52. INTERNATIONALER EUCHARISTISCHER KONGRESS

"Wir nehmen den Leib Christi  zu uns und er verwandelt uns"

Zur Mitte, zu Christus in eucharistischer Gestalt führt das gesamte Programm des Internationalen Eucharistischen Kongresses in Budapest. Zum Abschluss am Sonntag wird auch Papst Franziskus in Ungarn erwartet.
Eucharistischer Kongress
Foto: Robert Szaniszlo/Imago Images | Erzbischof Piero Marini, langjährige Zeremoniär mehrerer Päpste, erklärte in seiner Predigt am Montag, die Eucharistie müsse im täglichen Leben sichtbar werden.

Tausende knien auf dem blanken, kalten Betonboden von Pavillon A der "Hungexpo", als Erzbischof Piero Marini die Wandlungsworte spricht. Der langjährige Zeremoniär mehrerer Päpste hat Gottesdienste auf allen Erdteilen und in unterschiedlichstem Ambiente erlebt. Einen wie ihn kann wohl auch die funktionalistische Atmosphäre des Messegeländes von Budapest nicht mehr erschüttern. Keine der wunderbaren Kirchen der ungarischen Hauptstadt, weder die dem heiligen Staatsgründer geweihte Stephansbasilika noch die prächtige Matthiaskirche, wären groß genug für diese weltkirchliche Versammlung gewesen, die sich zum 52. Internationalen Eucharistischen Kongress (IEC) hier einfand.

Weltumspannende Kirche

Also knien sie hier in der Ausstellungshalle auf dem Betonboden: Katholiken aus 80 Ländern der Welt, aus einer bunten Vielfalt von Gemeinden und Gemeinschaften, unterschiedlichen Riten zugehörig, Junge und Alte, Theologen und Nichtakademiker. Auch wenn im Gemisch der Sprachen Ungarisch und Englisch dominieren, so ist Deutsch aber kaum wahrnehmbar: Ein starkes Lebenszeichen der weltumspannenden Kirche einer betenden und anbetenden, nicht einer in Endlosdiskussionen um sich selbst kreisenden Kirche.

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Morgengebet, Katechese, Zeugnis, Workshops und Messe, kulturelle und akademische Umrahmung: Die ganze Choreographie ist achtsam darauf abgestimmt, den Blick auf den eucharistischen Herrn zu lenken. Ständig präsent ist er im rückwärtigen Teil von Pavillon B, wo mit schweren, dunklen Vorhängen ein Anbetungsraum geschaffen wurde: mit einem hellen Teppich und warmem Licht dem Funktionalismus entrissen. Lautlos betend sitzen und knien hier immer einige Fromme vor dem Herrn. Hat der Eucharistische Kongress das sterile Messegelände zur Insel gläubigen Friedens und frohen Austauschs inmitten der hektischen Betriebsamkeit der ungarischen Hauptstadt gemacht, so ist die Anbetungskapelle ein ultimativer Rückzugsort in die Stille.

Papst kommt am Sonntag

Was sind das für Katholiken, die sich eine Woche lang in Budapest zu einem multilingualen Eucharistischen Kongress treffen? Es sind Leute wie jener Seminarist aus Szeged, der mir im Shuttlebus sein Leben erzählt: In England studierte er "International Business", lebte recht materialistisch. "Ich liebte dieses Leben", lächelt er nun souverän, nachdem Gott in sein Leben trat und die Berufung ihn von der Fixierung auf Geld und Karriere befreite. Dass sein neues Leben abenteuerlicher sein wird als das alte, ist ihm sehr bewusst.

"Alle meine Quellen entspringen in dir", lautet das Psalm 87 entlehnte Motto des Kongresses, zu dessen Abschluss am Sonntag Papst Franziskus der ungarischen Hauptstadt einen Blitzbesuch abstatten wird. Bereits am vergangenen Sonntag empfingen 1200 Kinder im Rahmen der Eröffnungsmesse die Erstkommunion. Auf dem Budapester Hösök tere, dem Heldenplatz   was für ein Zeichen! "Ihr seid der Frühling der Kirche!"  , rief der Vorsitzende des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Genuas Kardinal Angelo Bagnasco, den jungen Helden zu. Ihnen und den zahlreichen Schülern der katholischen Schulen gab er diese Botschaft mit auf den Weg: "Gott ist kein Konkurrent eurer Freiheit!" Der Glaube sei kein Feind der Vernunft, sondern suche diese; wie auch die Vernunft den Glauben brauche, um wahrhaft zu sich selbst zu kommen. An alle Jugendlichen gewandt, versicherte Bagnasco: "Die Kirche braucht euch, eure Jugend, euren Enthusiasmus   und ihr braucht Jesus." Die Jugendlichen sollten die Eucharistie ins Zentrum ihrer Tage stellen, denn sie sei die bleibende Präsenz Christi. Die Eucharistie sei jene Quelle, aus der sich das Leben und die Sendung des Christen speise, sagte der Primas von Ungarn und Erzbischof von Esztergom-Budapest, Kardinal Peter Erdö.

Berufung der Kirche 

Diese Haltung prägt den Eucharistischen Kongress, der seine Teilnehmer aus aller Welt zur Mitte hin führt: zur Präsenz Christi in der Eucharistie. "Am Anfang des Christseins steht nicht eine Idee, sondern die Begegnung mit einer liebenden Person", sagte etwa der brasilianische Kardinal Joao Tempesta in einem Vortrag, der per Video übermittelt wurde. Durch die Eucharistie komme den Menschen aller Zeiten die Erlösung zu, die Christus ein für alle Mal gewirkt hat. Die Kirche sei berufen, mit dem Opfer Christi sich selbst darzubringen, so der Erzbischof von Rio de Janeiro. "Die Kommunion zieht mich aus mir selbst zu Christus hin   und zu den anderen. So werden wir ein Leib." Die Eucharistie sei nicht eine Gabe unter anderen, sondern die Gabe Christi schlechthin.
"Die Eucharistie vereint uns   Menschen aller Völker und Kontinente", meinte Bischof Joseph-Marie Ndi-Okalla aus Kamerun. Ganz gegen den Zeitgeist dankte er den Europäern für die Missionierung: "Wir Afrikaner sind dankbar für das Geschenk der Mission und des Glaubens." Das Ergebnis der Evangelisierung sei, "dass die Freude nach Afrika gekommen ist". Wörtlich sagte der Bischof von Mbalmayo: "Der Gott der Eucharistie ist der Gott des Lebens für alle Menschen." In der Eucharistie sei Christus immer unter uns.

Bischof Ndi-Okalla erinnerte daran, dass sein Heimatland Kamerun reich an Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen ist: "Gott ist gut. Er hat uns mit Reichtum überschüttet. Wir sind reich, aber dennoch leben die Afrikaner in extremer Armut." Das liege an jenen, die sich bereichern und mehr Interesse am Reichtum haben als an ihren Mitmenschen. An die Teilnehmer des Kongresses appellierte Ndi-Okalla: "Wir dürfen nicht aufhören, das Evangelium zu verkünden und Jesus für alle Menschen zu vergegenwärtigen."

Realismus in den Predigten

Nein, weltfremd und problemfern sind sie nicht, die frommen Beter, die sich in Budapest treffen. Die Vortragenden und Prediger schwindeln sich auch nicht mit Beschaulichkeit über die Nöte und Leiden der Menschen hinweg. Wie der Bischof aus Kamerun die Ausbeutung und Entrechtung der Afrikaner thematisierte, kritisierte der Patriarch aus Bagdad die Verfolgung der Christen im Orient. "Dem Westen ist nicht bewusst, welchen Ängsten wir im Nahen Osten ausgesetzt sind", meinte das Oberhaupt der Chaldäisch-Katholischen Kirche, Kardinal Louis Raphael Sako. Er dankte der Regierung Ungarns für ihre Unterstützung der Christen in Syrien und im Irak. Mit dieser Hilfe seien Häuser, Schulen und Kirchen in der Niniveh-Ebene, die von Islamisten zerstört worden waren, wieder aufgebaut worden.

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Oft würden irakische Christen von Muslimen gefragt, warum sie so anders seien. "Ja, wir sind anders, weil wir von Christus geformt sind. Wir nehmen den Leib Christi zu uns   und er verwandelt uns", so Patriarch Sako, der den Irak-Besuch von Papst Franziskus als "historisch" bezeichnete. Die Botschaften des Papstes hätten auch die Herzen vieler Muslime erreicht. Dennoch lebe die Christenheit im Orient "in einer Atmosphäre des Misstrauens und des Verdachts". Doch anders als im Westen würden sich die irakischen Christen ihres Glaubens nicht schämen. "In der westlichen Welt haben die Christen zu wenig Mut, sich zu bekennen." Auch greife im Westen der Materialismus immer mehr um sich; eine Konsumgesellschaft breite sich aus. "Das ist schrecklich. Bei uns im Osten ist das nicht so", meinte der in Bagdad residierende Patriarch der Chaldäer.

Gemeinsame Basis

Zur Eröffnung des Eucharistischen Kongresses kam auch der Außenamtschef der Russisch-Orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion Alfejew, wie am Samstag der Ökumenische Patriarch Bartholomaios erwartet wird. Hilarion betonte in Budapest die gemeinsame Glaubensbasis: Orthodoxe und Katholiken würden die Überzeugung teilen, dass der Weg zur Erlösung ohne die Eucharistie nicht denkbar ist. Für die orthodoxen Kirchen sei die Eucharistie das wichtigste Mittel, um das Ziel der Taufe und des ganzen christlichen Lebens zu erreichen. Keine andere Religion biete dem Menschen einen Weg der Vereinigung mit Gott an. Im Empfang der Eucharistie jedoch werde Christus "vollständig mit uns vereint", so Hilarion. Nur die Sünde stehe dann noch zwischen Gott und uns. Auch dafür gibt es beim Kongress in Budapest eine Lösung: Die zahlreich anwesenden Priester werden regelmäßig öffentlich eingeladen, sich im Beicht-Pavillon verfügbar zu machen.

"Wir müssen Gott wieder ins Zentrum unserer Botschaft stellen", rief der Gründer des Gebetshauses Augsburg, Johannes Hartl, den Gläubigen in Budapest zu. Und er plädierte für die Neuentdeckung der Schönheit in Musik, Liturgie und Architektur. Die erste Forderung wird beim Eucharistischen Kongress in vorbildhafter Weise erfüllt, die zweite scheitert zumindest teilweise am Funktionalismus der "Hungexpo". Schönheit, so meinte Hartl mit Recht, sei nicht immer eine Frage des Geldes, aber stets eine Frage der Liebe. Beim Eucharistischen Kongress kommt sie von innen.

 

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