Kirche

Auf Ostersonntag folgt in Jerusalem Karfreitag

Mehr Pilger feierten die Heilige Woche in diesem Jahr im Heiligen Land. Von Andrea Krogmann
Osterprozession in Jerusalem
Foto: dpa | Heilsgeschichte und Drama werden anschaulich: Karfreitagsprozession in Jerusalem.

Jerusalem (DT) Tausende von Christen aus aller Welt haben am vergangenen Sonntag in Jerusalem die Auferstehung Christi gefeiert. Tausende weitere werden es ihnen am kommenden Wochenende gleichtun. Nach Ostern ist in Jerusalem vor Ostern – zumindest, wenn wie in diesem Jahr die Kalenderberechnungen der West- und der Ostkirchen die beiden Ostertermine auf zwei verschiedene Termine fallen lassen. Das einwöchige jüdische Pessachfest überschneidet sich unterdessen in diesem Jahr mit beiden Osterterminen – es dauert von Karfreitag bis Karfreitag.

Statistiken vom Tourismusministerium und dem katholischen Pilgerbüro für das laufende Jahr sowie die Zimmerbelegung der wichtigsten Pilgerhäuser für Ostern deuteten an, was sich in der westkirchlichen Heiligen Woche zu bewahrheiten schien: Deutlich mehr Pilger als in den Vorjahren kamen zur traditionellen Palmsonntagsprozession, und auch die Feiern des Triduum in der Grabeskirche waren gut besucht. Einzig die Kreuzwegprozession am Freitagvormittag sah weniger Teilnehmer, neben dem regnerisch-kalten Wetter mögen die israelische Abriegelung des Westjordanlands wegen Pessach und zum palästinensischen „Tag des Bodens“ besonders strenge Sicherheitsmaßnahmen für eine leerere Via Dolorosa gesorgt haben. Insgesamt aber werden auch im Festmonat April die Pilger- und Touristenzahlen um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen, hofft das Tourismusministerium.

Worte der Hoffnung prägten die zentralen Feiern des Leidens und der Auferstehung nach dem westkirchlichen Kalender. Habt Mut, auch wenn es angesichts der zahlreichen Herausforderungen im Heiligen Land leicht wäre, Hoffnung und Vertrauen zu verlieren, predigte der Apostolische Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, an Gründonnerstag, an dem in der Grabeskirche aus historischen Gründen bereits am Vormittag die Abendmahlsmesse mit Fußwaschung und Chrisamweihe gefeiert wird. Die Kirche dürfe sich nicht nur auf sich selbst und die eigenen Probleme konzentrieren, sondern solle die neue Perspektive wahrnehmen, die die christliche Hoffnung eröffne – nicht als Instant-Heilung einer kranken Welt und auch nicht als ein Ausruhen auf einer fernen Hoffnung, sondern als Aufruf, „hier und heute zu handeln, um den vielen kleinen Erwartungen unserer Zeit einen Sinn und eine Perspektive zu geben“, mahnte Pizzaballa dann in der bereits am Samstagvormittag gefeierten Osternacht, und am Ostermorgen hieß es erneut: Habt Mut, lauft nicht weg, geht an die Orte, die vom Tod regiert zu sein scheinen, denn der Tod hat nicht das letzte Wort.

Die Kriege und Konflikte seien nur allzu gut bekannt, sagte Pizzaballa. Das blutige Wochenende im israelisch-palästinensischen Konflikt, an dem bei Massenprotesten am Freitag im Gazastreifen mindestens 15 Palästinenser von der israelischen Armee getötet wurden, erwähnt der Italiener vielleicht bewusst nicht. Er wolle nicht in die übliche Litanei des Todes verfallen, „die uns umschließt wie das Leinen den Körper Jesu umhüllt hat“, sagte Pizzaballa.

Erstaunlich still und unpolitisch fiel im Vergleich zu den scharfen Tönen der jüngsten Zeit im Streit mit Israel auch die gemeinsame Osterbotschaft aus. Von Jerusalem aus, dem Ort der Auferstehung Jesu, sandten die Oberhäupter der dreizehn anerkannten Kirchen ihren Segen in die Welt, erinnerten an die Mission Jerusalems, Leuchtfeuer der Hoffnung und des Lebens für die Menschen der Region und der Welt zu sein und schlossen jene in ihr Gebet, die leiden.

Für einen Teil von ihnen, nämlich Flüchtlinge und Asylsuchende aus Eritrea und dem Sudan, die in Israel in den vergangenen Monaten unter der imminenten Gefahr der Abschiebung lebten, hätten sich die Gebete fast erfüllt: Am Ostermontag der Westkirchen, inmitten des jüdischen Pessachfests, das an die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten erinnert, verkündete die israelische Regierung eine Einigung mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zur Umsiedlung und teilweisen Anerkennung der Betroffenen. Die Freude hielt leider nur kurz: Schon am Dienstag kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu das Abkommen auf Druck der politischen Rechten wieder auf.

Immerhin für einen Teil der insgesamt gut tausend Christen aus Gaza gab es am Ende noch gute Nachrichten: Hatte Israel zunächst angekündigt, Reisegenehmigungen zu Ostern in diesem Jahr von der Rückkehr von nach Weihnachten illegal in Israel verbliebenen Christen in den Gazastreifen abhängig zu machen, erteilte die zuständige Behörde am Schluss doch noch einige Bewilligungen. Mehr als 300 Christen im Alter von über 55 Jahren, bestätigte der katholische Pfarrer von Gaza-Stadt, Pater Mario Da Silva, dürfen im Zeitraum vom 1. bis 15. April Israel und das Westjordanland bereisen.

Die überwiegende Mehrheit der Christen aus Gaza ist orthodox. Für sie kamen die Reisegenehmigungen noch rechtzeitig, um an den Feiern der Heiligen Woche in Jerusalem teilnehmen zu können. Deren Höhepunkt wird am Samstagmittag die seit über 1 200 Jahren gefeierte Liturgie des „Heiligen Feuers“ sein, bei der sich nach orthodoxem Volksglauben auf wundersame Weise eine Flamme an der als Grab Christi verehrten Kapelle in der Grabeskirche entzündet und anschließend an die Gläubigen weitergereicht wird. Dem traditionell großen Andrang von Pilgern begegnen die israelischen Sicherheitskräfte üblicherweise mit Straßensperren und strengen Zugangskontrollen zur Grabeskirche und ihrem Umfeld. Die engen Gassen der Altstadt kommen dann schon in weniger besucherstarken Jahren als einem möglichen neuen Rekordjahr an ihre Grenzen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Benjamin Netanjahu Israelische Regierungen Jesus Christus Karfreitag Ostermontag Ostersonntag Pfarrer und Pastoren Pilger

Weitere Artikel

Patriarch Kyrill feierte in Moskau die Auferstehung mit Kremlchef Putin, während im Nachbarland russische Raketen und Bomben auf Städte niedergingen.
28.04.2022, 09 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Kirchenführung durch Interviews wahrzunehmen, halte er für äußerst fragwürdig, so der DBK-Vorsitzende. Am „Synodalen Ausschuss“ will er weiter festhalten.
27.01.2023, 15 Uhr
Drei Pariser Innenstadtkirchen sind im Laufe einer Woche Brandanschlägen zum Opfer gefallen. Stadt und Polizeipräsidium kündigen Sicherheitsmaßnahmen an.
26.01.2023, 16 Uhr
Meldung
Die Laieninitiative entlarvt Bätzings Reaktion auf die römische Anordnung als strategischen Trick und plädiert für einen sofortigen Stopp des Synodalen Ausschusses.
26.01.2023, 14 Uhr
Meldung