Porträt der Woche

Pierre-Edouard Stérin möchte heilig werden

Multimillionär gibt alles an eine Stiftung. Schon als junger Mann unternehmerisch tätig und erfolgreich trotz einiger Rückschläge.
Pierre-Edouard Stérin
Foto: Otium Capital | Pierre-Edouard Stérin, Unternehmer und Multimillionär, hat nur den Ehrgeiz, heilig zu werden.

„Mein einziger Ehrgeiz ist es, heilig zu werden.“ Solche Worte hört man nicht oft von einem Multimillionär. Noch seltener kommt einem zu Ohren, dass ein solcher sein gesamtes Vermögen in eine gemeinnützige Stiftung gibt. Genau das hat Pierre-Edouard Stérin, Jahrgang 1974, im Sommer dieses Jahres angekündigt.

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Unternehmer schon als Kind

Gerne erzählt der Unternehmer und Investor, wie er bereits als Kind seinen unternehmerischen Geist geschult hat: Mit 13 Jahren verkaufte er auf dem Markt die großmütterliche Konfitüre und Haselnüsse aus dem Garten, um sich einen Computer zu finanzieren.

Nach dem Studium und mehreren unternehmerischen Rückschlägen, die ihn im Alter von 28 gar zur Rückkehr in sein Elternhaus zwingen, gelingt schließlich der Durchbruch: Mit einem elterlichen Startkapital von 5000 Euro gründet er 2003 den französischen Zweig des heute internationalen Geschenkboxunternehmens Smartbox mit einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro. 2013 zieht er sich von der Firmenleitung zurück, bleibt aber Hauptaktionär und leitet seitdem den von ihm gegründeten Investitionsfonds Otium Capital.

Der Himmel als Investitionsziel

Pierre-Edouard Stérin tritt selten öffentlich in Erscheinung. Wenn er es tut, hält er mit seinem Glauben nicht hinter dem Berg. 2018 erklärt er im Wirtschaftsmagazin „Entreprendre“, dass er täglich versuche, während seiner Zeit auf Erden seine Chancen zu erhöhen, „dort oben auf der sicheren Seite zu landen“.

Seit Jahren unterstützt Stérin gemeinnützige Projekte aller Art. 2017 begründet er die Spendengala „La Nuit du Bien Commun“ zur Unterstützung von jährlich zehn bis fünfzehn gemeinnützigen Projekten (Bericht S. 31) mit. Dieses Jahr überraschte er die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, seine Kinder zu enterben und sein gesamtes Vermögen in Höhe von 800 Millionen Euro in eine von ihm gegründete Stiftung für gemeinnützige Zwecke zu geben.

Geld freigeben

Die Entscheidung habe er im Einverständnis mit seiner Ehefrau getroffen, erklärt er im Juni 2021 dem Magazin „Challenges“. Seinen fünf Kindern gebe er jedoch das Wichtigste mit, das er zu geben habe: ihre Erziehung. Gerate eines seiner Kinder in finanzielle Schwierigkeiten, werde er selbstverständlich unterstützen.

„Ich will meine Kinder nicht verziehen. Es gibt wirkliche Freiheit, mit nichts in der Tasche in die Welt zu starten.“ Sein Geld könne er auch deshalb so frei weggeben, weil er alles in 20 Jahren Berufsleben selbst erwirtschaftet habe. Sein tiefster Beweggrund bleibt dabei sein Glaube: „Ich bin Christ und lasse mich vom Gleichnis der Talente leiten. Jesus hat mir meine Fähigkeiten verliehen, damit ich denen helfe, die nicht so viel Glück haben wie ich.“

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