Vatikanstadt

Ins Niemandsland der Kirche

Kirchenfunktionäre in Europa müssten den Untergang des Christentums fürchten, wenn Afrika und Asien nicht zeigen würden, dass Evangelisierung fruchtbar sein kann.
Einsame Kirche am Meer
Foto: fotolia.de | Es ist verständlich, dass man sich auf der dunklen Seite des Mondes, in den mehr und mehr postchristlich kalten Regionen des einst glaubensstarken Abendlands, Sorgen über die Zukunft der Catholica macht.

Der Trend hält an: Überall in der Welt steigt die Zahl der Katholiken, nur in Europa schrumpft die Kirche vor sich hin. Die wie gewöhnlich zum Weltmissionssonntag vom Vatikan veröffentlichten Daten des "Statistischen Jahrbuchs der Kirche" bestätigt auch für das Jahr 2019 einen starken Anstieg bei den Getauften in Afrika (plus 33,360 Millionen) und Asien (plus 40,434 Millionen). Ebenso Amerika (plus 6,973 Millionen) hat Anteil an dieser Aufwärtsentwicklung, insgesamt stieg der Anteil der römisch-katholischen Christen an der Weltbevölkerung damit erneut leicht auf 17,7 Prozent. Einzig in Europa gab es ein deutliches Minus bei den Katholiken von 292.000. 

Sonne des Wachstums über Asien und Afrika

Dass die Sonne des Wachstums vor allem über Asien und Afrika scheint, zeigt sich auch bei den Berufungen. Ende 2019 gab es in der Welt 271 Priester mehr als im Vorjahr: In Afrika ein Plus von 1.649, in Asien sogar ein Plus von 1.989. Nach unten zeigt der Pfeil weiterhin in Amerika (minus 690) und vor allem in Europa. Dort schloss das Jahr 2019 mit einem Minus von 2.608 Priestern ab. Nur bei den ständigen Diakonen sah es gegenläufig aus. Hier stieg die Zahl in Europa (plus 177), während sie in Asien sank (minus elf). 

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Auch der globale Trend des Rückgangs der Ordensfrauen hielt 2019 an: Wiederum in Afrika (plus 835) und Asien (plus 599) wurden es mehr, dagegen verloren Amerika 5.315 und Europa sogar 7.400 Ordensfrauen. Noch eine Zahl zum Abschluss: Hätte in Rom Ende 2019 ein Drittes Vatikanisches Konzil beginnen sollen, hätte man zuvor eine Konzilsaula für 5.364 Bischöfe bauen müssen. Das Zweite Vatikanum mit zweieinhalbtausend Bischöfen konnte noch im Petersdom tagen.

Insgesamt also ist die katholische Kirche auf Wachstumskurs. Aber verständlich ist es auch, dass man sich auf der dunklen Seite des Mondes, in den mehr und mehr postchristlich kalten Regionen des einst glaubensstarken Abendlands, Sorgen über die Zukunft der Catholica macht. So wie Kardinal Walter Kasper, der mit seinen 88 Jahren ein erfahrener Kirchenmann ist, als deutscher Bischof, aber auch als Kurienkardinal mit ökumenischer Weite. Die Spannungen zwischen der Kirche in Deutschland und Rom wegen des Synodalen Wegs, so schrieb er jetzt in der "Herder-Korrespondenz", "belasten mich physisch, aber erst recht gemütsmäßig", wobei er nicht eine Kirchenspaltung befürchtet, sondern die "viel schlimmere niederländische Variante": Nach dem Scheitern des dortigen Patoralkonzils von 1966 bis 1970 mit ähnlichen Vorstellungen, wie man sie jetzt in Deutschland ventiliert, seien die Niederlande zu einem der säkularisiertesten Länder Europas geworden. Wenn die Getauften die Kirche aus Enttäuschung über Reformflops verlassen, sammelten sie sich nicht in einer neuen Kirche, "sie gehen nicht ins Schisma, sondern in ein entchristlichtes konfessionsloses Niemandsland".  

Es hilft nur ein unverfälschter Glaube

Schon die einst blühende Kirche Nordafrikas und des Mittleren Ostens ist mit dem Verdunsten des Glaubens zu einem geistig-geistlichen Niemandsland geworden, das sich der vordringende Islam mühelos seinem Machtanspruch einverleiben konnte. Die Christenheit weiß, wie (schmerzlich) es ist, wenn der Heilige Geist durch die Vordertür entschwindet, um auf ganz anderen Seiten wieder kräftig hineinzuwehen. Ist die vom Vatikan jährlich verbreitete Weltstatistik nicht ein Beleg für diesen Umwälzungsprozess? 

Weder Strukturreformen noch die Umverteilung von "Macht", nicht die Priesterehe oder eine neue Sexualmoral machen aus den christlichen Gemeinden Afrikas und Asiens blühende Kornkammern der Kirche, sondern ein unverfälschter Glaube an den, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. In den jungen Kirchen geht die Saat der Mission und Evangelisierung auf, die die Ideologen des Synodalen Wegs meiden wie die Pest, weil sie den Glauben an die Inkarnation Gottes in der einen Kirche Jesu Christi verloren haben.

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