Nikosia

"Wir erwarten keine Wunder"

Die Ökumene mit der Orthodoxie und die Migranten stehen im Zentrum der Zypern-Reise des Papstes, meint der Vikar des Lateinischen Patriarchen, Pater Jerzy Kraj.
Pater Jerzy Kraj
Foto: unbekannt | Der einzige politische Aspekt, der eine Rolle spielen wird, ist die Sorge um die Migranten und Flüchtlinge“, so der aus Polen stammende Franziskaner Jerzy Kraj.

Die Katholiken sind auf Zypern eine kleine Minderheit. Wie ist ihre Lage?

Grundsätzlich positiv. Wir haben Katholiken des armenischen, lateinischen und maronitischen Ritus. Sicher, es gibt einen Prozess der Säkularisierung und viele kommen nur zu Hochfesten in die Gottesdienste, nicht an normalen Sonntagen. Aber wir haben viele ausländische Katholiken, vor allem im lateinischen Ritus. Unsere Kirche setzt sich aus vielen Gruppen zusammen, darunter Migranten und ausländische Arbeiter. Unter den Flüchtlingen sind viele junge Katholiken, die in den Pfarreien aktiv sind. Leider können ausländische Katholiken aus dem Norden der Insel nicht in den Süden kommen, um hier mit uns Gottesdienst zu feiern.

Was bringt der Papstbesuch?

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Das Motto lautet "Tröstet einander im Glauben". Der Papst kommt nicht nur, um uns zu trösten und zu ermutigen, sondern es ist unsere Aufgabe, durch unser Leben einander im Glauben zu stärken. Vor zehn Jahren, beim Besuch von Papst Benedikt, hatten wir laut Statistik 25.000 römisch-katholische Gläubige, von denen zehn Prozent Ortsansässige waren; die Maroniten waren etwa 5.000. Durch die schwere Krise des Libanon kommen nun Tausende maronitische Katholiken als Flüchtlinge nach Zypern.

Hat der Papst auch eine Botschaft für Nahost im Gepäck?

"Ich denke nicht, dass der Papst
mit einer politischen Botschaft kommt"

Nein, ich denke nicht, dass der Papst mit einer politischen Botschaft kommt. Im Zentrum der Reise stehen die Ökumene und der Besuch bei der kleinen Herde. Die katholische Kirche ist eine kleine Gemeinschaft und der Papst besucht uns als Peripherie der katholischen Herde. Er legt Wert auf unsere ökumenische Erfahrung, denn unsere Beziehungen sind sehr gut.

Tatsächlich? Die orthodoxe Kirche Zyperns gilt als Ökumene-skeptisch.

Sie ist skeptisch hinsichtlich der Theologie, aber nicht im alltäglichen Leben. Hier auf der griechischen Seite Zyperns haben wir Franziskaner nur drei eigene Kirchen, weitere vier Kirchen werden uns von den Orthodoxen zum kostenlosen Gebrauch überlassen. Sie laden uns oft ein und sind sehr freundlich. Theologisch ist das anders, da die Orthodoxie Einflüssen aus Russland ausgesetzt ist, aber im Alltag sind die Beziehungen sehr gut.

Wie sieht die Orthodoxie den Papstbesuch: skeptisch oder erwartungsvoll?

"Es wird unter den Bischöfen auch kritische Wortmeldungen
geben, aber keine Demonstrationen oder Proteste"

Ich denke, dass die Hierarchie glücklich ist. Erzbischof Chrysostomos selbst hat den Papst eingeladen, und es wird eine liturgische Begegnung geben. Es wird unter den Bischöfen auch kritische Wortmeldungen geben, aber keine Demonstrationen oder Proteste. Wir erwarten keine Wunder, doch Papst Franziskus ist bekannt für seinen aktiven ökumenischen Zugang. Die Resultate werden wir nicht morgen sehen, aber so werden künftige Dialoge vorbereitet, indem man den Glauben jener würdigt, die noch fern und nicht in voller Gemeinschaft leben.

Zypern ist noch immer geteilt. Wird der Papst dazu Stellung nehmen?

Nein, gewiss nicht. Diese Angelegenheit ist äußerst delikat. Angesichts der Kürze des Besuchs wird er ganz auf die religiösen Aspekte konzentriert sein. Der einzige politische Aspekt, der eine Rolle spielen wird, ist die Sorge um die Migranten und Flüchtlinge. Es wird nicht um die politische Versöhnung gehen, aber um Dialog, Religionsfreiheit und das kulturelle wie religiöse Erbe Zyperns. 

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Themen & Autoren
Stephan Baier

Kirche

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24.01.2022, 11 Uhr
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