Junge Federn

Ein Blick genügt

Mit ihrer Pfarrei ist Elfriede Demml in das Heilige Land gereist. Dort erlebte sie Orte und Zeichen der Heiligkeit: Vor einer Christusikone, am Ölberg, in der Grabeskirche.
Ohne Gerüste leuchtet die frisch restaurierte Aedicula in der Jerusalemer Grabeskirche.
Foto: Nadim Asfour/Kustodie des Heiligen Landes | Ein lang entbehrter Anblick: Ohne Gerüste leuchtet die frisch restaurierte Aedicula in der Jerusalemer Grabeskirche.

Pfarrreise nach Israel. Ich bin noch nie geflogen, aber das Angebot, dass die Reise für mich so ausgerichtet wird, dass ich auch mit dem Rollstuhl mit kann, muss und darf ich voll Freude annehmen. Es ist schließlich etwas Besonderes, in dem Land unterwegs zu sein, wo auch Jesus seine Zeit auf Erden verbracht hat. Manchmal tut es weh zu sehen, wie touristisch die heiligen Orte geworden sind. Selfies während des Berührens besonderer Gedenkstätten stehen an der Tagesordnung. Wo ist da die Heiligkeit und Ehrfurcht? Und doch darf ich Menschen begegnen, die die Heiligkeit der Orte und des Wirkens Jesu dort zum Ausdruck bringen.

– Meine Gruppe, die mich mit einer großen Selbstverständlichkeit überall hinträgt.

– Ein jüdischer Opa mit gütigen Augen der mir im Flugzeug sagt: „Wenn sie etwas brauchen, helfe ich Ihnen mit großer Freude.“

– Ein paar Minuten der Stille in der Kapelle in „Saint John in the desert“ und der Blick Jesu aus der Ikone, der mir zuflüstert: „Keine Sorge, ich bin da. Egal wie viel Trubel. Ich bin da. Ich lass dich nicht allein.“

– Eine Schwester, die mir auf Golgatha sagt, dass sie jeden Morgen einige Stunden mit ihrer Gemeinschaft hier betet und dass sie mich gerne ins Gebet einschließen wird. Als wir uns ein paar Tage später zufällig noch einmal treffen, weiß sie noch immer meinen Namen und versichert mir, dass sie nicht vergessen hat, für mich zu beten. Und das bei so vielen Menschen, denen sie sicher jeden Tag begegnet.

– Ein Augenblick der Stille und des Alleinseins im Heiligen Grab, dem Ort der Auferstehung schlechthin. Und dann die Hände eines griechischen Priesters und meines Pfarrers, die sich mir entgegenstrecken, als ich gemeinsam mit meiner Assistentin geduckt aus der Höhle hervorkrieche. Eine Umarmung mit strahlenden Augen von beiden. „Wie schön, dass du da bist.“ Wahrscheinlich war das so etwas wie eine kleine Vorahnung von dem, wie Jesus von seinem Vater empfangen wurde, als er vom Grabe auferstanden ist. Und wie auch wir erwartet werden, wenn wir auferstehen.

Die Autorin ist Pastoralassistentin im Pfarrverband Graz-Christkönig/Hl. Schutzengel

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Der selige Franziskanerpater Frédéric Janssoone gilt als Erneuerer des Franziskanerordens in Kanada.
04.08.2022, 07  Uhr
Claudia Kock
Der Pfarrer ist mehr als ein Verwalter – Liebeserklärung an einen unterschätzten Beruf.
25.09.2022, 15  Uhr
François Dedieu
Im Bistum Münster wurde mit Fusionen zu Großpfarreien viel Porzellan in den Gemeinden zerschlagen Die zweite Strukturreform soll entspannter über die Bühne gehen.
28.07.2022, 11  Uhr
Heinrich Wullhorst
Themen & Autoren
Elfriede Demml Heiliges Land Jesus Christus Pfarreien

Kirche

Der Orientierungstext, der die theologischen Grundlagen behandelt, betont einseitig die Veränderlichkeit der Tradition, so der Philosoph Berthold Wald.
27.09.2022, 12 Uhr
Vorabmeldung
Frauengestalten der frühen Kirche müssen dafür herhalten, heute die Zulassung von Priesterinnen und Diakoninnen zu fordern. Textkritische Befunde geben das allerdings nicht her.
27.09.2022, 19 Uhr
Sebastian Moll
Kardinal Woelki hält an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie fest und hofft in Sachen Konkordat auf eine baldige Einigung zwischen der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und ...
27.09.2022, 07 Uhr
Vorabmeldung