Kirche

Katholische Diakoninnen?

Diakonat der Frau: Spätestens mit dem 2. Vatikanum ist das unmöglich. Von Karl-Heinz Menke
Weihe von Frauen zu Diakoninnen
Foto: KNA | In der Alt-Katholischen Kirche gibt es Diakoninnen. Bischof Matthias Ring weihte am 24. Juni 2017 drei Frauen zu alt-katholischen Diakoninnen in der Namen-Jesu-Kirche in Bonn.

In der Regel geht die Forschung von zwei bis in die apostolische Zeit zurückreichenden Verfassungen der ersten christlichen Gemeinden aus. Da ist einerseits die im Judenchristentum verortete „Presbyterverfassung“ und andererseits die im „Heidenchristentum“ angesiedelte Leitung durch Episkopen und Diakone (etwa Phil 1,1). Meistens wird diese Dualität kulturgeschichtlich aus Strukturen der Synagoge beziehungsweise der griechischen Polis erklärt. Die Mehrzahl der Forscher vermutet ein allmähliches Zusammenwachsen beider Ordnungen. Man darf vermuten, dass in Städten, in denen es mehrere Hausgemeinden gab, die Leiter zunächst im Plural entweder Presbyter oder Episkopen (Phil 1,1) genannt wurden. Aber schon in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts ist der Leiter einer Ortskirche (in der Regel einer Stadtgemeinde) der eine Episkopos, dem eine Gemeinschaft von Presbytern und Diakonen zugeordnet ist. Wie es so schnell zur flächendeckenden Durchsetzung des Monepiskopates und der Ämtertrias von Bischof, Presbyterkollegium und Diakonen kam, ist aufgrund der Quellenlage nicht hinreichend zu klären. Selbst wenn man die Briefe des Ignatius von Antiochien nicht mehr in die Zeit des Kaisers Trajan datiert, dokumentieren sie eine erstaunlich rasche Entwicklung hin zur triadisch strukturierten Gemeindeleitung unter einem einzigen Bischof.

Ursprünge der Ämtertrias Bischof-Priester-Diakon

Im Osten wird die Ignatianische Hierarchie dokumentiert durch die syrische Didaskalie und die auf ihr basierenden Apostolischen Konstitutionen. In diesen Dokumenten kommt dem Bischof das Recht zu, Presbyter und Diakone zu erwählen. Etwa zur selben Zeit entsteht im Westen die dem hl. Hippolyt († 235) zugeschriebene Traditio Apostolica; sie unterscheidet zwischen den Riten der Bischofs-, der Presbyter- und der Diakonenweihe. Diese Unterscheidung bezeichnet – weder im Osten noch im Westen – drei unterschiedliche ,Ordines‘ beziehungsweise ,Ordo-Sakramente‘. Vielmehr vermittelt die Bischofsweihe die Gnadengabe der Leitung im umfassenden Sinn. Und die Presbyter erhalten in Unterordnung unter den Bischof daran Anteil. Und auch die Diakone, obwohl sie, wie es dort ausdrücklich heißt, keinen Sitz im Rat des Bischofs oder im Kreis der Konzelebranten haben und die Eucharistie nur austeilen dürfen, bilden eine Gestalt der sakramentalen (die Autorität Christi gegenüber der Kirche vergegenwärtigenden) Ämtertrias.

Die Unterordnung des Presbyters unter den Bischof ist in der frühen Kirche unbestritten. Mit der Zuschreibung von Landgemeinden zu einer von einem Bischof geleiteten Stadtgemeinde erhalten die Presbyter im Unterschied zu den Diakonen ein zunehmendes Eigengewicht. Auf diese Weise wird augenfällig: die Priester besitzen die Konsekrationsvollmacht; die Diakone jedoch nicht. Sie erscheinen als Gehilfen, die aufgrund ihrer Weihe kein Sakrament spenden können, das nicht jeder entsprechend befugte Christ auch spenden könnte.

Während im Osten die sakramentale Bestimmung nicht nur der Einheit, sondern auch der Verschiedenheit von Bischof, Presbyter und Diakon ungebrochen weiter tradiert und durch die neuplatonische Denkweise (hierarchisch sich ausdifferenzierende Einheit) des Pseudo-Dionysius-Areopagita theologisch untermauert wurde, kam es im Westen aufgrund der exegetischen Autorität des Hieronymus (a) zu einer sakramentalen Identifikation von Bischof und Presbyter, und (b) zu einer Ausgliederung des Diakonates aus dem sakramentalen Ordo und – damit verbunden – (c) zu einer verhängnisvollen Trennung der rechtlichen von der sakramentalen Ordnung der Kirche; genauerhin zu der These, dass nicht das Sakrament des Ordo, sondern der Papst als Inhaber aller Jurisdiktionsgewalt die Rangunterschiede der Empfänger des Ordo-Sakramentes bestimmt.

Zu einer nachhaltigen Klärung des Verhältnisses von sakramentaler und rechtlicher Hierarchie, von Weihe- und Jurisdiktionsgewalt, kam es erst im Gefolge der Reformation. Denn die Reformatoren provozierten durch ihre Leugnung des Unterschiedes zwischen dem besonderen Priestertum der Ordinierten und dem gemeinsamen Priestertum aller Getauften die Behandlung der Frage, ob schlechthin alle Rangunterschiede innerhalb der Kirche nur auf positivem (veränderlichem) Recht beruhen. Unter den Konzilsvätern von Trient war unstrittig, dass es eine sakramentale Repräsentation der Differenz Christi zur Kirche, des Gegenübers des Hauptes zum Leib, des ,Voraus‘ des Erlösers gegenüber den Erlösten gibt. Unstrittig war auch, dass die Eucharistiefeier die sakramentale Vergegenwärtigung des Erlösungsopfers Christi ist, und dass die Kirche sich stets neu aus der sakramentalen Vergegenwärtigung der Selbstverschenkung des Erlösers empfängt. Unklar aber war, ob das Sakrament des Ordo nur der sakramentalen Vergegenwärtigung der Erlösung oder auch der Ordnung der Kirche dient; ob Priester sich nur aus Gründen der Ordnung oder auch sakramental von den Bischöfen unterscheiden; und ob die Diakonenweihe nur eine Einrichtung der Kirche oder eine Stufe des Ordo-Sakramentes ist.

Bei der Beantwortung dieser Fragen standen sich auf dem Konzil von Trient zwei Parteien gegenüber: Auf der einen Seite stand die kuriale beziehungsweise papale Partei, repräsentiert vor allem von den italienischen Konzilsvätern. Ihre Grundthese: Alle Jurisdiktionsgewalt in der Kirche liegt aufgrund göttlicher Anordnung („iure divino“) beim Papst. Denn die Kirche ist, wenn auch in Ortskirchen gegliedert, eine einzige; also bedarf es einer höchsten Gewalt, von der in Gestalt von Delegationen alle untergeordnete Leitung abhängt. Unter dieser Voraussetzung unterscheiden sich Bischöfe von Priestern nicht in Bezug auf die empfangene Weihe-, sondern nur in Bezug auf die vom Papst erhaltene Jurisdiktionsgewalt. Also betrachtet die papale Partei – mit Berufung auf Hieronymus und eine lange kanonistische Tradition – die Bischofsweihe nicht als Sakrament, sondern lediglich als liturgisch zelebrierte Übertragung der vom Papst übertragenen Jurisdiktion in einer bestimmten Diözese.

Auf der anderen Seite standen vor allem spanische Konzilsväter. Sie betonten, dass der Bischof seine Leitungsgewalt nicht vom Papst empfängt, sondern durch die Bischofsweihe. So gesehen setzt die Leitungsgewalt des Bischofs der Leitungsgewalt des Papstes Grenzen; denn sie wird ja nicht vom Papst, sondern im Sakrament der Bischofsweihe unmittelbar durch Christus übertragen.

Stadien der Überwindung von Weihe und Jurisdiktion

Auf mehr als einen Kompromiss konnten sich die in Trient streitenden Parteien nicht einigen. In can. 7 des entsprechenden Dekretes wird gesagt, dass die Bischofsweihe mehr Weihegewalt überträgt als die Priesterweihe. Also haben die spanischen Konzilsväter wenigstens dies erreichen können, dass die Bischofsweihe mehr als ein liturgisch eingekleideter Ritus ist. Mit anderen Worten: Die Überordnung des Bischofs über die Presbyter trägt nicht nur rechtlichen („iure ecclesiastico“), sondern auch sakramentalen („iure divino“) Charakter. Doch von einem Sieg der Spanier über die Italiener kann man deshalb nicht sprechen. Ganz im Gegenteil: Die zentrale Streitfrage, ob die Bischofsweihe nicht nur mehr Weihegewalt als die Priesterweihe, sondern auch die Jurisdiktionsgewalt über die jeweilige Diözese überträgt, wurde im Sinne der papal-kurialen Partei entschieden.

Erst als katholische Theologen sich im 19. Jahrhundert auf die Ekklesiologie der Väter besannen und die Kirche als den „mystischen Leib Christi“ erklärten, kam es zur endgültigen Überwindung des Dualismus zwischen Weihe- und Jurisdiktionsgewalt. Denn eine Kirche, die als rechtlich geordnete Institution Leib Christi sein will, darf ihre juridische nicht von ihrer sakramentalen Ordnung trennen. In dem am 30.11.1947 promulgierten Lehrschreiben „Sacramentum ordinis“ erklärt Papst Pius XII., dass die Kirche keine Vollmacht hat, die ein für alle Mal festgeschriebene Siebenzahl der Sakramente zu ändern; dass es deshalb nur ein Ordo-Sakrament gibt; dass dieses Sakrament drei Stufen aufweist; und dass diese Stufen eine Ordnung begründen, die nicht verändert werden kann.

Wie schon in den Ignatianischen Gemeinden der frühen Kirche und wie durchgängig in der Tradition der russischen und griechischen Orthodoxie, so wird nun auch in einem päpstlich approbierten Dokument die Diakonenweihe neben der Bischofs- und der Priesterweihe als eine Gestalt des einen Ordo-Sakramentes bezeichnet. Es gibt – so folgert das Zweite Vatikanische Konzil – die sakramentale Repräsentation Christi gegenüber der Kirche durch die Bischöfe gemeinsam mit den Priestern und Diakonen (LG 20–22; 28–29).

Die beiden einzigen Bibelstellen (Röm 16,1; 1 Tim 3,11), die faktisch als Belege für einen weiblichen Diakonat schon in neutestamentlicher Zeit interpretiert worden sind, können den Beweis eines weiblichen Diakonates in neutestamentlicher Zeit nicht tragen. Abgesehen davon, dass die Schriften des NT das Wort ,Diakon‘ noch nicht amtsspezifisch verwenden, fehlen in unmittelbar nachneutestamentlicher Zeit Belege für einen weiblichen Diakonat.

Die Existenz von Diakoninnen ist im Osten (außer in Ägypten und Äthiopien) ab dem 3. bis zum 10. Jahrhundert, im Westen ab dem 6. bis ins 13. Jahrhundert hinein bezeugt. Im Westen gab es Diakoninnen erst ab dem 6. Jahrhundert. Ihre Ordination erfolgte mit Rekurs auf die Aufnahmeriten in den Witwenstand der frühen Kirche. Zum Klerus wurden Diakoninnen weder im Osten, noch im Westen gezählt. Und verschwunden ist der weibliche nicht aufgrund eines Dekretes, sondern weil andere Institutionen (im Westen vor allem karitativ tätige Frauenorden) an seine Stelle getreten sind. Die in den letzten Jahren mehrfach erfolgte Aufarbeitung der Geschichte des weiblichen Diakonates lässt erkennen: Das Diakoninnenamt stellt sich im historischen Rückblick als ein äußerst komplexes, geografisch und zeitlich sehr verschieden ausgeprägtes Phänomen dar. Aber da, wo die Weihe von Diakoninnen unter Handauflegung und Epiklese analog zur Diakonenweihe gestaltet wurde, erlauben die historischen Befunde es nicht, von einer Gleichrangigkeit beider Ordinationen zu sprechen. Wie groß auch die äußere Ähnlichkeit mit der Weihe der männlichen Diakone gewesen sein mag, so ist die Diakonin doch kein Diakon. Bedenkenswert ist vor allem der ausdrückliche Ausschluss der Diakonin von jeglichem liturgischen Altardienst, von der öffentlichen Ausübung des Verkündigungsdienstes und von der feierlichen Taufspendung. Die Gründe hierfür liegen im Ausschluss der Frau vom Amtspriestertum.

Schon Ende des zweiten Jahrhunderts ist die sakramentale Repräsentation des ,Voraus‘ Christi vor und gegenüber seiner Kirche eine Trias: nämlich die von Bischof, Presbytern und Diakonen. Weil Hieronymus (347–420) von sakramentaler Gleichrangigkeit (potestas ordinis) trotz rechtlich geregelter Unterschiedenheit (potestas iurisdictionis) zwischen Bischöfen und Presbytern spricht, wurde die Diakonenweihe – wenn sie denn überhaupt Gegenstand theologischer Reflexion war – nicht mehr als eine Stufe des einen Ordo-Sakramentes betrachtet. Durch die Reformation wurde die Kirche gezwungen, den seit Hieronymus fortgeschriebenen Dualismus zwischen sakramentaler („potestas ordinis“) und rechtlicher Ordnung („potestas iurisdictionis“) der Kirche zu überwinden. Zugleich warfen exegetische und patristische Studien die Frage auf, wie sich die drei im Neuen Testament genannten Dienste von Episkopen, Presbytern und Diakonen zu den kirchlichen Ämtern der Gegenwart verhalten. Spätestens mit dem am 30. November 1947 von Papst Pius XII. promulgierten Dokument „Sacramentum ordinis“ und den entsprechenden Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils ist klar: Wer das Sakrament des Ordo empfängt, erhält nicht nur eine Gabe oder Begabung, sondern wird zugleich eingewiesen in eine Ordnung.

Zum Ausschluss der Frau vom Weihesakrament

Ausdrücklich sagt die Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Jurisdiktion der Bischöfe: „Diese Vollmacht, die sie im Namen Christi persönlich ausüben, ist die eigene, ordentliche und unmittelbare, auch wenn ihr Vollzug letztlich von der höchsten Autorität der Kirche geregelt wird und im Hinblick auf den Nutzen der Kirche oder der Gläubigen mit bestimmten Grenzen umschrieben werden kann“ (LG 27). Und von den Priestern wird gesagt, dass sie dasselbe Sakrament des Ordo empfangen – allerdings so, dass sie ihr sacerdotium nur in der Weise der Unterordnung unter ihren Bischof beziehungsweise als dessen Repräsentanten realisieren können. Sie „sind, obwohl sie die Bischofswürde nicht haben und in der Ausübung ihrer Vollmacht von den Bischöfen abhängen, dennoch mit ihnen in der priesterlichen Ehre verbunden und werden kraft des Sakraments der Weihe […] zum Verkündigen des Evangeliums, zum Leiten der Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes geweiht“ (LG 28). Sie repräsentieren Christus in der Weise der Repräsentation ihres Bischofs. Analog die Diakone. Sie erhalten mit dem Empfang des Ordo-Sakramentes zwar keinen Anteil am sacerdotium des Bischofs und des Priesters, werden aber durch ihre Weihe ermächtigt, das ,Voraus‘ Christi vor und gegenüber der Kirche sakramental zu repräsentieren (LG 29) – nicht in der Weise, in der das Haupt den Leib beherrscht, sondern in der Weise der dienenden Wegbereitung.

Wäre die noch im Codex Iuris Canonici von 1917 gelehrte Ausgliederung des Diakonates aus dem Sakrament des Ordo nicht von Pius XII. und den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils korrigiert worden, dann könnte man die Frau zur Diakonenweihe zulassen, ohne damit die Zulassung zum Empfang der Priester- und Bischofsweihe zu verbinden. Die Frage einer Zulassung von Frauen zum Diakonat kann aufgrund der entsprechenden Klärungen des Zweiten Vatikanum nicht von der Frage der Zulassung zur Priester- und Bischofsweihe getrennt werden. Nachdem der Präfekt der Glaubenskongregation am 29.5.2018 den von Johannes Paul II. erklärten Ausschluss der Frau vom Empfang des Ordo-Sakramentes im Namen von Papst Franziskus als unfehlbar und irreversibel qualifiziert hat, kann eine Frau das Sakrament des Ordo auch nicht auf der niedrigsten Stufe empfangen.

Der Autor (68) ist Priester und emeritierter Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. 2017 erhielt er den Joseph-Ratzinger-Preis.

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