Klagenfurt

Ein Bischof für die Menschen am Rand der Gesellschaft

Kärntens neuer Oberhirte Josef Marketz ist geprägt von Mutter Teresa und Paul Zulehner
Josef Marketz mit dem Apostolischen Administrator Werner Freistetter

Die besondere Zuwendung zu den Menschen am Rande der Gesellschaft stellt der am Dienstag ernannte Diözesanbischof von Gurk-Klagenfurt, Josef Marketz, in den Mittelpunkt seines Bischofsdienstes. Marketz, der bis zur Bischofsweihe am 2. Februar Caritas-Direktor in Kärnten bleiben wird, sagte bei seiner ersten Pressekonferenz am Freitag in Klagenfurt: Den Blick nicht gleichgültig von denen abzuwenden, die „in vielfältiger physischer und psychischer Armut leben“, sei „ein Hauptanliegen von Papst Franziskus, letztlich aber von Jesus selbst an die Kirche“. Dies werde als Bischof von Kärnten seine Prioritätensetzung und seinen Lebensstil bestimmen.

Marketz, dessen priesterliche Berufung stark von einer Begegnung mit Mutter Teresa in Indien geprägt wurde, kündigte an, nicht in der Bischöflichen Residenz in Klagenfurt wohnen zu wollen: „Ich werde, wie jeder, in der Frühe in die Arbeit gehen und am Abend müde wieder nach Hause.“ Als Leitwort für seinen Bischofsdienst hat er den Titel der ersten Enzyklika von Papst Benedikt XVI. gewählt: „Deus Caritas est“ (Gott ist die Liebe). Papst Franziskus erwarte von den Priestern, dass sie zumindest einen Armen persönlich kennen, sagte Marketz. Er selbst kenne viele, die auf der Straße leben.

Causa Schwarz: Weiter Bedarf an klärenden Gesprächen

Zu den Vorwürfen gegen seinen Amtsvorgänger Alois Schwarz, der seit Sommer 2018 Bischof von St. Pölten ist, meinte Marketz, er sei sich der Problematik bewusst und wisse, dass es „weiterhin Bedarf nach er- und aufklärenden Gesprächen gibt“. Es stehe ihm nicht zu, Urteile zu sprechen, sondern er sehe es als seine Aufgabe an, Fehlentwicklungen zu stoppen und einem Veränderungsprozess zuzuführen. Insbesondere das Domkapitel hatte gegen Bischof Schwarz massive Vorwürfe bezüglich seiner Amtsführung wie seiner persönlichen Lebensführung erhoben.

Der neue Kärntner Bischof sagte, er werde „mit jenen sprechen, die verletzt sind“, auch mit Bischof Schwarz selbst. An seinem Vorgänger lobte er insbesondere, dass dieser „ein Herz für die Menschen“ gehabt habe und ein „wirklich guter Prediger“ gewesen sei.

Verheiratete Diakone sollen zu Priestern geweiht werden

Auf eine Frage der „Tagespost“ meinte Marketz, er sei dafür, „verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen“. Hier folge er dem Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner. „Er ist mein Lehrer und ich höre auf seinen Rat“. Marketz promovierte 1992 in Wien bei Zulehner mit einer Arbeit über interkulturelle Verständigung im christlichen Kontext. Er selbst entstammt der slowenischen Volksgruppe Kärntens.

„Sehr positiv“ äußerte sich der ernannte Bischof von Kärnten über den Literatur-Nobelpreis für Peter Handke, einen gebürtigen Kärntner. Zu dessen Parteinahme für Serbien und den serbischen Diktator Slobodan Milosevic meinte Marketz: „Man kann sich in seinem Engagement auch verrennen.“ Insgesamt sei Handkes Literatur aber „gewaltig“, insbesondere in seinem Blick auf die Menschen.

DT/sba

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