IM BLICKPUNKT

Internationale Feigenblättchen sollen den Blick trüben

Ermahnung statt Lob vom Nuntius. Der neuerliche Versuch, beim Synodalen Weg Applaus aus dem Ausland zu inszenieren, ging gewaltig daneben. Ein Blick auf die Beobachter klärt auf.
3. Synodalversammlung des Synodalen Weges
Foto: SYNODALER WEG / MAXIMILIAN VON LACHNER | Der internationale Blick auf den synodalen Weg ist eher von Sorge und Misstrauen geprägt. Das Präsidium versucht das zu verschleiern.

Seit geraumer Zeit bemüht sich das Synodalpräsidium, auf den Vorwurf der deutschen Nabelschau und Gefährdung der Einheit mit der Weltkirche zu reagieren. Daher schafft es regelmäßig ausländische Beobachter heran, die der Synodalversammlung mit ihren Grußworten einen Hauch weltkirchlicher Legitimität verleihen sollen. Das scheint kein leichtes Unterfangen zu sein, jedenfalls wenn es um die tatsächliche Repräsentativität der Beobachter für die kirchliche Realität ihres jeweiligen Landes geht.

Lesen Sie auch:

Ermahnung aus Dänemark

Bei der Online-Konferenz im Februar 2021 sprach in Vertretung der Nordischen Bischofskonferenz mit Czeslaw Kozon immerhin noch der Bischof von Kopenhagen. Der hat damals den Synodenteilnehmern allerdings ins Gesicht gesagt, dass die Zukunftschancen der Kirche nicht in Änderungen der kirchlichen Sexuallehre oder dem Diakonat der Frau liegen, sondern in Mission und Evangelisierung.

Mit für die Ohren des deutschen Verbandskatholizismus geradezu unschicklicher Offenheit wies er außerdem darauf hin, dass die Kirche im Norden „wegen des Minderheitsstatus, der begrenzten Personal- und Finanzressourcen mit keinen größeren strukturellen Fragen zu kämpfen hat“. Solch eine Blöße wollte man sich im Synodalpräsidium wohl nicht noch einmal geben, weshalb seitdem kein ausländischer Ortsbischof mehr vor der Synodalversammlung gesprochen hat.

Ein Thinktank für Soziallehre

Stattdessen scheint man nun vermehrt auf sichere Werte zu setzen, deren fehlende Prominenz durch die synodale Moderation elegant aufgewertet wird. Die Organisation des französischen Beobachters Jérôme Vignon von „Semaines Sociales de France“ stellte die ZdK-Vizepräsidentin Claudia Nothelle als „Partnerorganisation des ZdK, etwas anders organisiert“ vor. Falls bei dem einen oder anderen nun – natürlich völlig unbeabsichtigt – der Eindruck entstanden sein sollte, die Rolle besagter „Partnerorganisation“ sei auch nur im Entferntesten mit derjenigen des ZdK in Deutschland zu vergleichen, dem sei Folgendes gesagt: Bei den „Französischen Sozialwochen“ handelt es sich um eine Art Thinktank zur kirchlichen Soziallehre, der niemanden repräsentiert, am wenigsten die Kirche der Zukunft.

Der Verein hält eine jährliche dreitägige Konferenz mit rund 3 000 reichlich ergrauten Teilnehmern ab. Im Vergleich dazu hat der Missionskongress im letzten Herbst über 17 000 Teilnehmer versammelt, die meisten davon zwischen 20 und 40 Jahren. Ob sich in den Reihen dieser jungen, dynamischen, im Wachstum begriffenen Kirche allerdings jemand finden lassen würde, der den deutschen Strukturprozess beklatscht, ist eher unwahrscheinlich.

Adversus haeresis

Bezeichnend ist auch, wie schnell das Statement des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović, unter dem synodalen Tisch verschwunden ist. Dieser hatte es vergangenen Samstag gewagt, seinen Beitrag mit einem Zitat aus der Schrift Adversus haereses (Gegen die Häresien) des jüngst zum Kirchenlehrer erhobenen Irenäus von Lyon zu beenden und daran zu erinnern, dass die Kirche auf der ganzen Welt den Glauben der Apostel bewahrt, verkündet, lehrt und überliefert. Eine ziemliche Ohrfeige für eine Versammlung, deren ganzer Stolz doch in der geradezu unkontrollierten Vervielfältigung der Offenbarungsquellen liegt.

Man darf gespannt sein, welche Personen bei der nächsten Sitzung herangekarrt werden, um „Zwischenfälle“ wie die Reden von Bischof Kozon und Nuntius Eterović in Zukunft zu vermeiden. Die internationalen Feigenblätter sind jedenfalls nicht groß genug, um die Entfremdung des deutschen Nabels von der Weltkirche zu verdecken.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der Apostolische Nuntius Nikola Eterović solidarisiert sich mit der bischöflichen Minderheit. Ein Kommentar.
28.09.2022, 19  Uhr
Regina Einig
Die Erklärung des Heiligen Stuhls vom Donnerstag entspräche der Satzung des Synodalen Weges. Kritik übt das Präsidium an der päpstlichen Kommunikation.
22.07.2022, 10  Uhr
Meldung
Themen & Autoren
Franziska Harter Bischof Czeslaw Kozon Bischofskonferenz Bischöfe Erzbischöfe Päpstlicher Botschafter Synodaler Weg Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Kirche

Nach bald 20 Jahren der Erneuerung ist die „Kirche im Gebirge“, die Diözese Innsbruck, an einem Punkt angekommen, wo die Verwirrung größer ist als die Vision.
02.10.2022, 15 Uhr
Martin Kolozs
Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Kirchenlehrer Franz von Sales (1567–1622) war Bischof von Genf und reformierte die Kirche, indem er die Menschen zum Gebet hinführte und geistliche Schriften verfasste.
01.10.2022, 19 Uhr
Uwe Michael Lang C.O.