Kritik am Synodalen Weg

Brandbrief aus Polen: „Bleibt katholisch!“

Der Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Mitbrüder kümmert sich nicht um das Framing, mit dem die hiesige Amtskirche den Synodalen Weg betreibt. Ein Kommentar.
Erzbischof Gadecki und Papst Franziskus
Foto: Maciej Kulczynski (PAP) | Der polnische Erzbischof Gadecki (rechts) hat in seinem Brief eine Sprache angeschlagen, mit der er sich auf der römischen Priestertagung hätte sehen lassen können, die man aber in den soziologisch und machtpolitisch ...

Der Unterschied könnte nicht krasser sein: Wer vor einer Woche an der vatikanischen Tagung über das Priestertum und die Berufung aller Getauften teilgenommen hat, der hat eine Sprache gehört, die die Wirklichkeit in allen ihren Aspekten hervortreten ließ, die für den Christen entscheidend sind: Von Gott war die Rede, der Menschen beruft. Von Jesus Christus, der in seiner Kirche wirkt. Von Gnade und Heiligung, von Sünde und Bekehrung.

Versteht der Adressat den Brief Gadeckis überhaupt?

Der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle sprach von Evangelisierung, die einfach darin bestehe, mit anderen ein Gespräch über Jesus zu führen. Franziskus rief dazu auf, „heiliger Tempel“ des Herrn zu sein, was ein Werk des Heiligen Geistes sei. Es war eine völlig andere Sprache als die, die man bei der vergangenen Frankfurter Synodalversammlung hören konnte und die einem aus den Texten des Synodalen Wegs entgegenschlägt. Da geht es zunächst einmal um Macht. Dann um Kontrolle. Um Gleichberechtigung von Mann und Frau, um Partizipation und Demokratisierung. Und um den ganzen soziologischen Sprachgebrauch, den man in der zeitgenössischen Welt auch sonst gerne nutzt, um Großverbände oder Nichtregierungsorganisationen auf Effizienz oder Transparenz hin zu beschreiben. Sprache beeinflusst das Denken. Dass heute auch die Bischöfe immer nur von „Macht“ sprechen, wo es doch in der Kirche stets um „Vollmacht“ und die Repräsentanz göttlicher Zusagen geht, belegt, wie die Gehirnwäsche einer rein soziologischen Denkungsart jetzt schon wirkt.

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Darum ist zu befürchten, dass ein deutscher Bischof den Brief, den jetzt der Vorsitzende der Polnischen Konferenz seinem deutschen Amtskollegen Georg Bätzing geschrieben hat, zunächst einmal gar nicht versteht. Stanislaw Gadecki, so der Name des Erzbischofs von Posen, beginnt sein Schreiben mit dem Hinweis auf das „Depositum des apostolischen Glaubens an Jesus Christus“, das in die Hände der Bischöfe gelegt worden sei, und auf große Heilige, die sowohl von deutschen wie polnischen Gläubigen verehrt werden. Damit hat er gleich einmal eine Sprache angeschlagen, mit der er sich auf der römischen Priestertagung hätte sehen lassen können, die man aber in den soziologisch und machtpolitisch orientierten Gremien des Synodalen Wegs nicht mehr versteht.

Es tut gut, die Sprache der Außenstehenden zu hören

Nach einer ersten Phase des Unverständnisses wird man deshalb wohl auf deutscher Seite die inhaltlichen Aussagen des Brandbriefs aus Polen beiseiteschieben und diesen als konservative Reaktion eines „rechtskatholischen“ Episkopats verbuchen, der es nicht verträgt, wenn man am Idol und den Lehren des großen Karol Wojtyla kratzt.

Das Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz und die ihm treu ergebenen (weil finanziell abhängigen) katholischen Medien haben alles, was mit den Zielen des Synodalen Wegs zu tun hat, mit dem Deutungsrahmen „Reform“ verbunden. Diese Unterfangen sei ein „Reformprozess“, dessen Vorhaben „Reformziele“ und deren Verfechter „Reformkatholiken“ seien. Bei diesem Framing war der Apparat recht erfolgreich und hat sich das sicher Mühe und Zeit kosten lassen. Da tut es gut, auch einmal die Sprache der Außenstehenden zu hören. Nach dem Brief des Papstes an das Gottesvolk in Deutschland vom Juni 2019 schaut das Schreiben des polnischen Konferenzvorsitzenden genauer auf das, was denn nun in dem amtskirchlichen Deutungsrahmen tatsächlich steckt.

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