Vatikanstadt

Irenäus von Lyon wird "Lehrer der Einheit"

Papst Franziskus hat entschieden: Irenäus von Lyon wird als „doctor unitatis“ Kirchenlehrer. Der Lehrer verteidigte das Evangelium gegen die Gnosis.
Irenäus von Lyon
Foto: IN | Irenäus von Lyon wird zum Kirchenlehrer erhoben.

In einer Audienz mit Angehörigen des orthodox-katholischen Arbeitskreises Sankt Irenäus kündigte Papst Franziskus vergangene Woche seine Absicht an, den heiligen Irenäus von Lyon zum Kirchenlehrer mit dem Titel „Doctor unitatis“ („Gelehrter der Einheit“) zu erklären. Damit wird Irenäus der 37. Kirchenlehrer der katholischen Kirche.

Schüler von Polykarp

Geboren wurde Irenäus zwischen 135 und 140 in Smyrna, dem heutigen Izmir. Er war Schüler von Bischof Polykarp, einem Schüler des Apostels Johannes. Im Jahr 177 ist Irenäus bereits in Lyon belegt. Eine Mission nach Rom rettete ihn vor der Verfolgung, der 48 Märtyrer – darunter der Bischof von Lyon – zum Opfer fielen. Nach seiner Rückkehr aus Rom wurde Irenäus zum Bischof gewählt. Er blieb Bischof von Lyon bis zu seinem Märtyrertod, der um das Jahr 202/203 datiert wird.
Irenäus hat wohl als Erster die christliche Theologie systematisch dargelegt, insbesondere in seinem fünfbändigen Werk „Adversus haereses“ („Gegen die Irrlehren“).

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Gemeint ist vor allem die Gnosis („Erkenntnis“). Die im zweiten und dritten Jahrhundert verbreitete Irrlehre behauptete, der in der Kirche gelehrte Glaube sei lediglich Symbolik. Die „wahre Geheimlehre“ verstünden nur die Eingeweihten, die „Gnostiker“. Die Erlösung des Menschen liege in der „Erkenntnis“ der Göttlichkeit seines eigenen Selbst. Die Gnosis verachtete die Materie: Die sichtbare Welt sei durch einen „Demiurgen“ geschaffen, der den minderwertigen „fleischlichen“ Menschen bildete, in dem er das zur göttlichen Oberwelt gehörende „Pneuma“ mit der „bösen Materie“ vermischte.

Keine Geheimlehre

Auf Irenäus' Antwort auf die Gnosis ging der heutige emeritierte Papst Benedikt XVI. in der Generalaudienz vom 28. März 2007 ein, die er dem Bischof von Lyon widmete: Das wahre Evangelium sei jenes, das die Bischöfe von den Aposteln empfangen hätten. In diesem einfachen Glauben sei auch die wahre Tiefe der Offenbarung Gottes: „Es gibt also – sagt uns Irenäus – keine Geheimlehre hinter dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis (Credo) der Kirche. Der von der Kirche öffentlich bekannte Glaube ist der gemeinsame Glaube aller.“ Benedikt betonte, dass laut Irenäus die apostolische Tradition „eine“ ist.

„Während nämlich der Gnostizismus in zahlreiche Sekten unterteilt ist, ist die Überlieferung der Kirche eine einzige in ihren grundsätzlichen Inhalten.“ Der emeritierte Papst zitiert Irenäus wörtlich: „Die in Germanien gegründeten Kirchen glauben und überliefern nicht anders als die in Spanien oder bei den Kelten, die im Orient oder in Ägypten, die in Libyen oder in der Mitte der Welt.“ Daher wird der Titel „Doktor der Einheit“ verständlich, den Papst Franziskus für den neuen Kirchenlehrer mit dem Kommentar vorgeschlagen hat, er sei eine „große geistige und theologische Brücke zwischen östlichen und westlichen Christen“.

Wider den Dualismus

Im Dezember 2018 veröffentlichte Jan-Heiner Tück, Professor am Institut für Systematische Theologie der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, in der „NZZ“ einen Artikel über den vom Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, eingebrachten Vorschlag, Irenäus von Lyon zum „Kirchenvater der Einheit der Kirche“ zu erheben. Tück wies auf Irenäus' Kampf gegen die Gnosis, aber auch auf die Auseinandersetzung mit dem „Erzhäretiker“ Markion hin. Markion „lehrte einen Dualismus zwischen einem bösen Schöpfer- und einem guten Erlösergott.

Nahe Petrus

Ersteren identifizierte er mit dem gerechten Gott des Alten Testaments, letzteren mit dem Gott der Liebe in der Verkündigung Jesu. Aus seinem Kanon der heiligen Schriften schied Markion das Alte Testament aus und ließ nur ein von ,jüdischen‘ Elementen gereinigtes Evangelium und zehn Paulus-Briefe gelten.“ Irenäus habe dagegen die Einheit der Bibel verteidigt: „Um den Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Bund zu verdeutlichen, griff er auf das Instrument der typologischen Auslegung zurück, nach der durch Moses und die Propheten vorbereitet wird, was sich im Neuen Testament mit Jesus Christus erfüllt.“

Die römische Kirche gedenkt Irenäus‘ am 28. Juni, dem Vorabend des Festes Peter und Paul. Auch darin äußert sich seine Bedeutung für die Einheit der katholischen Kirche.

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