Gottesmutter

Ein Pilgerheiligtum kommt ins Wohnzimmer

Die pilgernde Muttergottes der Schönstatt-Bewegung stärkt Gläubige im Alltag. Am Hochfest der Verkündigung des Herrn wird das Jubiläumsjahr eröffnet. 
Junge Frau mit Schönstatt-Pilgerbild
Foto: Barbara Mayrhofer | Maria Lluberas hält das Schönstatt-Pilgerbild, das in dem sogenannten Urheiligtum, einer unscheinbaren Kapelle hängt, in den Händen.

"Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, werden sie das Angesicht der Erde verwandeln“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Genau dies tun diejenigen, die die pilgernde Gottesmutter zu anderen Menschen tragen und sie so mit der liebenden, wandelnden, Gottes Willen erkennenden und bejahenden Kraft Mariens in Berührung bringen.  Das Urheiligtum in Schönstatt ist ein Ort der Gottesbegegnung, der das Leben vieler Menschen auf wunderbare Weise verändert hat, weil sie sich dort der zum Herzen des Sohnes hinführenden Liebe Mariens öffneten.

Brennpunkte des Gebetes

Aber nicht jeder kann eine Wallfahrt unternehmen. Deshalb entstand im Jahr 1997 der Gedanke: Wenn die Menschen nicht zum Heiligtum kommen können, kommt das Heiligtum eben zu den Menschen. Das Projekt Pilgerheiligtum war geboren. Es besteht aus kleinen Gnadenbildern, die von Haus zu Haus gebracht und dort zu Brennpunkten des Gebetes werden.

Die Gnade, die vom Pilgerheiligtum ausgeht, wirkt vertiefend, weil sie in den Pilgerkreisen, die sich gebildet haben, immer wieder neu von Familie zu Familie, von Haus zu Haus weitergegeben wird. Sie stabilisiert nicht nur das Glaubensleben, es bildet sich auch ein tragendes Netzwerk, das auch in schwierigen Zeiten trägt und hält. „Die pilgernde Gottesmutter ist ein großer Trost für uns alle in schwieriger Zeit“, berichtet das Mitglied eines Pilgerkreises aus dem Bistum Köln. „Vieles ist in der Pandemie weggebrochen, unser Pilgerkreis ist geblieben.

Wandelnde Kraft

Ähnliche Erfahrungen machte man im Bistum Limburg: „Gerade in der Coronazeit ist die Freude sehr groß, wenn ich das Pilgerheiligtum durch ein Fenster reiche, wir – ich auf dem Bürgersteig, die andere Person am offenen Fenster – bitten dann um den Segen Gottes, erzählt eine Katholikin. „Jeden Monat, wenn die Gottesmutter ins Haus kommt, leuchtet ein Sonnenstrahl auf und erhellt unsere Wohnung“, bekräftigt eine Gläubige aus dem Bistum Regensburg. Die wandelnde Kraft, die von der zu den Menschen kommenden Gottesmutter ausgeht, erweist sich in vielen Bereichen: „Unter anderem machte die ,Pilgernde Gottesmutter‘ auch einen Besuch in unserer Verwaltung. Unsere beiden Frauen dort äußern oft: Die ,Pilgernde Gottesmutter‘ ist die beste Personalchefin, die es gibt. Sie sorgt immer wieder dafür, dass alles genau hinkommt.

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Beide Frauen machen oft einen Besuch im Schönstatt-Heiligtum, bevor sie mit der Arbeit im Büro beginnen. Unser Personal ist überaus dankbar!,“ berichtet ein Marienverehrer aus der Diözese Eichstätt.
Selbst da, wo Menschen dem Glauben skeptisch gegenüberstehen, wirkt das Pilgerheiligtum wandelnd: „Mein Mann kann nicht glauben, aber er hat nichts dagegen, dass die Muttergottes uns besucht und dann auf dem Esstisch steht und uns – auch ihn – anschaut. Er hat auch nichts dagegen, wenn ich mit den Kindern etwas Kleines bete oder ein Lied von der Kinder CD laufen lasse. Irgendwie ist immer eine gute Atmosphäre, wenn Maria bei uns ist. Ich glaube, das merkt er auch“, sagt eine Kölner Diözesane.

Lichtleitung zu Gott

6 400 Pilgerheiligtümer sind inzwischen in allen Teilen Deutschlands unterwegs. Für manch einen ist dieses Bild ihr ganz persönlicher Rettungsanker, ihre Lichtleitung zu Gott geworden. In dankbarem Gedenken an diese Spur des Segens, die sich seit 1997 durch Deutschland und inzwischen auch durch viele andere Länder zieht, wird am 24./25. März das Jubiläumsjahr eröffnet. Das Pilgerheiligtum hat vielen Menschen die Erfahrung vermittelt, dass Maria sie auf ihrem Glaubensweg begleitet und ihnen ganz konkret Stärkung in ihrem Alltag gegeben. Im Jubiläumsjahr soll auch die segensreiche Erfahrung des 1983 geschlossenen und 2012 erneuerten Liebesbündnisses der Schönstattbewegung für das deutsche Volk vertieft werden, das sich als Antwort auf die Aufforderung des heiligen Papstes Johannes Paul II. bei seinem Deutschlandbesuch versteht, den Menschen „als Freunde Christi das Evangelium Gottes“ und das eigene Leben zu geben.

Unter dem Motto „Einer trage des anderen Last“ soll außerdem in den genau 27 Wochen, vom Jubiläumsauftakt am 24./25. März bis zum Jubiläumsfest am Urheiligtum in Schönstatt am 1. Oktober, für die 27 deutschen Diözesen gebetet werden. Vielleicht geht davon ein ähnlicher Impuls aus, wie der, den Kardinal Paul Josef Cordes zusammen mit seiner persönlichen Erfahrung auf Berg Schönstatt so formuliert: „Nach meiner Berufung in den Päpstlichen Rat für die Laien lernte ich bald die vielen geistlichen Neuaufbrüche kennen, die die Sendung der Kirche heute vitalisieren. Als Deutscher war ich froh, dass aus meinem Volk auch Pater Josef Kentenich einen starken Impuls zur Glaubensstärkung gegeben hat, der sich weltweit verbreitete. Gestalten wie der Priester Karl Leisner oder die Schwester Emilie Engel, die von der Kirche als Glaubensvorbilder offiziell bestätigt wurden, belegen die geistliche Fruchtbarkeit der Schönstatt-Spiritualität. Und wer – wie ich – immer wieder auf Berg Schönstatt Ausspannung und Einkehr gesucht hat, kann dort noch heute die menschlich gewinnende und spirituell ansteckende Atmosphäre von Kentenichs Werk erleben.“


Die Auftaktveranstaltung im Urheiligtum am 24. März um 19 Uhr kann über Webcam auf www.urheiligtum.de mitgefeiert werden.

 

 

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