Porträt der Woche

Kardinal Michael Czerny SJ ist eines der Gesichter dieses Pontifikats

Erneute Reise in die Ukraine. Kardinal Czerny ist eines der bekanntesten Gesichter des aktuellen Pontifikats. Ein kunstsinniger Kardinal.
Michael Czerny
Foto: Cristian Gennari (Romano Siciliani) | Kardinal Michael Czerny war der Auftraggeber des massiven Kunstwerkes auf dem Petersplatz.

Ob der Papst nicht ganz zufrieden war? Jedenfalls hat Franziskus seinen Kurienkardinal Michael Czerny SJ gleich nochmals in die Ukraine geschickt. Zusammen mit dem vatikanischen Almosenleiter, dem polnischen Kardinal Konrad Krajewski, war Czerny vor über einer Woche auf Geheiß des Papstes aufgebrochen, um den vom Krieg betroffenen Ukrainern an Ort und Stelle des grausamen Geschehens nicht nur die Nähe des Papstes, sondern des ganzen Gottesvolks zum Ausdruck zu bringen, wie Franziskus zu Beginn der Mission seiner Kardinäle sagte. Czerny hielt sich drei Tage im ungarisch-ukrainischen Grenzgebiet auf, setzte auch den Fuß auf ukrainischen Boden, kehrte aber bald zurück. Jetzt muss er erneut ins Kriegsgebiet, um diesmal von der Slowakei aus die Not leidenden Menschen in der Ukraine zu erreichen.

Lesen Sie auch:

Der Mann für das Soziale

Krajewski und Czerny sind – neben dem Papst selbst – so etwas wie die Gesichter dieses Pontifikats. Krajewski kennt man. Er organisiert die handfeste Versorgung von Flüchtlingen und Obdachlosen rund um den Vatikan und in sozialen Brennpunkten Roms. Czerny dagegen arbeitet im Vatikan und blickt auf eine erstaunliche „Karriere“ zurück. Im tschechischen Brünn geboren, in Kanada aufgewachsen und 1964 in den Jesuitenorden eingetreten, war der heute 75-Jährige lange Zeit Fragen der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet. Von 1992 bis 2002 in der Generalkurie der Jesuiten in Rom, wo er sich besonders um die Opfer von Aids in Afrika kümmerte, dann als Assistent von Kardinal Peter Turkson im Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden.

Auftraggeber für massive Skulptur

Als Franziskus 2016 das Dikasterium für die ganzheitlich Entwicklung des Menschen gründete, wurde Czerny dort bald Untersekretär, als Leiter der Abteilung für Migranten und Flüchtlinge. Als solcher gab er die massive Skulptur des Künstlers Timothy Schmalz in Auftrag, die heute auf dem Petersplatz steht und ein von Migranten und Flüchtlingen umgebenes Boot zeigt. Völlig überraschend, im Oktober 2019, machte Franziskus dann den Untersekretär Czerny zum Kardinal. Als solcher leitet er heute – ad interim – das Entwicklungs-Dikasterium, nachdem der bisherige Präfekt, Kardinal Turkson, zu Beginn dieses Jahres seinen Sessel räumen musste.

Auch als Kardinal wollte Czerny zeigen, wofür er im derzeitigen Pontifikat von Franziskus steht: Sein Wappen zeigt unter anderem eine grüne Wiese, die an die Enzyklika „Laudato sì“ zur Schöpfungs-Ökologie erinnern soll, und einen goldenen Kahn mit einer Flüchtlingsfamilie. Sein Pektorale ist aus den Überresten eines Bootes gearbeitet, mit dem Migranten das Mittelmeer überquerten.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der Papst positioniere sich deutlich zum Ukrainekrieg, auch wenn dies öffentlich nicht wahrgenommen werde, so der Augsburger Bischof.
08.03.2022, 17  Uhr
Themen & Autoren
Guido Horst Enzyklika Flüchtlinge Russlands Krieg gegen die Ukraine Konrad Krajewski Kurienkardinäle Michael Czerny SJ

Kirche

Hannelore Baier zeigt in „Überwachung und Infiltration“ die Unterdrückungsstrukturen des kommunistischen Regimes in Rumänien am Beispiel der Evangelischen Kirche auf.
04.07.2022, 07 Uhr
Jürgen Henkel
Wer lernt, überlebt: Was die Kirche in Deutschland vom Weltfamilientreffen mitnehmen sollte.
02.07.2022, 07 Uhr
Franziska Harter
Forschungsprojekt bringt einen Fall aus dem Erzbistum Paderborn ans Licht. Nach Angaben des Erzbistums hat Becker, zu jener Zeit Personaldezernent, gemäß der damaligen Rechtslage gehandelt.
01.07.2022, 11 Uhr
Meldung
Kirchliche Stimmen begrüßen die Aussicht auf besseren Lebensschutz Ungeborener – Deutscher Familienbischof kritisiert Härte der Auseinandersetzung .
03.07.2022, 19 Uhr
Maximilian Lutz
Der klassische römische Ritus ist weder tot noch in seiner Existenz gefährdet. Daran ändert auch das neue Papstschreiben nichts.
30.06.2022, 11 Uhr
Regina Einig