Kirche

Arnaud Beltrame: Ein Held, der glaubte

Der Offizier, der am letzten Freitag bei dem terroristischen Angriff von Trèbes getötet wurde, nachdem er sich für eine weibliche Geisel hatte austauschen lassen, sollte das Sakrament der Ehe empfangen. Von Jean-Marie Dumont
Der Polizist Arnaud Beltrame
Foto: dpa | Er freute sich auf seine kirchliche Trauung: Arnaud Beltrame.

Dank der sorgfältigen Begleitung der Mönche von Lagrasse haben wir uns lange auf die kirchliche Trauung vorbereitet. Die Feier sollte in der Bretagne stattfinden, denn dort hat Arnaud seine Wurzeln. Darüber hinaus stand er der Abtei von Timadeuc sehr nahe, wo er an zahlreichen Exerzitien teilnahm.

Das Begräbnis meines Ehemannes wird in der Karwoche stattfinden – nach seinem Tod an einem Freitag kurz vor Palmsonntag, was in meinen Augen nicht ohne Bedeutung ist. Mit großer Hoffnung erwarte ich an Ostern die Feier der Auferstehung mit ihm.“ 

Marielle wollte Oberstleutnant Arnaud Beltrame am 9. Juni heiraten. Standesamtlich hatten sie bereits im August 2016 geheiratet. Am Samstag erlag Arnaud den Verletzungen, die ihm der Terrorist Radouane Ladkim bei dem Angriff von Trebes am Vorabend zugefügt hatte.

Am Samstagmorgen kursierte bereits einige Stunden nach dem Tod von vier Personen eine Mitteilung von Pater Jean-Baptiste, Regularkanoniker der Abtei Lagrasse:

„Liebe Freunde, vielleicht wisst ihr es schon, Oberstleutnant Beltrame, der gestern um 14 Uhr in seinem bereits bekannten Heldentum schwer verletzt wurde, gehörte zur Gruppe CANA von Narbonne. Ich sollte ihn am 9. Juni trauen... Gestern Abend war ich im Krankenhaus und konnte ihm das Sakrament der Krankensalbung und den apostolischen Segen in articulo mortis spenden, lange mit seiner Verlobten Marielle sprechen und ihr die Kommunion reichen. Er ist heute Morgen gestorben, wie ihr wisst. Danke, dass ihr alle eure Pfarrer und eure Kameraden gebeten habt zu beten, indem ihr ihnen diese Botschaft übermittelt habt, damit diese Tragödie für alle ein Vorbild für christliche Tapferkeit sei. Möge er in der Ewigkeit Fürsprache einlegen für eure lieben Ehepaare CANA. Pater Jean-Baptiste, CRMD.“

In den siebziger Jahren gegründet, bewohnt die Gemeinschaft der Regularkanoniker der Muttergottes ein herrliches Kloster im Departement Aude, 25 km von Trebes entfernt. Die 34 Ordensleute feiern täglich die heilige Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus und üben ihr Apostolat vor allem unter Eheleuten aus. Eine Schwesterngemeinschaft ist ihnen angeschlossen.

Pater Jean-Baptiste teilte darüber hinaus mit:

„Bei einem zufälligen Besuch unserer Abtei, einem „Monument Historique“, lernte ich Oberstleutnant Arnaud Beltrame und Marielle kennen, die er gerade standesamtlich geheiratet hatte. Wir waren uns sehr schnell sympathisch, und sie baten mich, sie auf die kirchliche Trauung vorzubereiten, die ich am 9. Juni in Vannes feiern sollte. So verbrachten wir viele Stunden damit, uns seit fast zwei Jahren mit den Grundlagen des Ehelebens zu beschäftigen. Am 16. Dezember segnete ich ihr Haus, und wir schlossen die kirchenrechtlichen Formalitäten ab. Die wunderschöne Willenserklärung von Arnaud hat mich vier Tage vor seinem Tod erreicht. Dieses junge Paar kam regelmäßig in die Abtei, um an den Messen, dem Stundengebet sowie den Unterweisungen teilzunehmen, insbesondere an der Gruppe „Notre Dame de Cana“.

Sie gehörten zum Team Narbonne. Noch am letzten Sonntag waren sie hier. Arnaud war intelligent, sportlich, redselig und lebhaft und er sprach gerne von seiner Konversion. Aufgewachsen in einer wenig praktizierenden Familie, erlebte er etwa im Jahr 2008 mit fast 33 Jahren eine echte Bekehrung. Er empfing 2010 die erste heilige Kommunion und die Firmung nach zwei Jahren Katechumenat. Nach einer Wallfahrt nach Sainte-Anne-d'Auray, wo er 2015 die Jungfrau Maria bat, die Frau seines Lebens zu treffen, schloss er Freundschaft mit Marielle, einer jungen Frau mit einem tiefen und dezenten Glauben. Die Verlobung wurde Ostern 2016 in der bretonischen Abtei Timadeuc gefeiert. Er hatte Marielle, die bereits zivilrechtlich seine Frau ist und die er zärtlich liebt, auch die kirchliche Trauung versprochen. Hatte er das Recht, ein solches Risiko auf sich zu nehmen? Es scheint mir, dass einzig sein Glaube den Wahnwitz dieser Aufopferung erklären kann, die heute die Bewunderung aller auf sich zieht. Er wusste, wie Jesus uns sagte:

,Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.‘ (Johannes 15, 13). Er wusste, dass sein Leben auch Gott, Frankreich und seinen Brüdern in Todesgefahr gehörte. Ich glaube, dass einzig ein von der Nächstenliebe beseelter christlicher Glaube von ihm dieses übermenschliche Opfer fordern konnte. Ich konnte gestern Abend gegen 21 Uhr zu ihm ins Krankenhaus von Carcassonne gehen. Die Polizisten und die Ärzte oder Krankenschwestern haben mich mit einem bemerkenswerten Feingefühl zu ihm geführt. Er lebte zwar noch, war aber nicht bei Bewusstsein. Ich konnte ihm das Sakrament der Krankensalbung und den apostolischen Segen im Angesicht des Todes spenden. Es war der Freitag unmittelbar vor der Eröffnung der Karwoche. Ich hatte gerade die Non und den Kreuzweg in seinen Anliegen gebetet.“

„Oberstleutnant Beltrame war ein praktizierender Katholik“, sagte Pater Dominique Arz, Polizeiseelsorger. „Tatsache ist, dass er seinen Glauben nicht verheimlichte und dass er ihn auch ausstrahlte, von ihm Zeugnis ablegte. Man kann sagen, dass sein Akt der Aufopferung mit dem übereinstimmt, an das er glaubte. Er ist bis ans Ende seiner Aufopferung für das Vaterland gegangen und bis ans Ende seines Glaubenszeugnisses. Glauben bedeutet nicht nur, einer Lehre anzuhängen, es bedeutet zunächst Gott und seinen Nächsten zu lieben und seinen Glauben im Alltagsleben konkret zu bezeugen.“

Ohne die anderen Opfer zu vergessen, wird der Tod des 44-jährigen Absolventen der Militärschule von Saint-Cyr Coëtquidan, wo er Jahrgangsbester war, in Frankreich weiterhin starke Emotionen und enorme Bewunderung wecken. In einem am Montag versandten Schreiben würdigte auch der Papst „die hochherzige und heroische Geste des Oberstleutnant Arnaud Beltrame, der sein Leben gab, um damit Menschen beschützen zu wollen.“

Übersetzt aus dem Französischen von Katrin Krips-Schmidt

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