ERIK PETERSON.

Kompromissloser Gottsucher

Ein Symposion befasst sich mit dem Konvertiten Erik Peterson

Rom (DT) Das Patristische Institut „Augustinianum“ in Rom hat in einem Symposium anlässlich des 50. Todestages des Konvertiten Erik Peterson (1890–1960) dessen Beitrag zur Theologie beleuchtet. Höhepunkt des Symposiums war die Privataudienz der Teilnehmer bei Papst Benedikt XVI. am 25. Oktober, bei der auch die Kinder und Enkel Petersons anwesend waren.

Wer war Erik Peterson? „Ich bekenne aber, dass, wenn ich zu wählen hätte, ob ich dem Gesetz menschlicher Lehrmeinungen und den Schulüberzeugungen der Professoren gehorchen wolle oder dem Dogma der Kirche, ich mich ohne langes Besinnen für das letztere entscheiden würde.“ Diesen Satz schrieb Erik Peterson, Professor an der evangelischen theologischen Fakultät der Universität Bonn, 1925 in seinem Traktat „Was ist Theologie?“. Mit diesem Werk schuf er eine Kluft zwischen sich und der liberalen protestantischen Theologie, die durch seine drei Jahre später erschienene Schrift „Die Kirche“ noch vertieft wurde. Dies bedeutete einen Einschnitt im Leben des aufstrebenden Professors, der zuvor in Göttingen an der Seite von Karl Barth gelehrt hatte und durch seine Habilitationsschrift „Heis Theos. Epigraphische, formgeschichtliche und religionsgeschichtliche Untersuchungen“ auch internationale akademische Anerkennung erhalten hatte. Peterson geriet immer mehr in die Isolierung und beantragte schließlich – mit 39 Jahren – seine Emeritierung.

Kurz darauf, zu Weihnachten 1930, konvertierte er in der Peterskirche in Rom zum katholischen Glauben. Er zog damit die persönlichen Konsequenzen aus seiner theologischen Auseinandersetzung mit der Kirche und folgte – wie einst Kardinal Newman – seinem persönlichen Gewissen.

Nach seiner Konversion begann ein steiniger, von großen Entbehrungen geprägter Lebensweg. 1933 heiratete er die Römerin Matilde Bertini und ließ sich mit ihr und den fünf Kindern, die aus der Ehe hervorgingen, in der Ewigen Stadt nieder. In Vortragsreisen im deutschsprachigen Raum machte er keinen Hehl aus seiner Kritik am nationalsozialistischen Regime; es entstanden Schriften wie „Die Kirche aus Juden und Heiden“, „Was ist der Mensch?“ und „Zeuge der Wahrheit“.

In Rom lebte er mit seiner Familie in beengten Verhältnissen, zunächst ohne festes Einkommen. Von 1942 bis 1946 konnte er einen Lehrauftrag am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie (PIAC) wahrnehmen, der 1947 in eine außerordentliche Professur umgewandelt wurde. Die Bezahlung war jedoch gering und sein Leben sowie das seiner Familie entsprechend entbehrungsvoll. Von Mühen und Krankheit gezeichnet starb Peterson am 26. Oktober 1960 in seiner Geburtsstadt Hamburg, kurz nachdem ihm die Ehrendoktorwürde der Universitäten Bonn und München verliehen worden war. Sein Grab befindet sich auf dem römischen Friedhof „Campo Verano“.

Dass Petersons Werk heute neu erschlossen wird, ist vor allem Kardinal Karl Lehmann zu verdanken, der 1986 der Doktorandin Barbara Nichtweiß die Aufgabe anvertraute, seinen Nachlass an der Universität Turin zu sondieren. Ihre Forschungsergebnisse wurden 1992 veröffentlicht: „Erik Peterson. Neue Sicht auf Leben und Werk“. Nichtweiß ist auch die Gesamtherausgeberin der „Ausgewählten Schriften“ Erik Petersons, die zurzeit im Echter-Verlag erscheinen. Lehmann hob die Mitarbeit vieler katholischer und evangelischer Theologen an dieser Ausgabe hervor; es müsse „möglich sein, neu von beiden Seiten her auf Erik Peterson zuzugehen“. Peterson selbst schrieb zwei Jahre nach seiner Konversion: „Ich habe zu verstehen und nicht zu verurteilen versucht... Ich hoffe, dass man auf protestantischer Seite erkennen wird, dass ich mich gehütet habe, irgendetwas Verletzendes gegen die evangelische Seite zu sagen. Ich weiß mich von allem Ressentiment frei.“ Letztlich, so Lehmann, gehe es um „eine gemeinsame Umkehr zu einem entschiedenen Christsein“.

Peterson suchte stets kompromisslos nach der theologischen Wahrheit, wie aus dem Symposium hervorging: Barbara Nichtweiß und der Paderborner Patrologe Hubertus Drobner präsentierten Petersons Denken auf dem Hintergrund der zeitgenössischen Theologie und Patristik, der Madrider Jesuit Gabino Uribarri SJ seine Theologie der Auferstehung. Um Exegese ging es bei dem Bochumer Neutestamentler Thomas Söding, Giuseppe Segalla (Padua), Romano Penna (Rom) und Hans-Ulrich Weidemann (Siegen). Jörg Frey (Zürich) sprach über Peterson und das Judenchristentum und Gerard Rouwhorst (Utrecht/Tilburg) über jüdische liturgische Elemente. Mit Petersons Verhältnis zur Gnosis setzte sich Christoph Markschies auseinander, während Giulia Sfameni-Gasparro das Thema „Erik Peterson und der Enkratismus“ behandelte. Stefan Heid sprach über „Zeugnis und Martyrium bei Peterson“ und der Liturgiewissenschaftler Michael Kunzler über Petersons Bedeutung für die Theologie des Gottesdienstes nach dem Zweiten Vatikanum. Zwei der Vorträge – Paolo Siniscalco (Rom/Loppiano) und Michele Nicoletti (Trient) – waren Petersons Traktat „Der Monotheismus als politisches Problem“ und seiner kritischen Auseinandersetzung mit Carl Schmitts „politischer Theologie“ gewidmet.

Der Christ hat die wahre Heimat nicht in dieser, sondern in der kommenden Welt, er ist in dieser Welt ein „Außenseiter“, es im Titel des Symposions („Präsenz eines Außenseiters“) heißt. Wie sehr dieser Aspekt in Petersons Leben zum Tragen kam, wurde vor allem in den Vorträgen im Rahmen des Festakts am „Campo Santo“ deutlich – in dem bereits erwähnten von Kardinal Lehmann, aber auch bei denen von Stefan Heid und Pius Engelbert OSB (Rom) über Petersons Stellung im akademischen Leben der Stadt Rom. Kardinal Raffaele Farina betonte in seinem Eröffnungsvortrag zum Festakt den Aspekt der „paroikia“, der den Christen in der Welt stets heimatlos und fremd sein lässt.

1951 las Joseph Ratzinger als junger Kaplan die „Theologischen Traktate“ Erik Petersons, zu denen auch die eingangs erwähnte Schrift „Was ist Theologie?“ gehört. Petersons Denken hinterließ einen bleibenden Eindruck bei ihm. In seiner Ansprache während der Audienz für die Teilnehmer am Symposium sagte er: „An ihm habe ich wesentlich und tiefer gelernt, was eigentlich Theologie ist, und eben auch diese Bewunderung dafür gehabt, dass hier nicht nur Gedachtes gesagt wird, sondern dass dieses Buch Ausdruck eines Weges, die Passion seines eigenen Lebens war.“ Weiter sagte der Papst: „,Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir‘ (Hebr 13, 14). Dieses Zitat könnte man als Leitwort über das Leben von Erik Peterson setzen. Er fand eigentlich zeit seines Lebens keinen rechten Platz, wo ihm Anerkennung und Sesshaftigkeit beschieden worden wäre. ... Er ist aus der sicheren Geborgenheit eines Lehrstuhls ins Ungeborgene, ins Unbehauste hinausgetreten und sein ganzes Leben lang ohne sicheren Grund und ohne sichere Heimat geblieben, wirklich unterwegs mit dem Glauben und für den Glauben – in dem Vertrauen, dass in diesem unbehausten Unterwegssein er auf eine andere Weise zu Hause ist und immer zugeht auf die himmlische Liturgie, die ihn berührt hatte.“

Erik Peterson war Theologe, Patrologe, Konvertit und Familienvater. Vor allem aber war er ein aufrichtiger Christ, für den Theologie nur eines bedeutete: die kompromisslose Suche nach Gott.

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