Kirche

Ein junger Mose

Vom designierten Fuldaer Bischof Michael Gerber erhofft man sich Impulse für die Priesterausbildung. Von Regina Einig
Fuldaer Bischof Michael Gerber
Foto: KNA

Die Zeit der sich lang dahinziehenden Vakanzen in Deutschlands Bistümern hat in der Amtszeit von Nuntius Erzbischof Nicola Eterovic offensichtlich ihr Ende erreicht. Wie zuvor in Würzburg, wurde auch in Fulda zügig der Name des neuen Bischofs bekannt. Am 13. Dezember ernannte Papst Franziskus den Freiburger Weihbischof Michael Gerber zum neuen Oberhirten des Bistums. Sein Vorgänger Bischof Heinz-Josef Algermissen war am 5. Juni emeritiert worden. Wann der Oberkircher, der im Januar seinen 49. Geburtstag feiert und der jüngste deutsche Diözesanbischof wird, in sein neues Amt eingeführt wird, war bei Redaktionsschluss noch offen.

Das preußische Konkordat sieht vor, dass das Domkapitel aus einer Liste von drei Kandidaten den neuen Bischof wählt. Dem Vernehmen nach befand sich kein Fuldaer Diözesanpriester auf der Liste; bei der Wahl Gerbers sollen dessen Erfahrungen in der Priesterausbildung eine Rolle gespielt haben. Der promovierte Pastoraltheologe wirkte mehrere Jahre als Vorsteher des Priesterseminars Collegium Borromaeum und wurde 2011 vom damaligen Freiburger Oberhirten Erzbischof Robert Zollitsch zum Regens ernannt. Zollitsch war es auch, der Gerber am 8. September 2013 zum Bischof weihte. Wie der Freiburger Emeritus gehört auch der neue Bischof dem Schönstatt-Institut Diözesanpriester an. Mit der Spiritualität der Bewegung ist Bischof Gerber durch seine Eltern vertraut. Sein Engagement in der Bewegung begann während der Schulzeit und der Studienjahre. Dort leitete er unter anderem viele Zeltlager. Seine Begeisterung für das Pilgern brachte Gerber in der Schönstattjugend den Spitzname „Mose“ ein.

Mehrere Jahre gehörte er dem fünfköpfigen Leitungsteam des Schönstatt-Instituts Diözesanpriester an. In der Schönstattbewegung ist Gerber ein gefragter Referent und Seelsorger, insbesondere bei der Berufungsfindung. Sehr geschätzt werden seine Ehekatechesen und Ehevorbereitung. Im Oktober 2013 weihte er in Schönstatt den sogenannten Ehe-Weg unweit des Urheiligtums ein: ein geistlicher Parcours aus 15 Stationen, den Ehepaare oder solche, die es werden wollen, gehen können. Stelen laden zum Verweilen und zum Meditieren ein.

In diesem Jahr führte ihn sein Engagement für die Schönstattbewegung in die Normandie. Die Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs rückten die Anfänge der Schönstattbewegung in den Fokus: In Cambrai fiel 1916 einer der ersten Schönstätter, Josef Engling. Gerber hielt dort eine bewegende Ansprache zur Friedensarbeit.

Die seelsorgliche Arbeit mit jungen Menschen zieht sich wie ein roter Faden durch die Biografie des künftigen Fuldaer Oberhirten. Als Vikar in Malsch engagierte er sich vor allem in der Jugendarbeit, der KJG und der Ministranten. Zwei Jahre wirkte er als priesterlicher Mitarbeiter an der Katholischen Hochschulgemeinde PH/Littenweiler. Nach der Bischofsweihe amtete er als Bischofsvikar für Hochschulpastoral. Gerber ist Mitglied der Jugendkommission der Bischofskonferenz und Kontaktbischof für die Pfadfinderschaft St. Georg. Dass der neue Bischof auch sportlich ist, dürfte für die Jugendarbeit ebenfalls ein Pluspunkt sein: In seiner Freizeit fährt Gerber gern Ski, unternimmt Bergwanderungen und fährt Fahrrad.

In einem Brief an die Gläubigen der Diözesen Fulda und Freiburg unterstrich Gerber, welche Perspektive er in den Zeiten des Umbruchs, die die Kirche derzeit durchläuft, einnehmen möchte. „Bei der Frage nach der Zukunft der Kirche ist das für mich ein wesentlicher Bezugspunkt: Was hat Gott in und durch die jeweils konkreten Menschen wachsen lassen, welche Geschichte hat er bisher mit uns geschrieben und zu welchem neuen Schritt möchte er uns heute herausfordern?“

Dass er im Januar nicht am Weltjugendtag in Panama teilnehmen kann, bedauert er. Krakau und Köln waren für ihn eindrucksvolle Erlebnisse – nicht nur wegen der Großveranstaltungen, sondern weil er gerade in der Beichte immer wieder erfahren hat, welche inneren Herzensbewegungen der Weltjugendtag auslöst. In Fulda sind seit der Amtszeit des 2000 verstorbenen Erzbischofs Johannes Dyba die Weichen für eine intensive geistliche Jugendarbeit gestellt worden. Junge Gläubige, die ihre persönliche Beziehung zu Jesus Christus vertiefen wollen, organisieren Nightfever und engagieren sich für die Pfadfinder. Ein vielversprechendes Pflaster für Bischof Gerber.

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