolf Hitler verweigerte und dafür vom NS-Regime hingerichtet wurde, zum 75. Mal.

Reinisch sei ein „Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch“ und „Anwalt der Gewaltlosigkeit und des Friedens“, so Bischof Scheuer in seinem dieser Tage im Tyrolia-Verlag erschienenen Buch „Kraft zum Widerstand“ über den Ordensmann, der oft als „Märtyrer des Gewissens“ bezeichnet wird. Neben Reinisch sind in dem Buch neun weitere Personen porträtiert, die aus ihrem Glauben heraus Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet haben, unter ihnen Franz Jägerstätter, Carl Lampert, Kardinal Clemens August von Galen oder Angela Autsch.

Franz Reinisch stammte aus Feldkirch in Vorarlberg und wuchs in Bozen, Bruneck und Innsbruck auf. 1928 zum Priester geweiht, trat er noch im selben Jahr in das Pallottinerkloster Untermerzbach bei Bamberg ein. Der Ordensmann war ein entschiedener Gegner der Nazis, der in seinen Ansprachen offen die Unvereinbarkeit des christlichen Glaubens mit dem NS-Regime thematisierte. Im September 1940 verhängte die Gestapo gegen ihn ein Rede- und Predigtverbot im ganzen Reichsgebiet. Unter anderem hatte Reinisch in einer Predigt Hitler und dessen Schergen indirekt als „Teufel mit seinem Anhang“ bezeichnet. Der totalitäre NS-Staat war für ihn eine antichristliche Macht, gegen die sich ein gläubiger Christ wehren musste.

Die Einberufung Reinischs zur Wehrmacht konnte der Orden zweimal verhindern. Beim dritten Mal forderten ihn seine Oberen auf, den Fahneneid zu leisten, doch der Pallottiner ließ sich nicht umstimmen: „Ich kann als Christ und Österreicher einem Mann wie Hitler niemals den Eid der Treue leisten.“ Schon seit 1934 mussten die Wehrmachtssoldaten eine Eid mit neuem Wortlaut sprechen: Nicht mehr „Volk und Vaterland“ wurde Treue geschworen, sondern „dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes“. Um die Nostalgiker eines christlichen Abendlands zu gewinnen, hatte Hitler keine Skrupel, „bei Gott diesen heiligen Eid“ schwören zu lassen.

Am 15. April 1942 traf Reinisch, absichtlich einen Tag später als angeordnet, in der Kaserne in Bad Kissingen ein und weigerte sich, den Fahneneid zu leisten. Er wurde verhaftet und kurz darauf in das Gefängnis Berlin-Tegel, später dann nach Brandenburg an der Havel überführt. Das sogenannte „Reichskriegsgericht“ verurteilte ihn zum Tod. Am 21. August 1942 wurde der 39-jährige Priester in Brandenburg hingerichtet.

Seine letzte Ruhe fand Reinisch nach Kriegsende in einem Urnengrab neben der Wallfahrtskapelle von Schönstatt in Vallendar im deutschen Rheinland-Pfalz – als enger Mitarbeiter des Gründers der Schönstatt-Bewegung, Josef Kentenich (1885–1968). Seit 2013 läuft in der deutschen Diözese Trier ein Seligsprechungsverfahren.

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