DIE FRAGE

Darf man den emeritierten Papst im Hochgebet nennen?

Es antwortet: Cornelius Roth, Professor für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Fulda.
Cornelius Roth, Professor für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Fulda

Die Frage, ob der emeritierte Papst im Hochgebet erwähnt werden darf, führt zu der generellen Frage der Einschübe im Hochgebet und der noch allgemeineren, was überhaupt wann und warum an den approbierten Texten verändert werden darf.

Zunächst einmal ist direkt auf die erste Frage zu antworten, dass Erweiterungen bei der Erwähnung des Papstes im Hochgebet nicht vorgesehen sind, sondern einzig und allein der im Amt befindliche Papst genannt wird. Ähnliches gilt vom Bischof, doch dürfen bei ihm auch der Koadjutor (Hilfsbischof mit Nachfolgerecht) oder der Weihbischof – gegebenenfalls mehrere – hinzugefügt werden, jedoch nicht der emeritierte Bischof. Es geht bei der Erwähnung von Papst und Bischof im Hochgebet nämlich nicht um dankbare Reminiszenzen oder Ehrerweisungen, sondern um die aktuelle Verbindung des der Eucharistiefeier vorstehenden Priesters und der Gemeinde mit der Gesamtkirche.

Allgemein gilt, dass der Text des Hochgebets nicht verändert werden sollte, da es als Ganzes konsekratorischen Charakter hat und den sakramentalen Höhepunkt der Messe darstellt. Man hat ja inzwischen eine recht breite Auswahl – insgesamt gibt es im deutschen Sprachraum dreizehn approbierte Hochgebete –, so dass man auch mal abwechseln kann – was viel zu selten geschieht. Einschübe gibt es im Hochgebet trotzdem. Einige sind zu verschiedenen Hochfesten – an allen Sonntagen, Weihnachtsoktav, Osteroktav, Allerheiligen et cetera – und bestimmten Anlässen – Taufe, Firmung, Brautmesse, Totenmesse – vorgeschrieben. Andere sind fakultativ, wie etwa die Nennung der Tagesheiligen im dritten Hochgebet oder die Nennung der schon erwähnten Koadjutoren und Weihbischöfe. Die Erwähnung der Tagesheiligen oder des Patrons kann sicher auch guten Gewissens in den anderen Hochgebeten stattfinden, auch wenn es in den Rubriken dazu keine Aufforderung gibt. Ebenso halte ich es für sinnvoll und mit den Rubriken vereinbar, beim allgemeinen Gedächtnis der Verstorbenen konkrete Namen zu nennen, obwohl dies ausdrücklich nur im ersten Hochgebet vorgesehen ist, während in den anderen dafür allein der Einschub für die Totenmesse Gelegenheit bietet.

Was Kürzungen betrifft, sind auch einige offiziell möglich, zum Beispiel kann die lange Reihung der altchristlichen Märtyrer im ersten Hochgebet gekürzt werden.

Bei allen anderen Einschüben und Veränderungen im Hochgebet sollte man vorsichtig sein und sich selbst ehrlich fragen, aus welchen Motiven heraus man eine Veränderung an den approbierten Texten vornimmt.

Diese relative Strenge im Hochgebet ist vor dem Hintergrund gut zu verkraften, dass es im sonstigen Ablauf der Messe – im Unterschied zum vorkonziliaren Messritus – viele Möglichkeiten für freie Formulierungen gibt, und das nicht nur in den Fürbitten oder der Predigt. Das beginnt schon bei den Einführungsworten, die in aller Kürze eine Hinführung zur Begegnung mit Christus im Wort und Sakrament geben sollen.

Freiheiten bestehen aber auch bei der Einleitung zum Vater unser, wo im Messbuch ausdrücklich vermerkt wird, dass der Priester auch eine andere als die gewohnten Einladungen („Lasst uns beten wie der Herr uns zu beten gelehrt hat…“ etcetera) sprechen und sich dabei an der Zeit des Kirchenjahres orientieren kann. Ähnlich ist es mit der Einladung zum Friedensgebet, zu der im Messbuch gesagt wird, der Priester möge „mit folgenden oder ähnlichen Worten“ dazu einladen. Die freie Formulierung von Gebeten durch den Vorsteher, welche die Liturgie bis ins fünften Jahrhundert geprägt hat, kann hier also zum Tragen kommen, was natürlich eine gewisse Sicherheit und geistliche Kompetenz voraussetzt. Bei allen freien Gebeten und Formulierungen sollte das Grundprinzip sein, die Gemeinde auf Gott hin auszurichten.

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