Neuevangelisierung

Hilfe auf dem Weg zum Priestertum

Geistliche Berufungen fördern – aber wie? Kaplan Georg Wolkersdorfer wurde 2021 im Kölner Dom zum Priester geweiht und arbeitet nun in der Gemeinde St. Laurentius in Bergisch Gladbach. Im Gespräch mit der „Tagespost“ beschreibt er rückblickend, was ihm auf dem Weg zum Priestertum geholfen hat.
Georg Wolkersdorfer
Foto: privat | Kaplan Georg Wolkersdorfer ist gerne Priester.

Herr Kaplan, was hat Sie dazu motiviert, Priester zu werden und welche Hilfe haben Sie bei der Berufungsfindung erfahren?

Unterstützung habe ich vor allem aus meiner Familie erfahren und auch von Priestern, besonders einigen Kaplänen, die wir bei uns hatten. Daneben hat mich auch meine Studentenverbindung, die K.D.St.V. Ripuaria in Bonn, gefördert, weil ich hier viele Mitstreiter fand, die nicht antiklerikal eingestellt, sondern – im Gegenteil – gut katholisch waren.

Welchen Eindruck hat das Seminarleben auf Sie gemacht? Was hat Sie in der Ausbildung besonders geprägt?

Ich hatte bereits einige Semester studiert, bevor ich ins Seminar eintrat und insofern kannte ich das „System“ ja schon. Was mich auf jeden Fall sehr geprägt hat, ist das regelmäßige Gebetsleben: Als freier Student wollte ich zwar immer dazu finden, habe es aber nie so richtig gepackt, zum Beispiel das Stundengebet auch konsequent zu halten – da hat mir das Seminar geholfen. Daneben hat mir die Gemeinschaft im Seminar sehr geholfen, auf die unser Rektor immer großen Wert gelegt hat, das heißt es gab einen großen Zusammenhalt, wir waren einander keine Konkurrenten, so verschieden die Einzelnen dann doch auch sind. Unser Rektor hat uns auch ins Bewusstsein gerufen, dass die neue Generation von Priestern eine heilige sein wird, die sich am Original orientiert und wirklich nach Heiligkeit strebt. Zum anderen gibt es im Seminar natürlich auch einen starken Austausch über die Kirche und die vielen Probleme, denen sie sich stellen muss. Da wird manchmal viel Zynismus an den Tag gelegt, aber letztlich geht es auch darum, immer wieder ein Bewusstsein zu finden, was man selbst einmal besser machen will und wie man selbst als Priester sein will.

Die Einübung des geistlichen Lebens und den Gemeinschaftscharakter benennen Sie als große Pluspunkte der Seminarausbildung. Wo sehen Sie Probleme in der Ausbildung?

Die Seminarausbildung steht in einem Spannungsfeld, das sicher Beantwortung finden muss: Einerseits darf es nicht nur um die Fortsetzung der Ministrantenausbildung zu liturgischer Perfektion gehen, die zwar schön, aber dann weit weg von den Menschen ist. Umgekehrt ist es aber auch problematisch, wenn gar keine Liebe zur Liturgie mehr vermittelt wird und die Leute zwar in der Gemeinde stehen, ihnen aber keine Form mehr beigebracht wird, wie sie den Menschen den Glauben vermitteln können. Dieser Spannung gerecht zu werden, das ist sicher eine Herausforderung. Zum anderen besteht natürlich auch immer die Gefahr, dass das Seminar weit weg von der Welt ist und in seinem eigenen Themenkreis stecken bleibt: Zum Beispiel kann man dort stundenlang über liturgische Kleidung diskutieren – aber das ist etwas, was in der Gemeinde so gut wie niemanden interessiert.

Wenn Sie jetzt als Kaplan zurückblicken: Wo hilft Ihnen die Seminarausbildung heute besonders, wofür sind Sie dankbar?

Zum einen für die Sprech- und Gesangsausbildung: Ich könnte heute niemals die Liturgie so feiern, wenn ich das nicht wirklich gelernt hätte. Überhaupt bin ich für die gewonnene liturgische Sicherheit sehr dankbar, ich kenne das Messbuch dank des Seminares gut und kam bisher nie in Situationen, wo ich mich wirklich unsicher fühlte oder nur mit Lampenfieber arbeiten konnte. Schließlich habe ich erst im Nachhinein begriffen, wie extrem wichtig die Pastoralpsychologie in der Ausbildung war, denn das hilft mir beim Beichthören immens!

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In der Kirche wird derzeit sehr viel über die Rolle von Priestern diskutiert, seine Bedeutung wird durch den Synodalen Weg sogar infrage gestellt: Wie nehmen Sie das wahr?

Ich empfinde das einerseits als irritierend, andererseits sehe ich für mich in Köln davon keine Gefahr ausgehen. In der Gemeinde wird der Synodale Weg ohnehin kaum wahrgenommen. Was mich daran eigentlich ärgert, ist der Blick auf Priester, die über 50 Jahre ihren Dienst getan haben und deren Wirken durch solche Abstimmungen so viel Undankbarkeit erfährt. Ihnen gegenüber ist das beleidigend. Ansonsten nehmen wir in Köln wahr, dass immer wieder Seminaristen aus anderen Bistümern zu uns kommen und das nicht nur, weil das Rheinland so schön ist. Das liegt sicher nicht zuletzt daran, dass ich als Kölner Seminarist nur dankbar sein kann für meinen Erzbischof, der weiß, was ein Priester ist und sein soll. Als Bischof eines anderen Bistums würde ich mir schon die Frage stellen, warum meine Leute in Scharen nach Köln gehen und nicht im Heimatbistum bleiben.

Derzeit geht es in der Kirche um die Zukunft der Priesterausbildung: Welche Impulse würden Sie sich von einer Reform erhoffen? Wie kann es gelingen, dass der Negativtrend eine Wende erfährt?

Ich kann mir ehrlich gesagt keine Reform vorstellen, durch die von einem Jahr aufs nächste dann 50 neue Seminaristen eintreten. Mit Blick auf die Zusammenlegungspläne einiger Bistümer, die ja vor allem die inzwischen sehr klein gewordenen Standorte favorisieren, frage ich mich zudem, wie die vielen Bischöfe sich einig werden wollen, wie die Ausbildung dann abläuft, wenn – wie aktuelle Diskussionen zeigen – das Priesterbild so unterschiedlich ausfällt und oft nicht mal ein gemeinsames Sakramentenverständnis vorhanden ist: Wie soll da Formation aussehen? Am Ende kann das doch nur heißen, dass ein mit möglichst viel Indifferenz ausgestatteter Regens versucht, allen Vorstellungen der verschiedensten Bischöfe gerecht zu werden und zur Vermeidung von Konflikten Inhalte ausgespart werden. Zum anderen frage ich mich, wie ein in München ausgebildeter Priester sich dann mal in der Brandenburger Landpfarrei zurechtfinden wird: Die Prägungen und Besonderheiten der einzelnen Bistümer werden nach den Zusammenlegungen keine Rolle mehr spielen können, was ich mir für den späteren Dienst der Kandidaten in der Pfarrei nicht einfach vorstelle. Ganz grundsätzlich möchte ich mit Blick auf den Priesternachwuchs auch sagen, dass die Gemeinde von größter Wichtigkeit ist: Kandidaten müssen da Ermutigung und Rückendeckung erfahren können, umgekehrt müssen Jugendliche überhaupt auf die Idee gebracht werden, dass man auch heute noch Priester werden kann. Das Priesterseminar sollte im Bistum und im Gemeindeleben irgendwo vorkommen können. In den USA habe ich erlebt, dass an vielen Kirchentüren die Namen der Seminaristen einer Diözese hängen mit der Bitte, für sie zu beten. Das ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber schon dadurch gewinnen Gläubige einen Bezug zum Priesternachwuchs.

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Maximilian Mattner Diözesen Erzbischöfe Priesterseminare Priestertum

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