Heilige

In der Schule der Therese

Warum meine Namenspatronin für mich zum Vorbild der Christusnachfolge geworden ist.
Namenspatronin Therese von Lisieux
Foto: KNA | Von Therese von Lisieux durch lernte Therese Dichgans, dass es nicht darauf ankommt, was der Mensch tut, sondern mit wie viel Liebe er es tut.

Ich bin meinen Eltern sehr dankbar für den wundervollen Namen, den sie mir bei meiner Taufe geschenkt haben. Ich muss jedoch gestehen, dass ich ihn erst zu lieben begann, als ich meine großartige Namenspatronin kennengelernt habe. Sie ist für mich ein großes Vorbild in ihrer Liebe zu unserem Herrn und ihrer Bereitschaft alles aus Liebe zu Jesus Christus zu tun.

Treue Begleiterin und Freundin 

Über dem Bett in meinem Kinderzimmer hing seit unserer Reise nach Lisieux ein Kinderbild von ihr. Durch diesen Anblick wurde ich immer vertrauter mit ihr und ihrer kindlichen Liebe. Ich habe dieses Bild in mein Studentenzimmer und bei jedem Umzug immer wieder mitgenommen und mir übers Bett gehängt. So ist die heilige Therese mir eine treue Begleiterin und Freundin geworden. So wie ich versuchte, meiner großen Schwester nachzueifern, hatte ich von klein auf das Bedürfnis, die heilige Therese nachzuahmen und Jesus so zu lieben, wie sie es getan hat. Bei so mancher Krankheit hat mich ihr liebevoller Blick daran erinnert, wie wertvoll unser Leiden sein kann, wenn wir es dem Herrn schenken.

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Bis ich 26 war, beschäftigte mich der Gedanke, Christus mein Leben zu schenken und in ein Kloster einzutreten. Doch als ich bemerkte, dass ich mich in dieser Entscheidung noch nicht dem Willen Gottes überlassen hatte, begann eine Phase der Unruhe. Sie war vor allem davon geprägt, dass nicht zu schaffen war, was der Herr von mir verlangen würde, wenn ich ihn nach seinem Willen fragte. Nach einer langen Phase von Ängsten begann ich meine Familie, meine Freunde und mich selbst davon zu überzeugen, dass ich diesen Weg – wenn es der Wille Gottes sei – schaffen würde.

Schwierigkeit, den Nächsten zu lieben

Als ich mich dann letztes Jahr auf den Weg nach Madrid machte, um in die Kandidatur bei den Missionarinnen der Nächstenliebe einzutreten, war ich im Frieden und mir meiner Sache ganz sicher, nun endlich auf dem „richtigen“ Weg zu sein und vertrauensvoll dem Ruf Gottes zu folgen.
Umso überraschter war ich, als schon in den ersten Tagen die Unruhe, nicht zu genügen, zurückkam. In Begleitgesprächen habe ich auch immer wieder angesprochen, wie schwer mir alles fallen würde und meine Bedenken geäußert, dass ich das alles nicht schaffen würde.

Meine Novizenmeisterin hat mich immer wieder zur Geduld ermahnt. Sie erinnerte mich daran, dass Gott alles Nötige tun würde, um mir das zu geben, was mir fehlt. Dies beruhigte mich zwar, aber trotzdem war ich immer besorgt, dass ich alles, was ich dort tat, nicht aus Liebe täte. Noch nie war es mir so schwergefallen, meinen Nächsten zu lieben wie in dieser Zeit.

Die Liebe ist entscheidend

Immer deutlicher sah ich, dass Gott mir im Alltag das schenkte, was ich in diesem Moment brauchte, um ihm näher zu kommen. Auch mein Beichtvater erinnerte mich daran, mich im Vertrauen zu üben, denn ich hätte schließlich eine große Fürsprecherin im Himmel. In unserem Gang hing ein großes Bild der heiligen Therese. So war sie weiterhin täglich für mich da. Außerdem gab mir meine Novizenmeisterin das Buch über die heilige Therese, das ihre Schwester über sie geschrieben hat. Es freute mich, meine Namenspatronin so noch besser kennen zu lernen. Wie auch schon Mutter Teresa hatten die Schwestern eine große Liebe zur heiligen Therese. Auch durch sie wurde ich immer wieder daran erinnert, dass es gar nicht darauf ankommt, was wir tun, sondern mit wie viel Liebe wir es tun.

Nur so konnte ich schließlich auch annehmen, dass ich nicht zur Missionarin der Nächstenliebe berufen bin, auch wenn es in meiner Vorstellung keine bessere Form gibt, dem Herrn zu dienen, als sein Leben zu geben für die Ärmsten der Armen. Ich habe erkannt, dass ich mich dort verstellt habe und versuchte, jemand Besseres zu sein. Von der heiligen Therese habe ich jedoch gelernt, dass Gott mich erschaffen hat, damit ich ihn so liebe, wie ich bin: Ich muss nicht erst jemand anderes werden, um Gott zu lieben. Ich habe erkannt, dass meine Berufung darin besteht, zu lieben – und zwar in den Menschen, die Gott uns schenkt; gleich, ob sie arm, reich, uns sympathisch oder unsympathisch sind.

In der Schule der Liebe der Kleinen Therese

Nun bin ich also wieder zurück bei meiner Familie, meinen Freunden und meinen Schülern. Ich bin sehr dankbar für die Zeit im Kloster und alles, was ich dort über und von der heiligen Therese gelernt habe. Kurz nach meiner Rückkehr habe ich mit zwei Freundinnen ein Lied aufgenommen, dessen Text auf Therese zurückgeht. Beim Singen wurde ich mit Dankbarkeit dafür erfüllt, dass wir in der heiligen Kommunion Christus in uns aufnehmen, um ihn zu den Menschen zu bringen.

Ich bin immer noch so beeindruckt, dass Gott sich so klein macht und durch jeden einzelnen von uns die Menschen lieben möchte. Ich staune über das große Geschenk, das er uns mit der heiligen Therese gemacht hat und freue mich, dass viele von ihr näher zu Christus geführt werden. Nächste Woche kommt sie nach München. Darüber freue ich mich sehr und kann nur jedem empfehlen, bei ihr in die Schule der Liebe zu gehen.

Beten am Reliquienschrein der Heiligen

Im Rahmen des Triduums „Rosen für München“ kommen die Reliquien der heiligen Therese in die Münchner Innenstadtpfarreien Heilig Geist und St. Peter. Am 25. Mai beginnt das Triduum um 19 Uhr mit der heiligen Messe in Heilig Geist. Anschließend bleibt die Kirche zu einem Gebetsabend geöffnet. Am 26. Mai um 18 Uhr feiert die Pfarrei St. Peter die Festmesse zu Christi Himmelfahrt und nimmt den Reliquienschrein in Empfang. Diesen begleiten die Gläubigen in einer anschließenden Prozession durch die Münchner Innenstadt nach Heilig Geist.

Die ganze Nacht hindurch besteht anschließend die Möglichkeit, in Gegenwart des Schreins und in Gegenwart des ausgestellten Altarssakraments zu beten. Am 27. Mai wird um 8 Uhr in Heilig Geist die Heilige Messe gefeiert. In München wird der Schrein an diesem Tag noch in der Kirche St. Gabriel in Pasing und in St. Maximilian Kolbe in Neuperlach zu Gast sein.

Lesen Sie weitere Hintergründe zu den jüngsten Entwicklungen zwischen Kardinal Woelki und der "Bild"-Zeitung in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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