Liebe geht durch die Hände

Wie Magnus MacFarlane-Barrow mit der Hilfsaktion Marys Meals Gebetsgemeinschaften ins Leben gerufen hat. Von Barbara Stühlmeyer
Haiti- 6 months on from Earthquake
Foto: Marys Meals | Wer sich bekehrt, hat mehr vom Leben. Diese Erfahrung will Magnus MacFarlane-Barrow teilen.

Magnus MacFarlane-Barrow ist einer der wenigen Katholiken in seiner schottischen Heimat. Geboren in Dalmally, einem kleinen Ort in den Highlands im Council Aerea Argyll and Bute wuchs er in einer Familie auf, die ihren Glauben in strengster Diaspora lebte. Wie viel es den Eltern und ihren Kindern bedeutete, katholisch zu sein zeigt, wie aufmerksam sie für Nachrichten über das Leben ihrer Kirche waren und welch weite Wege sie auf sich nahmen, um gemeinsam mit anderen zu singen und zu beten. Das religiöse Leben der Familie ruhte auf zwei Säulen, dem täglichen gemeinsamen Gebet, darunter dem Rosenkranz, der Magnus MacFarlane-Barrow, der eine lebendige Marienverehrung pflegt, sehr wichtig ist und dem Beten und Singen mit ihren Glaubensbrüdern und -schwestern, sei es bei der sonntäglichen Eucharistiefeier oder bei den Wallfahrten, die Eltern und Kinder unternahmen, um die Perspektive der weltweit wirksamen katholischen Kirche leibhaftig zu erleben.

Dass Neuevangelisierung auch in der Familie von unten nach oben funktionieren kann, erzählt Magnus MacFarlane bis heute immer wieder gern. Denn der Wandel zu einem intensiveren religiösen Leben setzte ein, nachdem er und seine Geschwister eine Wallfahrt nach Medjugorje unternommen hatten „Nachdem wir zurückgekehrt waren, haben wir begonnen, zu fasten und zu beten“, berichtet MacFarlane. Dabei haben die Kinder die Eltern angesteckt. Und ihr geistliches Leben hat auch ihr weltliches verändert. Denn ganz ähnlich wie die Christen der frühen Kirche hatten sie außerdem das natürliche Bedürfnis, dort zu helfen, wo Not am Mann war – eine notwendige Grundhaltung, wenn man in den Highlands lebt, wo einer auf den anderen angewiesen ist.

Magnus ergriff die Initiative, nachdem er eines Tages die Berichte über den Bosnienkrieg gesehen hatte. Der junge Mann rief die Menschen in seinem Ort dazu auf, Spenden abzugeben, die er und sein Bruder in einem kleinen Schuppen sammelten, den ihr Vater gerne dafür zur Verfügung gestellt hatte.

Als sie eine Wagenladung mit Decken und Kleidung zusammen hatten, fuhren Magnus und sein Bruder los, quer durch Europa bis in eines der Flüchtlingslager und gaben ihre Spende dort ab. Nach Schottland zurückgekehrt wollten sie eigentlich wieder ihrer Arbeit als Fischer nachgehen. Aber dann kam alles anders. Denn die Schotten, über deren sprichwörtlichen Geiz man so viele Witze macht, hatten in ihrer Abwesenheit so viel gespendet, dass sie gleich wieder losfuhren, um die nächste Ladung an Hilfsgütern auf den Balkan zu bringen. Dass MacFarlane heute Leiter einer Hilfsorganisation, Scottisch International Relief, ist, führt der Schotte weniger auf seine Talente zurück als vielmehr darauf, dass der Glaube sprichwörtlich Berge versetzt. „Gott scheint generell die eigentümliche Eigenschaft zu haben, nicht immer die Qualifizierten zu berufen“, sagt er. „Die Apostel, die Jesus um sich scharte, waren in den Augen der Welt eine seltsame Wahl und nicht in irgendeiner offensichtlichen Form für diesen Job qualifiziert.“ MacFarlane weiß, wovon er spricht, wurde er doch selbst vom Fischer zum Leiter einer weltweit operierenden Organisation.

2002 entstand als Antwort auf die Hungersnot in Malawi Mary?s Meals. Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Schulspeisungen in besonders armen Regionen zu organisieren. Der Name ist natürlich kein Zufall, denn Magnus MacFarlane-Barrows Liebe zur Gottesmutter legte ihn nahe. Ihr Leben ist für Magnus das beste Beispiel dafür, wie man den Glauben weitergeben kann – durch das stille, vom Gebet getragene Vorbild des täglichen Tuns, das die Grundlage jeder Neuevangelisierung sein sollte. Das Konzept von Mary?s Meals ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Die Hilfsorganisation stiftet der jeweiligen Schule die Ausstattung für eine Küche, ein Stück Land, auf dem sie stehen kann und dann sind die Menschen vor Ort gefragt. Lehrer und Eltern der Schule überlegen gemeinsam, wer den Kochdienst übernehmen kann. Gekauft wird nur bei örtlichen Anbietern, sodass die heimische Wirtschaft gestärkt wird. Mary?s Meals wiederum gibt einen Einführungskurs in kostengünstige und gesunde Ernährung.

Für die Kinder der Armen sind die Schulküchen der Initiative wichtige Anziehungspunkte, um überhaupt eine Ausbildung zu beginnen. Denn hier erhalten sie jeden Tag eine warme und nahrhafte Mahlzeit. In Wirklichkeit bekommen sie aber noch viel mehr. Sie lernen lesen, schreiben, rechnen und erfahren durch die Arbeit von Magnus MacFarlane-Barrow und seinen Mitarbeitern, dass ihr Leben eine Perspektive hat. Und sie lernen, obwohl Mary?s Meal nicht bewusst missioniert, auch etwas darüber, dass es sein katholischer Glaube ist, der Magnus antreibt.

Nach Malawi startete Magnus das Backpack Project, das Unterstützer darum bittet, einen Schulrucksack mit Heften, Stiften, Flipflops und einem T-Shirt für jeweils ein Kind in Malawi zu finanzieren. Auch in Somalia, Haiti, Burma und Bangladesch wurde die Hilfsorganisation aktiv. Dass der junge Schotte selbst noch ein Kind war, als er die entscheidende Begegnung mit der Gottesmutter hatte, die sein Leben veränderte, motiviert auch andere Kinder, bei Mary?s Meals mitzumachen. 2011 gründete sich deshalb in seiner Heimat Argyll die Initiative Charity Children.

Für Magnus ist das alles kein Zufall. Denn er hat nicht vergessen, dass seine Geschichte damals mit einer Pilgerfahrt begann, die seine Familie grundlegend verändert hat. Das vormalig als Familienbetrieb geführte Hotel wurde in ein Exerzitien- und Gebetshaus umgewandelt. „Nun kommen viele Menschen hierher, um zu beten und mehr über den Ruf der Muttergottes zu erfahren“, berichtet er und fährt fort: „Das Haus ist zu einem Ort geworden, an dem Menschen zusammenkommen und die Botschaft Unserer Lieben Frau leben können.“ Es bildet nun einen wichtigen Brennpunkt für die Arbeit von Magnus MacFarlane-Barrows. Denn ohne das Gebet wäre Mary?s Meals nicht entstanden und auch nicht zu einer solchen weltweiten Erfolgsgeschichte geworden. MacFarlanes Schwester Ruth bekräftigt: Wir leben als Teil einer Gebetsgemeinschaft. Wann immer wir unterwegs sind, wenn wir beispielsweise Malawi besuchen, bleiben andere Mitglieder unserer Gemeinschaft und Familien zuhause. Sie alle beten für uns, stehen fürbittend für uns ein und wir werden dadurch sehr gestärkt. Es ist ein immenses Privileg, auf diese Weise zu arbeiten und den Armen mit dem wenigen, das wir tun, zu dienen und ich danke Gott immer wieder dafür.“

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