Zukunft der Kirche

Die Privilegien-Kirche bricht zusammen

Doch die Angst, den „Apparat“ und die nötigen Finanzen zu verlieren, entbindet die Bischöfe nicht von der Pflicht, die Pflänzchen des Neuanfangs zu pflegen. Ein Kommentar.
Zukunft der Kirche in Deutschland
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | Kluge Bischöfe sind derzeit dabei, den fortschreitenden Verfall von Privilegien und Zuwendungen mit Fingerspitzengefühl abzufedern.

Es ist immer eine Sache der Perspektive. Natürlich kann man der deutschen Amtskirche hinterherweinen, der jetzt wie im Fall des kirchlichen Arbeitsrechts die Felle wegschwimmen. Die katholische Kirche als einer der größten Arbeitgeber hierzulande – von einer dreiviertel Million Beschäftigten ist die Rede – findet im postchristlichen Deutschland mit seinen ausblutenden Pfarreien und Orden nicht mehr ausreichend Personal, das auch in seiner Lebensführung loyal zu den moralischen Standards seines Arbeitgebers steht.

Es geht nur um Macht, Mehrheiten und Kontrolle

Doch nicht nur die Basis, auch der Staat wird den schönen „dritten Weg“, mit dem der Arbeitgeber Kirche das Verhältnis zu seinen Angestellten regelt, in Frage stellen. Die Kirche in diesem Land ist eine Privilegien-Kirche. Das gilt für das kirchliche Arbeitsrecht. In dieser Form gibt es das nicht noch einmal in der Welt. Und das gilt auch für die Kirchensteuer – ebenfalls ein deutsches Unikum. Damit wird – um ein Bild von Kardinal Joachim Meisner zu gebrauchen – die Karosse eines Gefährts aufrecht gehalten, dessen Motor aber sehr klein geworden ist.

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Das widerliche Prozedere der Frankfurter Synodalversammlung – mit viel Papier, wenig Redezeit und keiner Bereitschaft, wirklich zuzuhören (Papst Franziskus würde weglaufen) – war pure Kirchenbürokratie. Wenig Geist, wenig religiöse Glut, die einen kräftigen Motor antreiben könnte. Da geht es nur noch um die Macht, Mehrheiten und Kontrolle. Die Funktionärskirche wird nicht einen einzigen Menschen zur Bekehrung zu Jesus Christus oder zurück in die Kirche führen. Warum also soll man der Privilegien-Kirche nachweinen?

Schon jetzt planen Generalvikar und Finanzdirektoren, welche Kirchengebäude und auch Gotteshäuser man in den kommenden Jahren verkaufen muss, wenn das Ausbluten der Kirche an Gläubigen und Kirchensteuerzahlern zum Gesundschrumpfen zwingt. 2011 im Freiburger Konzerthaus schien Benedikt XVI. keine wirkliche Angst vor dem Abschied von einer von der Obrigkeit genährten Kirche zu haben. Säkularisierungen, so der deutsche Papst, zu denen auch die Streichung von Privilegien gehörten, könnten der Kirche helfen, ihr missionarisches Zeugnis klarer zutage treten zu lassen: „Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein.“

Synodaler Weg wird scheitern

Kluge Bischöfe sind derzeit dabei, den fortschreitenden Verfall von Privilegien und Zuwendungen mit Fingerspitzengefühl abzufedern. Wenn die Loyalitätsverpflichtung im kirchlichen Arbeitsrecht einfach nicht mehr greift, weil es an überzeugten Katholiken fehlt, die in den aufgeblähten Betrieben und Einrichtungen der Kirche beschäftigt werden können, muss man nicht gleich zum eisernen Besen greifen. Man befindet sich in einer Zeit des Übergangs – auf dem Weg zu einer Kirche, die nur noch die Werke betreibt, die sie auch mit Geist und Glaube erfüllen kann.

Gleichzeitig siedeln diese Bischöfe aber missionarische Glaubenszentren, Gemeinschaften mit einer geistlichen Ausstrahlung und Kristallisationspunkte des gelebten Glaubens in ihren Diözesen an, die – vielfach miteinander vernetzt – das Gewebe des Neuanfangs bilden. Der Synodale Weg ist ein konservatives Unterfangen. Die Hülle will er konservieren, den lebendigen Kern des geoffenbarten Glaubens, der ihn mit der Weltkirche verbindet, hingegen nicht. Er wird mit Sicherheit scheitern.

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